Versorgungssicherheit
Heimisches Schiefergas: Eine Chance für mehr Resilienz
Der Krieg im Iran und die Ereignisse in der Straße von Hormus zeigen erneut, wie verletzlich importabhängige Energiesysteme bleiben. Deutschland ist immer noch stark von Energieimporten abhängig. Wenn internationale Handelsrouten unter Druck geraten, steigen insbesondere hierzulande Preise, Risiken und Unsicherheiten. Genau deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, heimische Energieressourcen neu zu bewerten.
Ein erhebliches, bislang ungenutztes Potenzial
Eine Studie des Geowissenschaftlers Hans-Joachim Kümpel im Auftrag der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit zeigt, dass Deutschland über erhebliche förderbare Schiefer- und Flözgasvorkommen verfügt, die bislang nicht genutzt werden. Diese werden auf rund 1.000 Milliarden Kubikmeter geschätzt. Selbst unter konservativen Annahmen könnte eine Förderung von rund 20 Milliarden Kubikmetern Erdgas pro Jahr möglich sein. Gemessen am deutschen Gasverbrauch entspräche das ungefähr einem Viertel des jährlichen Bedarfs. Das ist keine Nebensache, sondern ein entscheidender Beitrag zur Energieversorgung.
Mehr Resilienz durch heimisches Angebot
Die Vorteile liegen nicht nur in zusätzlichen Mengen. Heimisches Schiefergas könnte einen Teil der LNG-Importe aus Übersee ersetzen und damit Transportemissionen verringern. Die Studie verweist auf mögliche Klimavorteile: Würde importiertes LNG in entsprechendem Umfang ersetzt, könnten jährlich rund 18 Millionen Tonnen CO₂ vermieden werden.
Vor allem aber würde heimische Förderung Deutschlands energiepolitische Resilienz stärken. Die aktuelle Lage zeigt: Selbst wenn die physische Versorgung gesichert bleibt, schlagen geopolitische Krisen über den Weltmarkt unmittelbar auf Preise und Beschaffungskosten durch. Mehr inländisches Angebot würde diese Abhängigkeit spürbar verringern. Deutschland kann die Weltpolitik nicht steuern, es kann aber seine eigene Verwundbarkeit reduzieren und Resilienz stärken.
Ein Verbot mit wachsendem Rechtfertigungsdruck
Die Studie zeigt, dass die Technologie international seit vielen Jahren etabliert ist, zudem hat sich der Stand von Technik und Regulierung weiterentwickelt. Risiken für Umwelt und Grundwasser müssen demnach ernst genommen und streng kontrolliert werden. Gleichzeitig gilt die Technologie bei Einhaltung moderner Standards inzwischen als technisch beherrschbar. Eine Debatte, die von vornherein auf pauschale Verbote setzt, wird dem heutigen Kenntnisstand daher nicht gerecht.
Das bestehende Verbot der unkonventionellen Förderung steht damit zunehmend in einem Widerspruch zu den geowissenschaftlichen Erkenntnissen und zur realen Versorgungslage. Deutschland verzichtet nicht nur auf die Nutzung eigener Ressourcen, es entscheidet sich zugleich für eine noch höhere Abhängigkeit von Importen, Preisen und Krisen, die anderswo ausgelöst werden.
Fazit: Zeit für eine nüchterne Neubewertung
Heimisches Schiefergas wäre ein Beitrag zu einer resilienteren, diversifizierten und wirtschaftlich robusteren Energieversorgung. Hinzu kommt: Die notwendige Infrastruktur schafft nicht nur kurzfristigen Nutzen. Bohrungen könnten perspektivisch auch für Tiefengeothermie genutzt werden und damit über die Gasförderung hinaus einen langfristigen Wert schaffen. Deutschland sollte diese Chance deshalb weder reflexhaft ablehnen noch ideologisch aufladen. Was jetzt gebraucht wird, ist eine nüchterne Neubewertung: wissenschaftsbasiert, technologieoffen und mit klaren Umweltauflagen.