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Nordkorea
Ölpreise treffen Nordkorea hart

Die Preisschocks auf dem internationalen Energiemarkt stellen das isolierte Land vor große Herausforderungen. Höhere Transportkosten beeinträchtigen die Wirtschaft. Nordkorea könnte sich noch enger an Russland binden.
Russian Minister of Defence leaving North Korea

Russian Minister of Defence leaving North Korea on 27.4.2026

© Korean Central News Agency (KNCA)

Der Irankrieg dürfte die Energiearmut in Nordkorea noch einmal deutlich verschärfen. Laut Berichten des südkoreanischen Onlinemediums Daily NK, das sich auf ein Netzwerk von Informanten in Nordkorea stützt, stiegen die Preise für Benzin und Diesel in der Grenzstadt Hyesan im April 2026 innerhalb weniger Wochen um rund 60 Prozent. Gleichzeitig haben sich Transportkosten im Güterverkehr je nach Route teilweise verdoppelt.

Aufgrund Norkoreas geringer Diversifizierung der Importe wirken sich steigende Ölpreise auf das isolierte Land besonders stark aus. Die Energieversorgung ist fragil. Internationale Sanktionen begrenzen die Einfuhr raffinierter Erdölprodukte auf 500.000 Barrel und Rohölimporte auf vier Millionen Barrel pro Jahr. In der Praxis wird der tatsächliche Bedarf jedoch seit Jahren nur teilweise über legale Kanäle gedeckt. Ein erheblicher Teil der Versorgung erfolgt über Schmuggel. Dazu zählen Schiff-zu-Schiff-Transfers auf See, die laut UN-Expertengremium den zentralen Mechanismus zur Umgehung der Importbeschränkungen darstellen. Experten gehen außerdem davon aus, dass chinesische Lieferanten mehr Öl durch eine Pipeline nach Nordkorea pumpen als eigentlich erlaubt ist. Da China keine vollständigen Zolldaten zu diesen Lieferungen vorlegt, lässt sich schwer überprüfen, ob die UN-Vorgaben tatsächlich eingehalten werden.

In den vergangenen Jahren hat zudem Russland als Energiepartner an Bedeutung gewonnen – als Gegenleistung für Nordkoreas Beteiligung am Krieg gegen die Ukraine. Russland liefert insbesondere raffinierte Erdölprodukte. Schätzungen zufolge übersteigt der Anteil russischer Lieferungen in diesem Segment inzwischen den chinesischen.

Steigende Weltmarktpreise schlagen auf dem Schwarzmarkt häufig besonders stark durch. Schmuggler kalkulieren einen Risikoaufschlag ein, weil sie Sanktionen umgehen müssen. Wird der legale Handel durch höhere Preise attraktiver, lohnt sich das Schmuggelrisiko für sie weniger – es sei denn, sie erhöhen ihre Schwarzmarktpreise drastisch.

Hohe Energiepreise haben in Nordkorea einen besonders negativen Effekt, da das Land einen großen Anteil seiner Wirtschaftsleistung für Energie ausgeben muss. Hohe Spritpreise könnten den Warenverkehr erheblich beeinträchtigen, sagt Hyunseung Lee, ein ehemaliger nordkoreanischer Geschäftsmann dem Fachmedium NK News: „Wichtige Industriezweige, Fabriken und Baustellen werden Unterbrechungen bei der Materialversorgung erleben. Da die meisten nordkoreanischen Fabriken kaum über liquide Mittel und Kapital verfügen, werden viele gezwungen sein, ihre Produktion zurückzufahren oder ganz zu schließen.“

Höhere Treibstoffpreise schlagen sich auch in der Landwirtschaft nieder und könnten in Nordkorea die chronische Lebensmittelarmut verschärfen. Nordkorea ist stark auf den Import von Dünger und seinen Vorprodukten angewiesen. Steigende Weltmarktpreise stellen das Land damit vor erhebliche Probleme.

Die Versorgungslage könnte sich noch einmal dramatisch verschärfen, sollte China wegen Ölknappheit im eigenen Land die Lieferungen reduzieren. Nordkorea müsste dann darauf hoffen, dass Russland die Ausfälle kompensiert. Die Energieknappheit durch den Irankrieg könnte Russland und Nordkorea so noch enger zueinander bringen.

 

*Sophia Brachtendorf ist Programmreferentin für Nordkorea im Büro der Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit in Seoul/Südkorea.