Von Hongkong lernen

Stiftung will Austausch über Digitalisierung, Mobilität und Start-ups vorantreiben

Nachricht20.11.2017
Hongkong
Friedrich-Naumann-Stiftung

Hongkong ist eine stark digitalisierte Metropole, deren Bürger viele innovative Ideen hervorbringen. Die Stiftung möchte dieses Potential nutzen und arbeitet daran zu den Themen Digitalisierung, Mobilität und Start-ups einen Austausch zwischen Hongkong und anderen Ländern der Region sowie Deutschland zu befördern.

Im Rahmen dieser Initiative reiste Jürgen Morlok, Kuratoriumsvorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, nach Hongkong, um sich über die innovativen Ideen der Stadt zu informieren. Bei einer "Spirit of Innovation Night" kam der 71-Jährige, der 1964 zur FDP stieß - ein Jahr der aufregenden Modernisierungen, in dem man verscuhte, Veränderungen in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft durchzusetzen, um den Mief der 50er Jahre abzuklopen und mit 27 Jahren bereits Landtagsabgeordnerter in Baden-Württemberg war, mit jungen Think Tanks, Start-uplern und Politikern - aber auch mit Größen der Hongkonger Politik, wie Martin Lee, dem Gründer der Democratic Party - zusammen. In lockerer Atmosphäre wurde über die Zukunft Hongkongs gesprochen.

Was macht uns innovativ? Wie gehen andere Kulturen mit neuen Ideen und Unternehmertum um? Was kann Europa von Asien lernen? Diese und andere Fragen stellt auch der „Drivers of Innovation“ Podcast des Innovation Hubs der Stiftung für die Freiheit in Asien. Monatlich gibt es spannende Interviews mit Menschen, die Gesellschaft, Wirtschaft oder Politik mit ihrem Engagement innovativ voranbringen.

Noch unter dem Eindruck  des 19. Parteitags der Kommunistischen Partei Chinas vom Oktober diesen Jahres stehend, diskutierte Jürgen Morlok insbesondere die Frage nach der Zukunft der Demokratie in Hongkong.

Innovation stellt für die politische Führung die treibende Kraft hinter der Modernisierung der chinesischen Wirtschaft dar. Xi Jinping hat daher auf dem Parteikongress angekündigt, vorrangig Innovationen in Schlüsseltechnologien fördern zu wollen, um ein „digitales China und eine smarte Gesellschaft“ zu schaffen.

Die Kehrseite dieser Entwicklung jedoch zeigt sich bereits im gegenwärtigen China: Gesichtserkennung im öffentlichen Raum sowie ein soziales Bewertungssystem für chinesische Bürgerinnen und Bürger sind nur zwei Beispiele. In der chinesischen Gesellschaft ist Datenschutz faktisch nicht vorhanden und der Staat verfügt über ein Datenmonopol, welches durch die Partei mittels Kontrolle und Koordination von Schlüsselindustrien und relevanten Staatsunternehmen gezielt erhalten und ausgebaut wird. „Big Brother is watching you“ – in China setzt die Partei Orwell in die Praxis um. Denkt man an den Export entsprechender Technologie oder deren zwangsweise Nutzung für Chinareisende oder Chinesen im Ausland, werden die Folgen weit über die Landesgrenzen hinaus zu spüren sein.

Weniger weitsichtig und eher praktisch wurde es tags darauf für Jürgen Morlok bei einem Workshop ähnlichen Austausch mit jungen lokalen Unternehmern zur Gründerkultur der Stadt und der Frage, was Deutschland von Hongkong lernen kann.