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Eine Kolumne von Karl-Heinz Paqué

Widerstand
Der Mut zur Tat

Die Verschwörer des 20. Juli bleiben Vorbilder. Jedenfalls in ihrer Entschlossenheit, ihr Leben im Kampf gegen das totalitäre Verbrechen zu opfern.
Portrait Stauffenberg

Das Attentat vom 20. Juli 1944 war der bedeutendste Umsturzversuch des militärischen Widerstandes in der Zeit des Nationalsozialismus

© picture alliance  akg-images

„Das Attentat muss erfolgen, coûte que coûte. … Denn es kommt nicht mehr auf den praktischen Zweck an, sondern darauf, dass die deutsche Widerstandsbewegung vor der Welt und vor der Geschichte den entscheidenden Wurf gewagt hat. Alles andere ist daneben gleichgültig.“

So Henning von Tresckow, einer der treibenden Kräfte des militärischen Widerstands gegen Hitler, kurz vor dem Attentat auf Hitler. Aus den Worten spricht der tiefe Pessimismus, was die Erfolgsaussichten des Attentats betrifft. Aber auch der verzweifelte Mut und die unbedingte Verpflichtung zur Tat, völlig unabhängig von deren Ausgang, als einen Akt der Ehre.

Mit dieser Grundhaltung stand Tresckow keineswegs allein. Es gibt eine Fülle von Zeugnissen, die belegen, dass die Skepsis unter den Verschwörern groß war, was das Gelingen des Attentats betrifft. Manche Historiker haben genau dies zum Gegenstand der Kritik am Kreis der Verschwörer gemacht, und in der Tat lässt sich die Meinung vertreten, gerade diese Skepsis habe hemmend gewirkt für die Planung und Präzision der Tatausführung. Aber diese Kritik verblasst im Anblick der Entschlossenheit und des Mutes zur Tat, die ja gerade deshalb so hoch zu veranschlagen sind, weil die Erfolgsaussichten so gering erschienen. Zur menschlichen Isolation der Verschwörer in der Öffentlichkeit kam eben noch das beklemmende Gefühl, dass alle Opfer umsonst sein könnten – jedenfalls, was den Tod des totalitären Diktators betrifft. Da blieb eben nichts anderes als die Ehre.

Gerade deshalb aber ist die Erinnerung an die Ereignisse des 20. Juli 1944 so wichtig. Auch heute geht es um ein respektvolles Gedenken an jenes Gefühl der Ehre, das die mutigen Männer des 20. Juli bewegte. Es ist deshalb 78 Jahre danach auch absolut richtig, dass die Bundeswehr nicht nur an die Ereignisse erinnert, sondern dies mit einem würdevollen öffentlichen Gelöbnis tut, mit einer Rede der Bundestagspräsidentin im Bendlerblock des Bundesministeriums der Verteidigung, also an jenem Ort, an dem noch in der Nacht vom 20. auf den 21. Juli 1944 vier der Verschwörer hingerichtet wurden, darunter auch der Attentäter selbst, Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Damit bekennt sich der deutsche Staat, wie es seit der Rehabilitierung des Attentats vom 20. Juli 1944 durch eine bahnbrechende Rede des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss 1954 üblich geworden ist, uneingeschränkt zum Widerstand gegen Hitler.

In neuerer Zeit geschieht dies demonstrativ mit einem öffentlichen Gelöbnis junger Soldaten. Und in diesem Jahr kommt diesem Gelöbnis eine besondere symbolische Bedeutung zu. Dies liegt an den äußeren Umständen: Seit dem 24. Februar 2022 herrscht in Europa Krieg, der russische Diktator Wladimir Putin hat einen Angriffskrieg auf die demokratisch regierte Ukraine begonnen. Und dort finden von russischer Seite schwerste Kriegsverbrechen statt, die Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg wachrufen. Gleichzeitig hat die Gemeinschaft der demokratischen Staaten darauf vereint und scharf reagiert – nicht zuletzt mit der Ausweitung des westlichen Verteidigungsbündnisses, der NATO, sowie mit Beschlüssen zur besseren Ausrüstung ihrer Verteidigungsarmeen einschließlich der Bundeswehr.

Das ist genau die richtige Zeit, die Bundeswehr ganz ausdrücklich in die Tradition des ehrenvollen Widerstands gegen die totalitäre Diktatur zu platzieren. Schon in „normalen“ Jahren war dies angemessen, heute ist es geradezu zwingend. Die Botschaft lautet: Die Bundeswehr ist eine Armee zur Verteidigung eines demokratischen Landes. Und diese Bundeswehr steht unverbrüchlich auf der Seite von Demokratie und Rechtsstaat. Da darf es keine Kompromisse geben, egal wie groß die Erfolgsaussichten des Widerstands gegen das Totalitäre sein mögen. Für diese Eindeutigkeit der Werte steht der 20. Juli 1944. Dessen Verschwörer bleiben deshalb Vorbilder.        

Der Mut des Militärs

Henning von Tresckow

Am 20. Juli 1944, um 12:43 Uhr, detonierte die Bombe in Stauffenbergs Tasche im Führerhauptquartier in der Wolfsschanze. Nicht in ihren Irrtümern, wohl aber in ihrer Bereitschaft, ihr Leben im Kampf gegen das Unrecht zu opfern, sind und bleiben die Offiziere des 20. Juli Vorbilder, kommentiert Karl-Heinz Paqué in seiner Rede anlässlich des Jahrestags des Attentats auf Hitler.

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