EN

Südostasien
Geteilt fallen wir: Die Reaktion der ASEAN auf Trumps illiberale Handelsagenda

Divided We Fall
© Institute for Democracy and Economic Affairs

Als Präsident Trumps Handelspolitik des „Liberation Day“ Südostasien mit Zöllen zwischen 32 % und 49 % traf, brach die wirtschaftliche Grundlage der Region nicht nur ein, sie zerfiel regelrecht. Während die Association of Southeast Asian Nations (ASEAN) zunächst ein seltenes Bild von Trotz und Solidarität vermittelte, hielt diese Einheit nur wenige Wochen an, bevor die beiden am stärksten exportabhängigen Mitglieder des Blocks, Vietnam und Kambodscha, als Erste aus der Reihe tanzten, um bilaterale Abkommen mit Washington anzustreben.

In einer Analyse über die Reaktion der ASEAN-Länder argumentiert Dr. Stewart Nixon, dass diese Hinwendung zu einseitigen Maßnahmen ein strategischer Fehler war. Indem die ASEAN-Länder es versäumten, eine gemeinsame Front aufrechtzuerhalten, schwächten sie nicht nur ihre Verhandlungsmacht, sondern setzten den Block auch einer gezielten Fragmentierung durch Washington aus.

Die Risiken eines solchen Ansatzes gehen über die unmittelbaren Folgen für den Handel hinaus. Der Eintritt in bilaterale Verhandlungen ohne angemessene Vorbereitung birgt die Gefahr, dass die ASEAN-Länder in die umfassendere geopolitische und strategische Rivalität Washingtons mit China hineingezogen werden, insbesondere in die Instrumentalisierung des Handels. Die vor diesem Hintergrund verhandelten Abkommen begünstigen seiner Meinung nach stark die Vereinigten Staaten und untergraben das regelbasierte internationale Handelssystem.

„Die Aushandlung einzelner Abkommen spielte Trump direkt in die Hände“, schrieb Dr. Nixon. „Die meisten ASEAN-Länder sind letztendlich in einer höheren Zollstufe gelandet, unabhängig davon, was sie im Gegenzug angeboten hatten.“ Er argumentierte, dass regionale, kollektive Verhandlungen, ähnlich dem Ansatz der Europäischen Union, den ASEAN-Staaten weitaus mehr Einfluss verschafft hätten. Schließlich sei die EU auf einer niedrigeren Zollstufe geblieben und habe nur wenige konkrete Zugeständnisse gemacht.

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Inhalt ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

Interview with Dr. Stewart Nixon

© Astro AWANI

Jenseits der Zusammenarbeit mit Washington haben die ASEAN-Regierungen ihre Bemühungen verstärkt, die Handels- und Investitionspartnerschaften zu diversifizieren. Die Verhandlungen über Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union wurden in Malaysia, Indonesien, Singapur und den Philippinen wieder aufgenommen. Vietnam hat begonnen, die Möglichkeit eines Freihandelsabkommens mit dem Mercosur-Block in Südamerika zu prüfen. Mit der Zeit könnten solche Initiativen dazu beitragen, die Abhängigkeit der ASEAN-Länder von den US-Verbrauchern zu verringern.

Dennoch birgt dieser Wandel Risiken. Dr. Nixon warnt davor, dass steigende Zölle den informellen Handel, das Ausnutzen von Regulierungsunterschieden und die Aushöhlung der internationalen Handelsordnung fördern könnten, da Unternehmen versuchen würden, die US-Beschränkungen über die ASEAN-Volkswirtschaften zu umgehen.

Obwohl er der Wirksamkeit der von einzelnen Regierungen ergriffenen innerstaatlichen Ausgleichsmaßnahmen und Strukturreformen skeptisch gegenübersteht, sieht Dr. Nixon diese Phase als einen entscheidenden Moment der Vorbereitung. Bei guter Steuerung könnten diese Maßnahmen die langfristige Widerstandsfähigkeit der ASEAN-Länder stärken und ihre Anfälligkeit für künftige geopolitische Schocks verringern.

Er fordert die nach der Ankündigung von Trumps „Liberation Day“-Zöllen gegründete Geoökonomie-Taskforce der ASEAN sowie die nationalen Entscheidungsträger dazu auf, einen proaktiveren und koordinierteren Ansatz zu verfolgen. Präventives Monitoring, regionale Notfallplanung und kollektive Verhandlungsmechanismen sind aus zwei Gründen unerlässlich: Erstens, weil Trump wiederholt gezeigt hat, dass er Vereinbarungen bricht, und zweitens, weil die Fähigkeit der ASEAN-Staaten, Entwicklungspartnerschaften zu verhandeln, die für alle Beteiligten vorteilhaft sind, davon abhängt, ob sie in einer zunehmend fragmentierten Weltwirtschaft ihre Einheit bewahren.

Ohne diese Einheit laufen die ASEAN-Staaten Gefahr, die älteste Lektion der Geopolitik auf die harte Tour zu lernen: Geteilt, gehen sie unter.

 

*Hnin Wint Naing ist Regionale Kommunikationsreferentin des Büros Asien der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.

Lesen Sie hier Dr. Stewart Nixons ausführliche Analyse der ASEAN-Reaktion auf Präsident Trumps erhöhte Zölle:

  • Dvided We Fall

    Last year was a frantic and unprecedented year for tariff and trade policies, headlined by President Trump’s destabilising ‘reciprocal’ tariff agenda. ASEAN countries are among the leading targets, with four of the ten highest initial ‘Liberation Day’ tariff rates reserved for ASEAN countries.

    This paper takes stock of and seeks to learn from ASEAN’s experience managing and responding to Trump tariffs during 2025. It tracks the evolution of reciprocal tariff rates for the now 11 ASEAN member states and provides a brief capture of the evolving economic impacts. The paper then focuses on how ASEAN and its individual members responded to Trump’s tariff threat across three dimensions: negotiating with Washington, engaging with the region and beyond, and domestic economic measures. An analysis of these responses — highlighting what worked and what did not — derives lessons from the experience to inform a four-pronged strategy for navigating the continuing threat of Trump’s uncertain tariff agenda.