Nachruf
Rita Süssmuth - Eine mutige Frau und Visionärin
Bundestagspräsidentin Prof. Dr. Rita Süssmuth (rechts) vereidigt die neue Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (links)
© Deutscher Bundestag, Bilddatenbank, Presse-Service SteponaitisRita Süssmuth hat mich 1992 als Bundesjustizministerin vereidigt. Da war sie seit 1985 als Ministerin und seit 1988 als Bundestagspräsidentin eine in der Gesellschaft sehr geschätzte Politikerin, die sich nicht in ein Parteischema pressen ließ.
Ihr Antrieb war die Stärkung der liberalen Demokratie für alle Menschen in unserer Gesellschaft. Die deutliche Unterrepräsentanz von Frauen in politischen Ämtern, in den Parlamenten auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene trieb sie als aktive Politikerin und nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag 2002 als engagierte Persönlichkeit in vielen gesellschaftlichen Organisationen und Initiativen um.
Sie hat gesellschaftliche Entwicklungen geprägt und war häufig ihrer Zeit voraus. Reform des Abtreibungsrechts, Strafbarkeit der Vergewaltigung in der Ehe, tatsächliche Vereinbarkeit von Beruf und Familie und Deutschland als Zuwanderungsland hatte sie früh als Herausforderungen unserer Gesellschaft und notwendige Handlungsfelder erkannt, die Unterstützung in der Politik und das Anerkennen in der Gesellschaft folgte später.
Ihre Argumentationsstärke, ihre Empathie, ihre Hartnäckigkeit und ihr Mut haben mich tief beeindruckt. Ich habe sie als überzeugungsstarke Frau sehr geschätzt. Sie war für mich ein Vorbild, Wegbegleiterin und Impulsgeberin.
In ihrem letzten Buch „Über Mut" 2024 fordert sie zur Entschlossenheit auf, sich den Aufgaben unserer Zukunft zu stellen. Ohne Angst. Ohne Verlust. Ohne Verzweiflung.
Ihr Vermächtnis bleibt.
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Rita Süssmuth bei den Düsseldorfer Jonges am 27. Februar 2024.
© Wolfgang Harste