Eröffnung Goetheinstitut Dakar
Wertevermittlung unterm Baobab
Die Krone des mächtigen Baobab überragt Gebäude und Getümmel der sich an diesem Abend um ihn scharrenden Gäste. Politprominenz wie die Staatsministerin im Auswärtigen Amt Serap Güler, der senegalesische Kulturminister Amadou Ba, Diplomaten, Künstler und Vertreter der afrikanischen Kulturszene aber auch die Nachbarschaft, die Studierenden der Germanistik der nahegelegenen Universität Cheikh Anta Diop und neugierige Passanten sind gekommen, um dem fertiggestellten Bau und dem aus Burkina Faso stammenden, in Berlin ansässigen und international renommierten Architekten Francis Féré zu huldigen.
Der lichte, ziegelrote Neubau, der den uralten Baum in seiner Mitte umarmt, wirkt einladend und durchlässig zugleich. Die meisten der zahlreichen Gäste bleiben am Eingang bewundernd stehen und lassen respektvoll auf sich wirken, was der Pritzker (2022)-Preisträger Féré und sein(e) Teams im Auftrag der Bundesregierung entworfen und umgesetzt haben: ein neues deutsches Kulturinstitut im westafrikanischen Senegal.
Im Stil des African Futurism - in Afrika entstehen die Visionen von morgen-, vereint der Bau die von Mali und Burkina Faso bauhistorisch inspirierten Techniken und Materialien mit neuesten Erkenntnissen der bio-ökologischen Bauweise - getreu dem Motto so wenig Beton wie nötig, so viel Lehm wie möglich. Keine Klimaanlagen, dafür durch geschickte Bauweise entstehende Luftströme, viel Platz für Begegnung und mobiles Arbeiten, eine einladende Agora am Fuße des Baobabs, arbre à palabres genannt (Palaverbaum). Der Anspruch ist der Schlüssel zu einer alternativen und nachhaltigen Bauweise, in der weniger Beton, weniger Sand und weniger Energieverbrauch die Lösung für die städtebaulichen Herausforderungen der Zukunft darstellt.
Dem deutschen Staat ist mit diesem Projekt ein wahrer Coup gelungen. Das kulturaffine Senegal erfährt eine inspirierende Bereicherung seiner Kulturszene, und Deutschland ist um eine attraktive Visitenkarte reicher.
Goetheinstitute sind, ähnlich wie die deutschen politischen Stiftungen, Mittler zwischen den Welten. Sie vermitteln über mehrdimensionale Angebote die demokratisch-freiheitlichen Werte, für die Deutschland steht, eine Kultur des Dialogs und des Austauschs auf der Basis von Bildung, Kreation und Innovationsförderung. Die Maßnahmen stehen für Demokratie und liberale Werte auf der Basis eines humanistischen Weltbildes. Sie stärken das politische und zivile Engagement der Bevölkerung, sie führen die Jugend ins lokale Unternehmertum ein. Sie vermitteln eine gemeinsame Sprache, eine gemeinsame Stimme, eine gemeinsame Sichtbarkeit zwischen den Kontinenten.
In einer Welt, in der die bisherigen Partnerschaften und die üblichen Instrumente der Diplomatie und des Miteinanders zunehmend an ihre Grenzen stoßen, kommt den Akteuren der Auswärtigen Kultur-, Entwicklungs- und Wirtschaftszusammenarbeit eine strategisch immer wichtiger werdende Rolle zu. Niederschwellig, einladend und erschwinglich, vorbei an Krieg, Extremismus und Populismus, sind sie wichtige Türöffner und tragen maßgeblich zum positiven Image der „Marke Deutschland“ in der Welt bei.