Gerhart Baum
Vorbild für einen ganzheitlichen Liberalismus

Baum und SLS
© Frank Nürnberger

Anlässlich des 90. Geburtstages von Gerhart Baum fand am 10. November ein Symposium zu Bürgerrechten statt. Rund 300 Besucher folgten in der Landesvertretung des Landes Nordrhein-Westfalen der Würdigung von Bundesfinanzminister Lindner und einer spannenden Podiumsdiskussion, in der u.a. Ahmad Mansour und Bundesjustizminister Buschmann über die Facetten des Liberalismus diskutierten.

Garant für Bürgerrechte und den Rechtsstaat

„Gerhart Baum ist ein Politiker mit klarem Kompass, der liberaler Freigeist in der FDP, der Anwalt für Menschenrechte, auch als Menschenrechtsbaum und Menschenrechtsverteidiger beschrieben, der erfolgreichen Streiter beim Bundesverfassungsgericht, die Freiheitsstatue Gerhart Baum", mit diesen Worten eröffnete die frühere Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger die Veranstaltung..

Christian Lindner betonte in seiner Würdigung die Leistungen Gerhart Baums für die Modernisierung der FDP. In der sozial-liberalen Koalition habe Baum das Modernisierungsversprechen der Liberalen als Bundesinnenminister eingelöst. Als Bundesinnenminister war „Gerhart Baum Garant für Bürgerrechte und einen handlungsfähigen Rechtsstaat gleichermaßen“. Trotz des Wechsels von der SPD zur CDU 1982 sei Gerhart Baum in der FDP geblieben, wie Lindner hervorhob. Aus der heutigen Sicht sei klar: „Es ist ein historischer Erfolg, dass es heute keine Konfliktlinien zwischen Wirtschaftsliberalen und Sozialliberalen mehr gibt“, fasste Lindner die Entwicklung des heutigen Liberalismus zusammen.

Die Aufgabe des Liberalismus, in der Opposition wie in Regierungsverantwortung die Bürgerrechte zu verteidigen, sei geprägt durch die Arbeit Gerhart Baums. Mit Verweis auf die neuaufgeflammte Debatte zur Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung konstatierte Lindner: „Standfestigkeit braucht man, wenn es um die Bürgerrechte, um die Freiheit geht. Das ist unsere liberale Grundüberzeugung, die im Zentrum unserer politischen Anstrengungen steht“.

„Gerhart Baum - Facetten eines vielseitigen Liberalen"

In der anschließenden Podiumsdiskussion hob der Psychologe Ahmed Mansour hervor, er bewundere an Baum „den Mut zu haben, zu etwas zu stehen, ohne den Konsens im Blick zu haben“. Bundesjustizminister Buschmann betonte, Baum sei eine inspirierende Figur: „Man sollte immer dem Bedürfnis nachgehen, das Richtige zu sagen und nicht das, was populär ist“. Darüber hinaus nannte Buschmann die Diskussion über die Vorratsdatenspeicherung eine absurde Geschichte, die hoffentlich mit seinem Gesetzentwurf einer anlassbezogenen Datenspeicherung endlich beendet werden könne. Vor zwanzig Jahren habe dieser Kampf begonnen, der von Gerhart Baum immer begleitet worden sei.

Fortschritt durch Diskurs

In seiner Rede ging Gerhart Baum auf das Lebenselixier der liberalen Demokratie ein: „Fortschritt durch Vernunft, sagt das Freiburger Programm. Fortschritt durch Diskurs, möchte ich hinzufügen.“ Gerhart Baum schlug abschließend den Bogen zu den Wurzeln des organisierten Liberalismus: „Wir sind als Liberale verbunden durch eine Idee. Und diese Idee hat eine unglaubliche Tradition. 1848, die Freiheitsbewegungen - es sind immer Liberale gewesen. Wir sind eine Freiheitsbewegung, eine andere gibt es nicht in dieser Republik“.

Prof. Dr. Ludwig Theodor Heuss, Kuratoriumsvorsitzender der Naumann-Stiftung, hob in seinem Schlusswort die Leidenschaft hervor, „mit der Sie, Gerhart Baum, andere anstecken“. „Sie sind jemand, der geprägt ist von der Erschütterung der Diktatur“, sagte Heuss. Und dadurch konnte Gerhart Baum „glaubwürdig Zeit seines Lebens für die Menschenrechte eintreten. Der Wunsch nach Freiheit hat eine lange Geschichte.“