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Rohstoffe
Abhängigkeit bei einzelnen Seltenen Erden nimmt zu

Mining Excavation On A Mountain

Analyse der aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Trotz sinkender Tonnage gibt es keine Entwarnung bei den knappen Elementen aus China

Deutschlands Abhängigkeit von Chinas Seltenen Erden bleibt hoch und hat bei einzelnen Elementen sogar noch zugenommen. Das zeigt eine Auswertung des Büros der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Taipeh auf Basis aktueller Zahlen des Statistischen Bundesamtes.

  • Chinas Anteil am Importwert deutscher Seltene-Erden-Importe stieg 2025 auf 31,2 Prozent, nach 18,6 Prozent im Vorjahr. Deutsche Unternehmen gaben 2025 rund 24,2 Millionen Euro für Seltene Erden aus China aus – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr.
  • Bei 9 von 14 Warennummern, die Seltene Erden umfassen, lag der chinesische Anteil am Importwert 2025 bei mehr als 50 Prozent; 2024 traf das nur auf 7 von 14 Warennummern zu.
  • Bei allen Warennummern für reine Seltene Erden lag der chinesische Anteil am Importwert bei mehr als 60 Prozent. Reine Seltene Erden haben in der Regel mehr Verarbeitungsschritte durchlaufen.
  • Gleichzeitig sank Chinas Anteil an der gesamten Importmenge von 65,4 Prozent im Jahr 2024 auf 55,4 Prozent im Jahr 2025.

Die Importmenge zeigt, wie viel von einer Ware eingeführt wurde. Der Importwert beschreibt den finanziellen Wert dieser Importe. Wenn der Mengenanteil sinkt, der Wertanteil aber zugleich steigt, deutet das darauf hin, dass China weiterhin besonders wichtige, schwer ersetzbare oder höherwertige Segmente liefert und höhere Preise erzielen kann.

Die EU stuft Seltene Erden als kritische Rohstoffe ein. Für Permanentmagnete besonders wichtige Seltene Erden gelten zudem als strategisch relevant, weil sie wirtschaftlich bedeutsam sind, mit hohen Versorgungsrisiken verbunden sind und für Schlüssel- und Zukunftstechnologien benötigt werden. Die Autoindustrie benötigt sie beispielsweise für E-Motoren.

Zu dieser strategisch relevanten Gruppe gehören beispielsweise Praseodym, Neodym und Samarium. Das Statistische Bundesamt erfasst diese Elemente bei einem Reinheitsgrad von mehr als 95 Gewichtsprozent unter der Warennummer WA28053029. In dieser Warengruppe ist Deutschland weiterhin nahezu vollständig von Einfuhren aus China abhängig. Zugleich stieg die Importmenge von 3,3 Tonnen im Jahr 2024 auf 13,0 Tonnen im Jahr 2025.

Auffällig ist auch Scandium mit einem Reinheitsgrad von 95 Gewichtsprozent oder mehr (WA28053040): Der chinesische Anteil am Importwert sprang hier binnen eines Jahres von 47,3 Prozent auf 99,6 Prozent. Der Rohstoff ist unter anderem für Hochleistungslegierungen in der Luft- und Raumfahrt sowie für Brennstoffzellen relevant. Reines Scandium wird nur in geringen Mengen importiert, ist aber sehr teuer und ist zuletzt im Preis noch einmal deutlich gestiegen.

Auch bei Verbindungen von Europium und anderen Seltenerdmetallen (WA28469070) bleibt die Lage angespannt. Zwar sank der chinesische Mengenanteil hier 2025 deutlich von 65,6 Prozent auf 31,9 Prozent. Gleichzeitig stieg der chinesische Anteil am Importwert jedoch von 47,5 Prozent auf 50,1 Prozent. Europium ist vor allem für Leuchtstoffe relevant und damit unter anderem für Displays und Anzeigen von Bedeutung.

Hinweis zur Methode:
Die Auswertung basiert auf 14 Warennummern der Außenhandelsstatistik, die Seltene Erden und ihre Verbindungen umfassen (WA28053010, WA28053021, WA28053029, WA28053031, WA28053039, WA28053040, WA28053080, WA28461000, WA28469030, WA28469040, WA28469050, WA28469060, WA28469070 und WA28469090). Grundlage sind die Tabellen 51000-5013 und 51000-0015 der GENESIS-Datenbank des Statistischen Bundesamtes. Datenabruf: 11. April 2026.

 

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Frederic Spohr leitet die Büros der Stiftung in Taipeh und Seoul. 

Céline Nauer ist Projektberaterin des Global Innovation Hubs der Stiftung in Taipeh.