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RENEWEPAC
Was ich von jungen Führungspersönlichkeiten aus Afrika gelernt habe

Moon tide

incredible full moon reflected in the sea at dusk.

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Als ich gemeinsam mit meinen liberalen Freunden aus Deutschland am Marriott Hotel in Rabat ankam, um am RENEWPAC Summit und dem International Liberal Youth Forum teilzunehmen, ermöglicht durch unseren Europaabgeordneten Jan-Christoph Oetjen und unter der Schirmherrschaft von Alexandra von Schumann-Heldt (Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit), erwartete ich spannende Impulse und Debatten über wirtschaftliche Kooperation, Geopolitik, Migration und Populismus.
Was ich jedoch fand, war weit mehr: eine globale liberale Familie, deren Resilienz und Mut mein Verständnis von politischem Engagement nachhaltig erweitert und verändert haben.

Wenn Freiheit existenziell ist

Während der Konferenztage hatte ich die Ehre, Persönlichkeiten zu erleben, deren Berichte mich tief beeindruckt und teilweise auch erschüttert haben.

Besonders ein Gespräch mit dem ehemaligen Präsidenten der Seychellen ist mir im Gedächtnis geblieben. Er beschrieb eindrücklich, wie Menschen in seiner Heimat mittlerweile Angst vor Vollmonden haben. Was für viele romantisch ist, ist für sie zur Bedrohung geworden: steigende Wasserstände, Überschwemmungen, die reale Angst vor dem Verlust der eigenen Heimat. Als Mensch, für den Freiheit ein Grundwert ist, ließ mich diese Vorstellung nicht los.

Kurz darauf hörte ich dem Oppositionsführer Venâncio Mondlane aus Mosambik zu, der aufgrund politischer Verfolgung ins Exil fliehen musste. Er berichtete von systematischer Unterdrückung, von Gewalt bis hin zur Ermordung politischer Mitstreiter und davon, wie gefährlich es sein kann, sich für freie und faire Wahlen einzusetzen. Und doch kehrte er Anfang 2025 zurück, um den Wandel voranzutreiben. Kein Rückzug, kein Aufgeben - sondern ein unbeirrbarer Wille, weiterzukämpfen.

Zwischen diesen Eindrücken, existenzieller Bedrohung durch den Klimawandel und politischer Unterdrückung, wurde mir klar: Hoffnung ist kein passiver Zustand. Hoffnung ist eine Entscheidung. Eine Entscheidung, die Menschen jeden Tag aufs Neue treffen, oft unter Bedingungen, die wir in Europa nur schwer nachvollziehen können.

Von Delegierten zu Freunden: „Realistic to be Idealistic“

Über die offiziellen Panels hinaus waren es die persönlichen Begegnungen, die diese Reise für mich so besonders gemacht haben. Ich habe in Rabat nicht nur inspirierende Mitstreiter der Freiheit kennengelernt, sondern echte Freundschaften geschlossen.

Es sind die Momente zwischen den Programmpunkten, die bleiben: Gespräche beim Essen, Diskussionen in der Hotelbar, dieses Gefühl, sich trotz unterschiedlicher Herkunft sofort zu verstehen. Die Offenheit, Wärme und ehrliche Gastfreundschaft haben mir gezeigt, dass echte Partnerschaft nicht auf Panels beginnt, sondern zwischen Menschen.

Ein Austausch wird mir besonders in Erinnerung bleiben: die Gespräche mit Zouhair Belhadi, einem jungen Politikwissenschaftler der gastgebenden PAM-Partei. Wir haben darüber gesprochen, was uns antreibt. Sind wir Idealisten oder Realisten? Am Ende entstand ein Gedanke, der sich wie ein roter Faden durch die Reise zieht:
„Let’s be realistic to be idealistic.“

Es braucht den Mut, die Welt so zu sehen, wie sie ist und trotzdem nicht aufzuhören, an Veränderung zu glauben und sie gemeinsam voranzutreiben.

The Power to Act

Ein konkretes Beispiel für diesenrealistischen Idealismus“ war unser Pitch einer EU–AU Carbon Partnership. Gemeinsam mit Oskar Weiß stellte ich die Idee vor, europäische und afrikanische Kohlenstoffmärkte über einen marktwirtschaftlichen Mechanismus zu verbinden, auf Basis von Artikel 6 des Pariser Klimaabkommens.

Was mich besonders beeindruckt hat: Aus einer Idee wurden Nachfragen, Reaktionen, tiefere Gespräche. Daraus entstanden konkrete Überlegungen zu Zusammenarbeit und Weiterentwicklung. Plötzlich ging es nicht mehr um abstrakte Konzepte, sondern um reale Chancen für gemeinsamen Fortschritt.

Warum Jugendpartnerschaften für Deutschland zählen

Für meine politische Arbeit in Deutschland nehme ich vor allem eine zentrale Erkenntnis mit: Unser Blick auf Afrika muss sich grundlegend verändern.

Der Satz „Less aid, more trade“ war für mich einer der prägendsten Gedanken des Summits. Er steht für einen notwendigen Perspektivwechsel weg von überholten Geber-Nehmer-Strukturen, hin zu echter wirtschaftlicher Partnerschaft auf Augenhöhe.

Gerade für uns als Liberale in Deutschland ist dieser Austausch von besonderer Bedeutung. Die Professionalität, der moderne Auftritt und die digitale Stärke von Parteien wie der marokkanischen PAM haben mich beeindruckt. Wir können und sollten viel voneinander lernen.

Ich kehre aus Rabat mit einer klaren Überzeugung zurück: Die größten Herausforderungen unserer Zeit sind global und genau deshalb müssen auch unsere Antworten global gedacht werden. Unsere Zukunft ist miteinander verbunden.

Für mich war Rabat deshalb kein Abschluss, sondern der Anfang von etwas Neuem.