Nominierungen des Boris-Nemtsov-Preises 2018

Im Einsatz für Freiheit und Demokratie in Russland

Nachricht17.05.2018
Boris Nemtzov
Boris Nemtsov war russischer Politiker, er gehörte lange Zeit zu den führenden Kräften der liberalen Partei. 2015 wurde er im Zentrum Moskaus erschossen.Boris Nemtzov Forum

Zum dritten Mal wird am 20. Juni in Bonn der von seiner Tochter Schanna gestiftete Boris-Nemtsov-Preis für den mutigen Einsatz für Freiheit und Demokratie in Russland vergeben. Nach 30 Nominierungen haben die Leser der unabhängigen russischen Zeitung "Nowaja Gazeta" online abgestimmt, wer die fünf Favoriten sind, unter denen das Kuratorium der Boris Nemtsov Stiftung den Sieger auswählen soll. Alle Favoriten werden zur Preisverleihung eingeladen, auf der Gyde Jensen MdB (FDP), Vorsitzende des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe, die Laudatio auf den Preisträger halten wird. Die Nominierten: 

 Alexej Navalny

Navalny ist Oppositionspolitiker und Gründer der Stiftung gegen Korruption. Er ist Autor und Präsentator zahlreicher Antikorruptionsberichte und der Organisator von friedlichen, demokratischen Demonstrationen, die im vergangenen Jahr in Russland stattfanden. Die jüngste davon fand angesichts der Amtseinführung von Vladimir Putin am 5. Mai statt. Navalny war als Kandidat für die Präsidentschaftswahlen nominiert, wurde jedoch von der Zentralen Wahlkommission an der Kandidatur gehindert und führte schließlich die Kampagne für einen Wahlboykott an. Er verbrachte 2017 insgesamt zwei Monate in Haft. Ihm wurde vorgeworfen, illegal Demonstrationen gegen die Regierung organisiert und selbst daran teilgenommen zu haben.

Alexej Navalny
Alexej NavalnyCC BY-SA 3.0 /Bogomolov.PL

Jurij Dmitriev 

Dmitriev ist Historiker, Menschenrechtsaktivist und Vorsitzender von „Memorial“ in Karelien. Er war die wichtigste Kraft, der Opfer der Repression der Stalin-Zeit in seiner Heimat Karelien zu gedenken. Mit Memorial machte er zwei wesentliche Massengräber der „Säuberungen“ der 1930er Jahre publik: Sandarmokh und Krasny Bor. Er war zudem Co-Autor für ein Buch, das der Opfer der sowjetischen „Säuberungen“ gedachte. Im Dezember 2016 wurde Dmitriev angeklagt, Kinderpornographie verbreitet zu haben und verbrachte mehr als ein Jahr im Gefängnis. Im April 2018 wurde er von diesem Vorwurf zwar freigesprochen, doch schuldig gesprochen, illegal eine Waffe besessen zu haben. Es folgte ein dreimonatiger Freiheitsentzug. Vom Memorial Menschenrechtszentrum wurde er als politischer Gefangener eingestuft.

Jurij Dmitriev
Jurij DmitrievTomasz Kizny & Fundacja Picture Doc

Nadezda Mitjuskina

Mitjuskina ist Oppositionsaktivistin, Geschäftsführerin der "Solidarnost" Bewegung sowie Koordinatorin für den Freiwilligendienst für das Boris-Nemtsov Denkmal auf der großen Moskvoretsky Brücke in Moskau. Sie war eine langjährige Wegbegleiterin von Boris Nemtsov in der von ihm mitbegründeten "Solidarnost" Bewegung. Nach seiner Ermordung organisierte Mitjuskina die Mahnwache vor dem Denkmal. Trotz wiederholter Versuche der Russischen Behörden, das Denkmal zu entfernen, steht die Mahnwache seit drei Jahren. Durch Fundraising im Rahmen von Wohltätigkeitsveranstaltungen sammelt sie Mittel, mit denen das Projekt und andere politische Gefangene unterstützt werden. 

Nadezda Mitjuskina
Nadezda MitjuskinaValentin V. Nikitchenko

Jegor Tschernjuk

Tschernjuk ist der jüngste Koordinator von Navalnys Präsidentschaftskampagne. Im vergangenen Jahr wurde er mit 18 Chef der Navalny Kampagne in seiner Heimatstadt Kaliningrad. Hier organisierte er Demonstrationen, koordinierte die Wahlen und den späteren Wahlboykott. Nachdem er von Kräften des Russischen Innenministeriums verhaftet und angeklagt wurde, sich vor dem Militärdienst zu drücken, verließ er Russland. Derzeit wartet er auf ein Visum für die USA, wo er sich bereits erfolgreich für ein Informatikstudium beworben hat. 

Jegor Tschernjuk, Profilbild im Sozialnetzwerk VKontakte
Jegor TschernjukJegor Tschernjuk

Ojub Titiev

Titiev setzt sich für Menschenrechte ein, ist politischer Gefangener und Vorsitzender des Memorial Menschenrechtszentrums in Tschetschenien. Titiev hat gemeinsam mit seinen Kollegen von Memorial Menschenrechtsverletzungen, einschließlich von Morden, in Tschetschenien dokumentiert. Im Januar 2018 wurde er erneut verhaftet anhand von Vorwürfen des vorgeblichen „Drogenbesitzes“. Ihm drohen bis zu zehn Jahren Gefängnis. Titiev ist von Amnesty International und von Memorial als politischer Gefangener eingestuft.

Ojub Titiev
Ojub TitievHuman Rights Watch