Quantentechnologie
Tech Radar Episode 2
Quantentechnik
© picture alliance/dpa | Bernd WeißbrodQuantentechnologien werden seit Jahren als die Schlüsseltechnologie der Zukunft gehandelt, doch ihre tatsächliche Relevanz bleibt in der öffentlichen Wahrnehmung unterschätzt. Während Politik und Wirtschaft auf den „nächsten großen Paradigmenwechsel“ warten, passiert die Entwicklung schleichend, aber stetig: Quantum ist längst nicht mehr nur ein Projektionsraum futuristischer Visionen, sondern beginnt, die technologische Infrastruktur von heute zu durchdringen. Von quantensicheren Zufallszahlengeneratoren in Smartphones bis zu ersten Quantenkommunikationsnetzen zeigt sich: Die Technologie ist im Übergang zur frühen Realität. Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr, ob die Revolution kommt, sondern wann und wer sie gestalten wird. Dieser Frage widmet sich die zweite Episode der Publikationsreihe “Tech Radar”, die von Valentin Weber und Céline Nauer verfasst wurde.
Die Analyse zeigt, dass Europa in dieser Entwicklung eine starke wissenschaftliche Basis hat, aber sein Potenzial durch Fragmentierung gefährdet. Münchens Quantum Valley, Delft und Paris gehören zu den weltweit leistungsfähigsten Standorten, doch sie agieren wie Inseln in einem Meer nationaler Zuständigkeiten. Im Vergleich dazu arbeiten die USA mit enormen privaten Investitionen an einem hochskalierbaren Ökosystem, während China seine Quantentechnologie strategisch als geopolitisches Instrument einsetzt, etwa durch den Aufbau internationaler Quantenkommunikationsnetze entlang politischer Allianzen. Für Europa wird damit deutlich: wer im globalen Technologiewettbewerb bestehen will, braucht mehr als exzellente Forschung. Es braucht eine gemeinsame Richtung.
Gleichzeitig entstehen tiefgreifende technologische Verschiebungen, die Europas strategische Entscheidungen dringlich machen. Das Zusammenspiel von künstlicher Intelligenz und Quantum Computing könnte die Geschwindigkeit datenintensiver Prozesse radikal verändern und neue industrielle Anwendungen ermöglichen. Darüber hinaus wird die Diffusion quantenbasierter Technologien im IoT‑Stack - von Navigation bis Kryptografie - in den kommenden Jahren stark zunehmen. Diese Entwicklungen sind keine hypothetischen Szenarien, sondern Trendlinien, welche bereits sichtbar sind. Wer in der Zukunft resilient bleiben will, muss heute damit beginnen, die eigene digitale Infrastruktur quantenfest zu machen.
Für die europäische Politik ergibt sich daraus ein klarer Handlungsauftrag: Vernetzen, diffundieren, sichtbar werden. Europas Hotspots müssen durch neue Mobilitätsprogramme und gemeinsame Testbeds verbunden werden. Quantenresiliente Technologien müssen systematisch in kritische Infrastrukturen integriert werden. Und Europa braucht ein öffentliches Narrativ, das die eigenen Ambitionen unterstreicht – etwa mit einem globalen Quantum Summit. Strategische Vorausschau heißt in diesem Fall: nicht auf den nächsten Durchbruch zu warten, sondern ihn aktiv gestalten.