Mitarbeiter innovationsstark machen

Innovationsoffensive an der Steinbeis Hochschule in Berlin

Nachricht09.10.2017Anja Schorr
Innovationsoffensive
Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Die Arbeitswelt wandelt sich, daran besteht kein Zweifel. Keiner kommt darum herum, um „Arbeit 4.0“. Vernetzt, digital, flexibel und vor allem kreativ und innovativ möchte man sein. Start-ups und Kleinunternehmen machen vor, woran der Mittelstand noch zu knabbern hat. Damit ändert sich auch der Personalmarkt. Wo findet man sie heute, die kreativen Nachwuchstalente? Wie sollte ein Unternehmen strukturiert sein, um innovativ und effektiv zu sein? Wie ermutige ich meine Mitarbeiter dazu, „Mit-Innovatoren“ zu werden? Und welche politischen Rahmenbedingungen müssen dafür gegeben sein?

Zu diesen Fragen hatte die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit im Rahmen ihrer Innovationsoffensive in Kooperation mit dem BVMW und dem AiF F T K GmbH in die Steinbeis-Hochschule in Berlin eingeladen.  Als kleinen Einstieg in das Thema gab es erstmal 3 Gedanken in 3 Minuten – Anika Steffan (Steinbeis-SMI), Anne Wellingerhof (Leiterin Regionalbüro Berlin-Brandenburg der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit) und Marcel Sturm (BVMW e.V.) stellten dabei heraus, welchen Stellenwert neues Denken in Unternehmen hat und wie wichtig dabei auch die Rolle der Politik ist.

Zuerst wird klar: Damit es vorangeht, muss man voneinander lernen. Und wer jetzt von wem? Michael Krause, Geschäftsführer der AiF FTK GmbH  findet, dass der Mittelstand viel von der Start-up Szene lernen könne, beispielsweise wie Vorteile der Digitalisierung nutzbar sind. Aber umgekehrt können auch die jungen Wilden von den Mittelständlern profitieren, zum Beispiel was Investitionen anbelange.

Machen ist die Devise

Zur Frage, was Berlin und Bayern denn voneinander lernen können, sagt Albert Duin, Geschäftsführer der Induktor GmbH und Landesvorsitzender der FDP in Bayern: „Nicht nur Berlin, auch Bayern hat seine Probleme. Wir kriegen zum Beispiel aktuell absolut keine Infrastrukturprojekte mehr hin, das war vor 6 Jahren noch anders. Ich glaube, wir müssen versuchen, das Land gemeinsam voranzubringen. Uns darauf besinnen, was wir in Deutschland gut können und uns nicht selbst behindern.“ Dazu legte Duin dann noch nach: „Unsere Bürokratie blockiert uns. Das ist unglaublich. Es gibt Behörden, die tatsächlich zu nichts gut sind. Eine reine Nullnummer“, so der Unternehmer. „Und das behindert dann junge Unternehmen bei der Gründung.

Was in der Begrüßung schon anklang, nahm Duin nochmal auf: Die Rolle der Politik. „Man hätte, man könnte – nein, so geht das nicht. Machen ist jetzt die Devise. Und da erwarte ich auch, verdammt nochmal, dass die Politik hier ihre Aufgaben erfüllt und es schafft, Dinge durchzusetzen.“

Nutzwerke statt Netzwerke

Ein weiteres Problem, neben der Bürokratie, erklärt Oliver Reinsch, Gründer des E-Recruiting Tools Connectoor. „Das ist die Frage, wie man Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammenführt. Denn meistens haben kleine Unternehmen und Start-ups den meisten Bedarf an jungen Talenten, sind aber leider unbekannt.“ Um das zu lösen, hat er Connectoor gegründet, das Unternehmen in der Personalbeschaffung unterstützt. Rafael Siegmund, HR von CIECH S.A., betont in dem Zusammenhang, dass Recruiting gerade im regionalen Raum für Unternehmer kein Konkurrenzdenken sein muss. Um Regionen zu stärken, müsse man hier zusammenarbeiten und „Nutzwerke statt Netzwerke schaffen“.

Mitarbeiter gefunden. Und dann?

Und wenn man dann Mitarbeiter gefunden hat, stellt sich natürlich die Frage: Wie macht man aus ihnen „Mit-Innovatoren“ für ein Unternehmen? Für Katja Nettelsheim, Gründerin und Geschäftsführerin der _MEDIATE Group steht fest: Führung ist das A und O: „Mitarbeiter brauchen Freiräume, um innovativ zu sein. Hier übernehmen Führungskräfte eher die Rolle eines Coaches, der sich auch mal zurücknimmt und Dialog zulässt. Oft überraschen Mitarbeiter hier mit tollen Ideen und Talenten.“ Wichtig ist dabei auch, mit gutem Beispiel voranzugehen: „Wer Digitalisierung möchte und selbst per Hauspost Briefe verschickt, macht sich unglaubwürdig“, so Nettelsheim.

Das Thema Freiheit ist dabei für sie essentiell. Man müsse Mitarbeitern auch mal Zeit und Raum geben, nachzudenken und neue Ideen zu entwickeln. „Dabei muss es auch in Ordnung sein, keine perfekt durchdachten Lösungen zu präsentieren. Wenn man es als Chef schafft, dass Mitarbeiter auf einen zukommen und Ideen präsentieren, die man dann zusammen weiterdenken kann, ist das die Transformation, die man sich für ein innovatives Unternehmen wünscht“.  Auch Rafael Siegmund betonte, wie wichtig ein offenes Ohr und offene Türen der Führung für ein innovatives und kreatives Unternehmensklima seien.

Nicht jeder muss „King of the road“ sein

In der abschließenden Diskussion mit Moderatorin Diana Scholl vom BVMW e.V. erwähnte  Albert Duin, dass eine andere Einstellung etabliert werden müsse, um wirklich innovatives Arbeiten zu ermöglichen. Mitarbeiter sollen im Bestfall, ganz nach amerikanischem Vorbild, die Arbeit als Ergänzung des Lebens, und nicht als Unterbrechung des Lebens sehen. Die Arbeit müsse demnach ein Ort sein, wo Menschen gerne hinkommen und sich wohlfühlen. „Und wenn man sich mittags mal aufs Sofa legen und eine Runde schlafen muss, damit man danach wieder fit ist, muss das vollkommen in Ordnung sein“, meint er.

Dass die Arbeit ein Ort sein müsse, wo Menschen gerne hinkommen und sich wohlfühlen, findet auch Oliver Reinsch: „Es muss jedoch klar sein, dass jeder Mitarbeiter individuell entscheiden muss, inwieweit er seinen Arbeitsalltag gestalten möchte, wo seine Linie zwischen privat und beruflich verläuft.“ Jeder solle innovativ arbeiten können, wenn er es möchte, das sei aber absolut kein Muss. Nicht jeder müsse „King of the road“sein, wenn man eine andere Arbeitsweise bevorzugt. „Die Individualität muss im Vordergrund stehen“, so sein Fazit.