Freiheitsrechte
Fritz-Bauer-Preis für netzpolitik.org

Die Humanistische Union (HU) hat ihren diesjährigen Fritz-Bauer-Preis an das Redaktionsteam von netzpolitik.org verliehen. Die Laudatio hielt Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.
Werner Koep-Kerstin (1. v. l.), Vorsitzender der Humanistischen Union, Markus Beckedahl, Gründer von netzpolitik.org (3. v. l.) und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (4. v. l.) bei der Verleihung des Fritz-Bauer-Preises 2021 in Berlin.

Werner Koep-Kerstin (1. v. l.), Vorsitzender der Humanistischen Union, Markus Beckedahl, Gründer von netzpolitik.org (3. v. l.) und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (4. v. l.) bei der Verleihung des Fritz-Bauer-Preises 2021 in Berlin.

© Axel Bußmer (Humanistische Union)

Die Humanistische Union (HU) hat ihren diesjährigen Fritz-Bauer-Preis an das Redaktionsteam von netzpolitik.org verliehen. Die Plattform für digitale Freiheitsrechte habe in Deutschland seit vielen Jahren den netzpolitischen Diskurs durch großes Engagement, die Kombination aus technischer und politischer Kompetenz, hohe journalistische Standards und investigative Recherche wesentlich mitgeprägt. Die Laudatio hielt Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.

Der Vorsitzende der Humanistischen Union, Werner Koep-Kerstin, begründet die Entscheidung: "Als Plattform für digitale Freiheitsrechte greifen die zahlreichen Autorinnen und Autoren von netzpolitik.org die großen Fragestellungen im Zusammenhang von Digitalisierung und Politik sowie Gesellschaft seit bald 20 Jahren auf. Bürgernah bietet die Plattform hervorragend recherchierte Informationen besonders für diejenigen an, die sich für digitale Freiheitsrechte engagieren.

Haltung und Mut im Sinne des Vermächtnisses Fritz Bauers bewiesen

Mit der seinerzeitigen Veröffentlichung von Unterlagen des Bundesverfassungsschutzes zum Ausbau der Massenüberwachung im Netz, die geeignet waren, Freiheitsrechte einzuschränken, hat das Redaktionsteam von netzpolitik.org nach Auffassung der Humanistischen Union Haltung und Mut im Sinne des politischen und rechtlichen Vermächtnisses Fritz Bauers bewiesen. Dies galt besonders, als sich die Redaktion mit dem unhaltbaren Vorwurf des Landesverrats konfrontiert sah. Netzpolitik.org hat seit vielen Jahren den netzpolitischen Diskurs in Deutschland durch viel Engagement, der Kombination aus technischer und politischer Kompetenz, hohe journalistische Standards und investigative Recherche wesentlich mitgeprägt."

"So unbequem zu sein, dass Herr Maaßen sich daran stört, ist eine gute journalistische Messlatte"

Das bekräftigte auch Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, in ihrer Laudatio: "Bei netzpolitik.org weiß man einfach, dass sie Fakten aufzeigen und nicht Fakes produzieren – im Gegenteil sie entlarven. Sie manipulieren nicht und desinformieren nicht, sie wollen einfach dem Bürger die Informationen zu einem mündigen, selbstbestimmten Verhalten geben. Und sie rütteln mit ihren Enthüllungen auf, schaffen Awareness und Bewusstsein für die Bedeutung des humanen, liberalen und demokratischen Rechtswesens."

Sie haben aber nicht nur berichtet, sie haben wirklichen Einsatz für die Sache gezeigt und den Begriff des Haltungsjournalismus für netzpolitische Themen mit Leben gefüllt. Dafür sind Sie auch an die Grenzen des Journalismus gegangen.

Der Staat darf nicht zum Sicherheitsrisiko werden
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

Netzpolitik.org kämpfe nicht nur gegen die Beschränkung von Freiheitsrechten, sondern zeige damit staatlichen Institutionen auch ihre Grenzen auf, so die ehemalige Justizministerin. "Digitalisierung darf nicht das Instrument der Bagatellisierung der elementaren Grundrechte sein, die unverzichtbar für unsere liberale Demokratie, also der wertegebundenen Demokratie sind. Dieser Anspruch verbindet sie auch mit Fritz Bauer." Eine weitere Parallele zwischen Netzpolitik.org und Fritz Bauer sieht Leutheusser-Schnarrenberger darin, dass beide "nicht konform leise und unbemerkt im Zeitgeist mitschwimmen, sondern sich dann vehement, kompetent und lautstark entgegenstellen, wenn wichtige Werte gefährdet werden – wie zum Beispiel die informationelle Selbstbestimmung des Einzelnen oder die Persönlichkeitsrechte."

Würdigung für Verdienste um Humanisierung, Liberalisierung und Demokratisierung des Rechtswesens

Mit dem Fritz-Bauer-Preis würdigt die Humanistische Union herausragende Verdienste um die Humanisierung, Liberalisierung und Demokratisierung des Rechtswesens. Der ideelle Preis wird im Gedenken an Dr. Fritz Bauer, den 1968 verstorbenen hessischen Generalstaatsanwalt und Mitbegründer der Humanistischen Union, verliehen. Bauer hat nicht nur maßgeblich zur juristischen Verfolgung und Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen beigetragen, sondern wichtige Impulse für die Modernisierung des Strafrechts und die Humanisierung des Strafvollzugs gegeben.

Der nach ihm benannte ideelle Preis wurde von der Humanistischen Union im Juli 1968, zwei Wochen nach dem Tod Fritz Bauers, gestiftet. Zu den bisherigen Preisträgern gehörten unter anderem Gustav Heinemann (1970), Peggy Parnass (1980), Günter Grass (1997), Regine Hildebrandt (2000), Burkhard Hirsch (2006), Edward J. Snowden (2014) und Christian Ströbele (2018).

Laudatio zur Verleihung des Fritz-Bauer-Preises

  • Lesen Sie hier die ganze Laudatio von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger für Markus Beckedahl und die Redaktion von netzpolitik.org