Mittlerer Osten
Argentinien – Relativer „Gewinner“ der Krise im Mittleren Osten?
Javier Milei und Donald Trump: eine strategische Annäherung.
Die politische Positionierung Argentiniens in der Krise im Mittleren Osten ist klar: Die Regierung Javier Milei steht fest an der Seite ihrer strategischen Verbündeten USA und Israel, nicht zuletzt aufgrund der engen persönlichen Bindung von Milei an beide Länder und ihre Regierungschefs Trump und Netanjahu. Den Iran betrachtet Argentinien hingegen als Staatsfeind, unvergessen ist bis heute die Rolle Irans bei den Anschlägen auf die israelische Botschaft und das jüdische Kulturzentrum in Buenos Aires 1992 bzw. 1994. Allerdings ist nicht zu erwarten, dass Argentinien sich aktiv am Krieg beteiligen wird, nicht zuletzt aufgrund der mangels Investitionen in den letzten Jahrzehnten technisch stark veralteten militärischen Infrastruktur.
Die kurzfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen sind für Argentinien moderat negativ. Höhere Öl- und Gaspreise an den Weltmärkten belasten Unternehmen und Verbraucher. Seit Beginn des Krieges ist der Benzinpreis um 20% gestiegen (auf aktuell rd. 2000 Pesos/USD 1,45 pro Liter). Die höheren Energiekosten werden damit auch die Inflationsrate negativ beeinflussen und damit die Antiinflationspolitik, wo Milei bisher große Erfolge erzielt hat, – zumindest kurzfristig – erschweren. Der weltweite Anstieg der Energiekosten und Inflation führt auch zu einem höheren Zinsniveau an den weltweiten Finanzmärkten, was insbesondere die Risikoprämien für Schwellenländer erhöht. So ist das Länderrisiko für Argentinien seit Kriegsbeginn um rund 100 auf über 600 Basispunkte gestiegen. Tendenziell erhöhen sich damit die Finanzierungskosten für argentinische Kapitalnehmer, wenngleich der Effekt aufgrund der strikten Haushaltskonsolidierung („Nullverschuldung“) Mileis begrenzt ist.
Mittelfristig dürfte Argentinien von der Krise im Mittleren Osten sogar profitieren. Argentinien verfügt in der Region „Vaca Muerta“ in Patagonien über das zweitgrößte Schiefergasvorkommen und das viertgrößte Schieferölvorkommen der Welt. Über ein Sonderanreizregime („RIGI“) fördert die argentinische Regierung Großinvestitionen über USD 200 Millionen mit steuerlichen und Zollerleichterungen für 30 Jahre. Zusätzlich begünstigt durch das unter Milei deutlich verbesserte makroökonomischen Umfeld ist das Interesse ausländischer Unternehmen an Investitionen im argentinischen Energie- (und Rohstoffbereich) zuletzt deutlich angestiegen und hat bereits zu den ersten Projektankündigungen und -genehmigungen geführt. Aufgrund des Irankriegs über einen längeren Zeitraum höhere Öl- und Gaspreise an den Weltmärkten dürften das Interesse und die finanzielle Rentabilität von Explorationen in Argentinien weiter beschleunigen. Hierbei setzt Argentinien gerade auch auf das unter Trump wieder gestiegene geopolitische und -ökonomische Interesse der USA an einer engeren Zusammenarbeit mit Argentinien. So haben beide Länder im Februar, nach gerade einmal sechs Monaten Verhandlungszeit, ein umfassendes bilaterales Handels- und Investitionsabkommen unterzeichnet.
Für Deutschland und Europa bietet Argentinien – noch verstärkt durch die aktuelle Irankrise – die Chance zu einer Diversifizierung der Energiemärkte. Dem EU-Mercosur-Abkommen, das auf europäischer Seite noch auf die finale Ratifizierung wartet, kommt hierbei besondere Bedeutung zu. Argentinien war das erste Mercosur-Land, das das Abkommen im Februar ratifiziert und damit den Weg für die zumindest vorläufige Anwendung des Abkommens zum 1. Mai ermöglicht hat. Das Abkommen enthält ein eigenes Kapitel zur Investitionssicherheit, um Investitionen europäischer Unternehmen in Argentinien zu erleichtern. Ein erster Schritt einer engeren Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Argentinien war die Unterzeichnung eines Abkommens im Januar zwischen den Unternehmen SEFE und Southern Energy über die Lieferung von LNG-Gas ab 2027 nach Deutschland.