Nachruf
Dr. Jürgen D. Wickert ist verstorben
Dr. Jürgen D. Wickert
© Michael FrankMit großer Trauer nehmen wir Abschied von Dr. Jürgen D. Wickert. Unser ehemaliger Kollege, der uns auch in seinem Ruhestand verbunden blieb, starb am 15. Januar 2026 in Bonn im Alter von 81 Jahren.
Jürgen Wickert hat in den vielen Jahren seines Wirkens in unterschiedlichen herausgehobenen Positionen nicht nur die internationale Arbeit, sondern die Stiftung insgesamt geprägt. Jeder, der ihn kannte, erinnert sich zuallererst an einen Gentleman „alter Schule“. Von ausgesuchter Höflichkeit und tadellosem Auftreten begegnete er seinen Kolleginnen und Kollegen sowie allen Gesprächspartnern innerhalb und außerhalb der Stiftung stets mit großem Interesse und einem hohen Maß an Empathie. Er war seinem Gegenüber zugewandt, im wahrsten Sinne dieses Wortes – übrigens unabhängig von Status, Stellung oder Alter seiner jeweiligen Gesprächspartner, ob Praktikant oder Spitzenpolitikerin. Jürgen Wickert war formvollendet, und er hatte Stil, Persönlichkeitsmerkmale, die immer schon einen gewissen Seltenheitswert hatten und gerade in der heutigen Zeit zu häufig – und schmerzlich – fehlen.
Jürgen Wickert war zugleich ein hoch gebildeter Mann, ein Weltbürger, der sein großes Fachwissen mit dem ihm eigenen politischen Gespür zu verbinden wusste. Grundlage und Ausgangspunkt seines professionellen Denkens und Handelns waren seine feste Verankerung im Liberalismus, im Wertefundament der Freiheit. Ein liberaler Kompass prägte seine Arbeit und gab seinen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen sowie seinem weiteren Umfeld stets Orientierung. Das galt nicht nur für die größeren Zusammenhänge internationaler Politik; wer seine Unterstützung in welchen Facetten der internationalen Stiftungsarbeit auch immer suchte, fand in Jürgen Wickert stets einen pragmatischen, lösungsorientierten und optimistischen Ratgeber. Dabei genoss er es, seinen immensen Erfahrungsschatz, wo immer möglich, mit allerlei humorvollen Anekdoten aus dem politischen Geschäft zu garnieren.
Jakarta war in den 1970er Jahren die erste Station Jürgen Wickerts als Projektleiter. Es folgten Rom (1978-1983) und dann die USA (1983-1991), wo er die Stiftung zunächst in New York und später in Washington repräsentierte. In den folgenden Jahren baute er als Leiter des Regionalbüros für Mittel-, Südost- und Osteuropa maßgeblich die Stiftungsarbeit in den jungen Demokratien und Transformationsgesellschaften der Region nach dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes auf – eine spannende Pionierarbeit unter heute kaum noch nachzuvollziehenden Rahmenbedingungen. Ab 1997 verantwortete er die Steuerung der Auslandsarbeit der Stiftung als Bereichsleiter (erst IPZ, dann IPD). Brüssel war schließlich seine letzte Station, wo er von 2008 bis 2010 das Regionalbüro „Europäische Institutionen und Nordamerika“, wie es damals hieß, leitete.
Jürgen Wickert hat viel für die Stiftung der Freiheit geleistet. Er bleibt dabei vor allem als begnadeter Netzwerker in Erinnerung, denn er wusste, dass unsere Arbeit jenseits aller formalen Prozesse eben auch maßgeblich von der Qualität menschlicher Beziehungen abhängt. An all seinen Standorten und in all seinen Funktionen eröffnete er der Stiftung und allgemein der liberalen Sache neue Aktionsräume, tragfähige Partnerschaften und verlässliche Zugänge zu den zentralen politischen Entscheidungsträgern. Jürgen Wickert hat deutliche Spuren hinterlassen, als Kollege und Führungspersönlichkeit, vor allem aber als Mensch, von dem wir viel gelernt haben. Sein Tod hinterlässt eine schmerzliche Lücke in der liberalen Familie weltweit. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Unser Mitgefühl gilt in diesen traurigen Tagen seiner Familie.