Plötzlich ist die Cola 2.000 Euro wert

Wofür wir Kryptowährungen brauchen

Nachricht02.09.2017Kamran Rostam
Geldscheine
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Im Frankfurter CoWorking Space "Die Zentrale" kann man ganz lässig mit Bitcoins zahlen. Für Oliver Bünting, Softwareentwickler & Berater bei der brainbot technologies AG, hat das inzwischen durchaus einen skurrilen Aspekt: Der halbe Bitcoin, für den er hier vor vielen Jahren eine einfache Cola gekauft hat, entspricht heute einem Wert von fast 2.000 Euro. Nicht erst seit dem aktuellen Boom sind "Kryptowährungen" ein Thema der Finanzwelt. Mittlerweile werden mehr als 1.000 virtuelle Zahlungsmittel weltweit gehandelt. Im Unterschied zu dem staatlichen Zentralbankgeld sind diese aber rein privat erschaffen und damit voll dem Marktmechanismus von Angebot und Nachfrage unterworfen.

Auf Einladung zusammen mit bitcoin Frankfurt trafen nun Krypto- und Finanz-Experten bei der Veranstaltung "Es werde Geld?" aufeinander, um dem randvoll gefüllten Saal einen Überblick in dieses dynamische Digitalisierungsfeld zu bieten.

Bünting stellte zu Beginn die ganz zentralen Unterschiede bei Krypotwährungen vor: Geld existiert nur noch digital und wird nach fest definierten Algorithmen erzeugt ("Mining"). Durch die Dokumentation in einer sogenannten Blockchain sind alle Prozesse und auch Transaktionen öffentlich einseh- und nachvollziehbar. Bitcoins haben zudem keine Institution als Herausgeber, sondern sind ein Open-Source-Projekt und damit szenegetrieben. Es läge rein an den Nutzern sich auf neue Regeln zu einigen oder auch nicht. Insgesamt sei der Anwendungsbereich von virtuellen Geld zudem deutlich größer als bei klassischem. Mit sogenannten Smart Contracts ließen sich beispielsweise ganze Wirtschaftsbereiche digitalisieren und umkrempeln, so der Bitcoin-Pionier im Gespräch mit Forenleiter Sven Werner.

Dirk Schrade ist stellvertretender Leiter des Bereichs Zahlungsverkehr und Abwicklungssysteme bei der Deutschen Bundesbank und blickt daher aus der ganz andere Sicht eines Zentralbankers auf alternativ gehandelte Währungen. Die Institution Bundesbank habe die Ernsthaftigkeit virtueller Zahlungsformen durchaus erkannt und beobachte interessiert deren Dynamik, nach wie vor handele es aber sich aber um ein Randphänomen.

Sowohl der äußerst geringe Anteil an den weltweiten Transaktionen, aber auch die eher für die meisten schwer verständliche Materie werden dem Anspruch einer echten Währung nicht gerecht. 350 Millionen Menschen reibungs- und vorallem barrierelos mit Geld zu versorgen wie im Fall des Euros habe für ihn eine deutlich andere Qualität. Die enorme Deflationsbewegung (Statt einem halben ist die Cola inzwischen nur noch ein zehntausendstel Bitcoin wert) und zahlreichen erschütternden Betrugsskandalen nähmen beispielsweise dem Bitcoin auch noch den echten Grundpfeiler jeder Währung: Vertrauen.

Für Blockchain-, Regulierungs- und Bankensoftware-Experte Ralph Bärlingea sind die Kryptowährungen jedoch ein ganz sichtbarer Schritt hin zu einer wettbewerblichen Geldordnung, wie sie die österreichische Schule der Ökonomie um Ludwig von Mises und Friedrich. A. von Hayek bereits im letzten Jahrhundert theoretisch beschrieb. Vorallem die als klassische Geldfunktionen besetzten Eigenschaften sieht er inzwischen auch digital als voll erfüllt an: Bitcoin, Ethereum etc. fungieren als Tauschmittel im Handel, Wertaufbewahrungsmittel und auch als Recheneinheit für Güter und Leistungen.