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Austausch
Lernen aus liberaler Praxis

Die Jungen Liberalen beim Parteitag der Democratic Alliance in Südafrika
Democratic Alliance Congress

Members of the Democratic Alliance gather for their 2026 elective congress in Johannesburg on 11-12 April 2026

© Democratic Alliance / Facebook

Liberalismus lebt vom Austausch, vom aufmerksamen Zuhören, vom Beobachten und vom Lernen über Grenzen hinweg. Vor diesem Hintergrund reiste eine Delegation der Jungen Liberalen, darunter Mitglieder des Bundesvorstands sowie der Vorsitz des Afrika-Teams, nach Südafrika, um am Bundesparteitag der Democratic Alliance teilzunehmen. Was wir dort erlebt haben, ging weit über den Besuch eines Parteitags hinaus. Es war eine unmittelbare und eindrucksvolle Erfahrung davon, wie liberale Politik unter anspruchsvollen Bedingungen organisiert, getragen und weiterentwickelt wird.

Von Beginn an überzeugte die strategische Geschlossenheit der DA. Es wurde deutlich, dass hier nicht kurzfristige politische Dynamiken dominieren, sondern eine langfristig angelegte Vision. Die Partei versteht es, sich als glaubwürdig zu positionieren, fest verankert in liberalen Grundüberzeugungen und zugleich konsequent ausgerichtet auf konkrete Lösungen für die Herausforderungen des Alltags.

Eine zentrale Erkenntnis unserer Reise liegt in diesem Zusammenspiel aus normativer Klarheit und politischem Pragmatismus. Die DA begreift Liberalismus nicht als abstrakte Leitidee, sondern als handlungsleitendes Prinzip politischer Praxis. Rechtsstaatlichkeit, Leistungsfähigkeit staatlicher Institutionen und die Schaffung wirtschaftlicher Chancen sind keine bloßen Programmsätze, sondern prägen das konkrete politische Handeln. Gerade in einem Umfeld, das von tiefgreifenden strukturellen Herausforderungen geprägt ist, schafft diese Konsequenz Vertrauen und verleiht der Partei ein klares Profil.

 

Liberalismus wächst, wo wir voneinander lernen.

Jakob
Jakob Stirnadel

Ebenso aufschlussreich war der Umgang mit Koalitionsbildung. In einem zunehmend fragmentierten Parteiensystem wird politische Gestaltungskraft maßgeblich durch die Fähigkeit bestimmt, tragfähige Bündnisse einzugehen, ohne die eigene inhaltliche Identität aufzugeben. Die DA hat hierfür bemerkenswerte Kompetenzen entwickelt. Für liberale Parteien in Europa ergibt sich daraus eine wichtige Perspektive. Politischer Einfluss bemisst sich nicht mehr allein an Wahlergebnissen, sondern ebenso an der Fähigkeit, stabile, wertebasierte Kooperationen zu gestalten.

Besonders prägend für unsere Delegation war darüber hinaus das begleitende Programm. Die Friedrich Naumann Stiftung hat ein ebenso anspruchsvolles wie wirkungsvolles Rahmenprogramm organisiert, das uns in Johannesburg und Kapstadt vertiefte Einblicke in die Arbeitsweise, die internen Strukturen und die strategische Ausrichtung der DA ermöglichte.

In zahlreichen Gesprächen, Diskussionen und Begegnungen vor Ort konnten wir weit über einen reinen Beobachterstatus hinausgehen und unmittelbar mit denjenigen in den Austausch treten, die liberale Politik in Südafrika prägen. Dieser unmittelbare Zugang war von besonderem Wert. Er hat uns nicht nur ein differenziertes Verständnis der organisatorischen Abläufe vermittelt, sondern auch gezeigt, wie politische Prinzipientreue und pragmatisches Handeln in einem komplexen Umfeld in Einklang gebracht werden können. Für diese intensive, sorgfältig konzipierte und inhaltlich dichte Begleitung sind wir der FNF sehr dankbar.

Ein weiterer prägender Aspekt war die Rolle junger politischer Akteure sowie die Bedeutung internationaler Vernetzung. Der Austausch mit liberalen Partnern aus verschiedenen afrikanischen Ländern hat deutlich gemacht, dass viele Herausforderungen strukturell vergleichbar sind und dass sich tragfähige Lösungsansätze häufig im Dialog entwickeln. Die Offenheit und Ernsthaftigkeit dieser Gespräche haben ein starkes Gefühl gemeinsamer Verantwortung entstehen lassen.

Gleichzeitig hat die Reise eindrücklich vor Augen geführt, dass demokratische Ordnungen keine Selbstverständlichkeit sind. Südafrika steht vor erheblichen wirtschaftlichen und institutionellen Herausforderungen, und der Druck auf staatliche Strukturen ist spürbar. Gerade vor diesem Hintergrund wird die Arbeit der Democratic Alliance besonders greifbar. Sie ist getragen von dem Anspruch, staatliches Handeln zu verbessern, Vertrauen in Institutionen zu stärken und individuelle Chancen zu erweitern, oft unter anspruchsvollen Rahmenbedingungen.

Für uns als Junge Liberale ergibt sich eine klare Schlussfolgerung. Internationaler Austausch ist kein ergänzendes Element politischer Arbeit, sondern ein wesentlicher Bestandteil. Die in Südafrika gewonnenen Eindrücke und Erkenntnisse werden unsere eigene Arbeit nachhaltig prägen, sei es in der Weiterentwicklung organisatorischer Strukturen, in der politischen Kommunikation oder in der Förderung des Nachwuchses.

Am Ende steht eine einfache, aber weitreichende Einsicht. Liberalismus ist ein globales Projekt. Sein Erfolg hängt davon ab, dass wir voneinander lernen, Erfahrungen übertragen und zugleich an den Prinzipien festhalten, die offene und freie Gesellschaften tragen.