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Großbritannien
Großbritannien und der Krieg gegen den Iran

Britain's Prime Minister Keir Starmer

Britain's Prime Minister Keir Starmer speaks to the media on the situation in the Middle East, at Downing Street in central London on March 16, 2026.

© BROOK MITCHELL / Avalon Picture Alliance / Photoshot

Großbritannien positioniert sich im Krieg zwischen Iran, Israel und den USA als enger westlicher Verbündeter, der militärisch begrenzt eingreift, aber eine Eskalation vermeiden will. Seit Beginn des Krieges am 28. Februar 2026 schoss das Vereinigte Königreich iranische Drohnen und Raketen über verbündeten Staaten wie Katar, Irak und Jordanien ab. Die Regierung betont, dass diese Einsätze defensiv seien und dem Schutz britischer Soldaten und Partner dienten. Großbritannien hat Militärbasen auf Zypern und in Oman, Bahrain und Katar und ist deswegen geopolitisch eng in die Sicherheitsarchitektur des Nahen Ostens eingebunden. Die Nähe zu den USA prägt die britische Linie stark, auch wenn Premierminister Keir Starmer zunächst ein US-Gesuch zur Nutzung britischer Basen ablehnte, bevor er später defensive Einsätze erlaubte. Großbritannien agiert im Schulterschluss mit den USA, Frankreich und Deutschland, die militärische Abwehrmaßnahmen gegen den Iran nicht ausschließen. Die NATO-Strukturen dienen als sicherheitspolitischer Rahmen, auch wenn der Konflikt kein formaler Bündnisfall ist.

Wirtschaftlich bestehen nur begrenzte Beziehungen zum Iran; seit Jahren sind Handel und Investitionen durch Sanktionen eingeschränkt. Kulturelle oder religiöse Bindungen sind schwach, machtpolitisch sieht London Teheran als regionalen Gegenspieler. Großbritannien erhofft sich einen Ausgang, der Irans militärische Fähigkeiten schwächt, aber keinen regionalen Großkrieg auslöst.

Innenpolitisch ist die Stimmung gespalten. Die Regierung wird von konservativen und rechtspopulistischen Parteien kritisiert, sie agiere zu zögerlich und unterstütze die USA nicht ausreichend, während Liberaldemokraten und Grüne vor einer weiteren Verstrickung warnen. In der Zivilgesellschaft dominieren Debatten über die humanitäre Lage im Iran, die Rolle Israels und die Gefahr islamistischer Radikalisierung im Vereinigten Königreich. Unterschiede zwischen staatlicher Linie und öffentlicher Meinung entstehen aus der britischen Kriegsmüdigkeit nach Einsätzen im Irak und in Afghanistan sowie aus Sorgen vor innenpolitischen Spannungen zwischen muslimischen und jüdischen Gemeinschaften. Die größte Sorge der Bevölkerung gilt einer Ausweitung des Konflikts auf Europa und möglichen Anschlägen im Inland.

flags uk and iran
© Oleksii Liskonih,  iStock / Getty Images PlusMax

Die Liberaldemokraten spielen in Großbritannien eine klar wahrnehmbare Rolle in der politischen Debatte über den Krieg im Iran. Sie positionieren sich traditionell als Partei, die militärische Zurückhaltung, multilaterale Lösungen und internationale Rechtsnormen betont und ordern eine stärkere Rolle der UN und der EU bei Waffenstillstands- und Vermittlungsbemühungen. Zudem warnen sie vor einer Ausweitung britischer Militäreinsätze ohne klares Mandat. In der innenpolitischen Debatte sind die Liberaldemokraten eine zentrale parlamentarische Kraft der Deeskalation. Schwerpunkte sind Forderungen nach Transparenz über britische Abwehrmaßnahmen im Nahen Osten und Betonung der Risiken für britische Zivilisten, Handelswege und Energiepreise. Sie greifen damit Sorgen auf, die in Teilen der Bevölkerung verbreitet sindinsbesondere die Kriegsmüdigkeit nach Irak und Afghanistan sowie Angst vor innenpolitischen Spannungen. Die Partei bringt auch regelmäßig wirtschaftliche und humanitäre Aspekte in die Debatte ein (Energiepreise, humanitäre Hilfe für Zivilisten, Risiken von Waffenexporten). Diese Positionen verschieben die Debatte weg von rein sicherheitspolitischen Argumenten hin zu sozialen und wirtschaftlichen Folgen für Großbritannien.

Wirtschaftlich spürt Großbritannien vor allem indirekte Folgen: steigende Energiepreise, höhere Versicherungsprämien für Schifffahrt und Risiken für britische Unternehmen im Nahen Osten. Direkt leidet die Wirtschaft weniger, da die Handelsbeziehungen zum Iran bereits zuvor minimal waren. Betroffen sind jedoch maritime Lieferketten im östlichen Mittelmeer und die Sicherheit britischer Staatsbürger, weshalb London Evakuierungsmaßnahmen für rund 300.000 Bürger in der Region einleitete. Auswirkungen auf die Arbeitsmigration sind gering; Großbritannien erhält kaum iranische Arbeitskräfte, beobachtet aber steigende Asylanträge aus der Region.