Tag der Befreiung
Walter Scheel spricht als Bundespräsident über den 8. Mai 1945

Am 8. Mai 1945 endete der Zweiten Weltkrieg in Europa und mit ihm auch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft. Jetzt jährt sich dieser Tag zum 77. Mal.
Walter Scheel Rede

Walter Scheel während einer seiner Reden im Bonner Bundestag

© Archiv des Liberalismus / FD 0115

Am 6. Mai 1975 versuchte Walter Scheel in der Bonner Schlosskirche die gesamte Dimension dieses Jahrestages aufzuzeigen und dabei die unterschiedlichen Generationenerfahrungen miteinander zu versöhnen. So sprach er einleitend vor allem die ältere Generation an, die den Tag bewusst miterlebt hatte und nach wie vor als „widersprüchliches“ Datum empfand, womit Scheel indirekt an das berühmte Diktum seines liberalen Vorgängers Theodor Heuss anknüpfte. Der hatte noch im Parlamentarischen Rat zum 8. Mai festgestellt: Dieser Tag sei „die tragischste und fragwürdigste Paradoxie der Geschichte für jeden von uns (gewesen). Warum denn? Weil wir erlöst und vernichtet in einem gewesen sind.“

 

Lesen Sie hier die gesamte Rede im Wortlaut:

  • Ansprache des Herrn Bundespräsidenten anläßlich der 30. Wiederkehr des Tages des Kriegsendes am 6. Mai 1975.

„Wir wurden von einem furchtbaren Joch befreit, von Krieg, Mord, Knechtschaft und Barbarei…Aber wir vergessen nicht, dass diese Befreiung von außen kam, dass wir, die Deutschen, nicht fähig waren, selbst dieses Joch abzuschütteln.“

Walter Scheel bei einer Rede vor dem deutschen Bundestag
Walter Scheel

Scheel aber wollte diese „Paradoxie“ überwinden und wies auf die Chancen hin, die das Kriegsende trotz allem für die Deutschen geboten hätte und welche von diesen genutzt worden seien. Zugleich warnte er gerade mit Blick auf die Jüngeren – es war die Hochzeit des RAF-Terrorismus - davor, sich auf diesen Lorbeeren auszuruhen; vielmehr müsse man an der gelernten Lektion, „an Freiheit und Recht und Gewaltlosigkeit“ festhalten. Die politische Kultur und Ordnung der Bundesrepublik könnten zwar kritisiert werden, dürften aber gerade im Rückblick auf die jüngere Vergangenheit in ihrem Kern nicht verändert werden.

Kriegsende und die Potsdamer Konferenz

Die Truman-Villa 1945. Heutiger Sitz der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Potsdam.

Robert S. Mackay ist ein amerikanischer Historiker, der über Zeitgeschichte publiziert, unter anderem auch über die Truman-Villa, dem heutigen Hauptsitz der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Anlässlich des Tages der Befreiung vom Nationalsozialismus haben wir mit ihm über die historische Bedeutung der Truman-Villa gesprochen. 

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