Westbalkan
Wo Moskaus Propaganda greift

Neue Studie: Russische Medien auf dem Balkan
Russische Medien in Serbien de

© Toni R. Crisolli

Warum sind weite Teile der serbischen Bevölkerung davon überzeugt, dass Russland der engste und wichtigste Wirtschaftspartner des Landes ist, obwohl zwei Drittel der serbischen Exporte in die Europäische Union gehen, die darüber hinaus auch bei ausländischen Direktinvestitionen weit vor Russland liegt? Neben amtlichen Verlautbarungen, welche die Beziehungen zu Russland nahezu durchweg in positivem, hellen Licht erscheinen lassen, spielt russischer Medieneinfluss hier eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Das ist jedenfalls die zentrale These des ehemaligen langjährigen Regionalbüroleiters der Deutschen Presse Agentur für Südosteuropa, Dr. Thomas Brey, der mit dem gelernten Handwerk des Journalisten in der vorliegenden Studie die Arbeitsweisen russischer Auslandsmedien analysiert und darlegt, wie sie zur öffentlichen Meinungsbildung ganz entscheidend beitragen. Die serbische Ausgabe des russischen Auslandsdienstes „Sputnik“ steht dabei im Mittelpunkt.

Nach der Analyse der Osteuropahistorikerin Susanne Spahn über "Russische Medien in Deutschland" liegt damit erstmals eine Fallstudie für den Balkan vor, welche die Wirkungsweise und Gefahren russischer Staatspropaganda in dieser Region thematisiert.

Im Unterschied zu Deutschland und den westlichen Demokratien insgesamt liegt die besondere Herausforderung allerdings darin, dass die Propaganda des Kreml bei den politischen Eliten und weiten Teilen der Bevölkerung in der Region auf offene Ohren stößt und "russisches Medienmaterial höchst willkommen" ist, wie der Autor resümierend konstatiert.

Vor dem Hintergrund einer staatlich dominierten und kontrollierten Medienlandschaft erhöht sich daher noch die Relevanz kritischer Medienanalysen. Die hier Vorliegende bietet Aufklärung im besten Sinne.

Luxemburger Tageblatt, 18.10.2021