FemaleForwardBlog
Frauen können alles. Let’s do it.

Bettina Stark-Watzinger FemaleForwardBlog

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Frauenförderung sollte das Unwort des Jahres werden. Frauen müssen nicht gefördert werden. Frauen können alles, sie können es nur zu wenig zeigen.

Für mich steht fest, Chancengerechtigkeit geht uns alle an. Immer auf Gesetze oder Quoten zu verweisen, wird der Aufgabe nicht gerecht. Dass die Gründerinnen von männlich besetzten Investorenboards immer noch weniger Kapital für Investitionen bekommen als ihre männlichen Mitbewerber zeigt: die Denkmuster in der Gesellschaft ändern sich viel langsamer, als wir uns das wünschen. Das gilt übrigens auch umgekehrt - fragen sie einmal Männer, die als Sekretäre arbeiten möchten. Machen wir uns nichts vor, es wird eine Daueraufgabe, für eine diverse Gesellschaft zu kämpfen. Das sollte uns aber nicht entmutigen. Wir alle können unser Lebensumfeld gestalten.

Es sind nicht die Frauen, die sich ändern müssen, sondern die Spielregeln in Beruf und Politik. Frauen möchten nicht in ellenlangen Meetings sitzen und noch einmal das sagen, was von allen anderen schon gesagt wurde, nur nicht von ihnen. Sie möchten auch nicht während eines Offsite-Meetings nachts um vier Uhr an der Bar die wichtigen Gespräche führen, sondern ausgeschlafen tagsüber. Falsch wäre es aber auch, einseitig die Männer zum Umdenken aufzufordern. „Sei die Heldin deines Lebens, nicht das Opfer“, formulierte es die Schriftstellerin Nora Ephron. Wir Frauen müssen uns trauen, in den Wettbewerb einzusteigen, statt darauf zuwarten, dass uns jemand fragt.

Statt mehr Gesetze brauchen wir endlich eine Kultur der Aufmerksamkeit für die tief verwurzelten unbewussten Vorurteile (unconscious bias) in unserer Gesellschaft. Nur was wir kennen, können wir ändern. Dieses grundlegende Bewusstsein kann im nächsten Schritt mit klaren Zielsetzungen flankiert werden, damit Diversität den Stellenwert bekommt, die sie verdient. Erst dann können wir eine Arbeitswelt schaffen, die weg von einer Präsenzkultur hin zu Führen in Teilzeit geht sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht.

Mich treibt der Spruch von Madeleine Albright an, die sagte: „Es gibt einen besonderen Platz in der Hölle für Frauen, die anderen Frauen nicht helfen.“ Ich bin mir sicher, der Satz gilt auch für Männer.