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Nachruf
Zum Tod von Walter Rasch

Walter Rasch, Senator a.D.

Walter Rasch, Senator a.D.

 

© © picture alliance / photothek | Thomas Imo/photothek

Im meist recht schnellen und von Veränderungen geprägten Politikerleben gibt es gelegentlich Menschen, mit denen man in angenehmer Weise längere Strecken des Weges gemeinsam geht. Und manchmal gelingt es sogar, so etwas wie freundschaftliche Beziehungen aufzubauen und über die Jahre und Jahrzehnte zu halten.

Ein solcher Fall war für mich Walter Rasch. Er war ein Jahr älter als ich, wir lernten uns schon zu Studentenzeiten kennen, und eine Zeitlang waren wir sozusagen auf parallelen Strecken unterwegs. Beide begannen wir 1969 eine Tätigkeit bei der Friedrich-Naumann-Stiftung, übernahmen dann 1971 Positionen als Persönliche Referenten von liberalen Landesministern, Walter Rasch in Berlin, ich in Hessen. Beide wurden wir nach der Tätigkeit im Ministerium später dann Mitglieder unserer Landesparlamente, Walter Rasch in Berlin allerdings deutlich früher als ich in Hessen. Beide zogen wir in die jeweiligen Landeskabinette ein: Walter Rasch war, auch hier deutlich früher als ich in Hessen, von 1975 bis 1981 Senator für Schulwesen in Berlin. Beide führten wir für einige Jahre die jeweiligen FDP-Fraktionen in unseren Länderparlamenten und die jeweiligen Landesparteien der FDP an. Und schlussendlich trafen wir uns regelmäßig im Kuratorium der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, dem Walter Rasch eine erfreulich lange Zeit – von 1975 bis 2017 – mit seinem Rat, seinen Erfahrungen und seinem politischen wie gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Sachverstand in so mancher Diskussion und bei mancher Entscheidung seinen Stempel aufdrückte.

Über eine solch lange gemeinsame Zeit wächst – auch in der Politik – so etwas wie Freundschaft, vor allem, wenn man auch menschlich so harmoniert, wie es zwischen Walter Rasch und mir der Fall war. Zudem gefiel mir immer seine ganz persönliche Attitüde zur Politik. In einem Interview hat er einmal gesagt: „Die Politik war für mich zwar immer spannend. Aber schon als junger Mann wollte ich in die Wirtschaft gehen. In den Berliner Senat geriet ich 1975 eher zufällig.“ Es ist diese Unabhängigkeit, dieser auch unter Druck und den unterschiedlichsten Herausforderungen gut funktionierende Kompass, den man in der Politik braucht, um erfolgreich und die Persönlichkeit wahrend mitzuwirken. Walter Rasch hat, nachdem er erfolgreich Politik in und für Berlin betrieben hat, ohne Schwierigkeiten den Weg aus der Politik und in die Wirtschaft gefunden, ohne dabei unpolitisch zu werden. Sein Einfluss blieb.

In der vergangenen Woche ist Walter Rasch verstorben. Ich vermisse diesen verlässlichen und höchst integren Menschen und Freund, mit dem man, neben politischen Themen, auch so herrlich über Bildung, Werte und Kultur sprechen konnte. Meine Welt ist um einen wichtigen Menschen ärmer geworden.