NATO-Umfrage
Neue deutsche Führungsrolle? Was unsere Verbündeten in Europa von Deutschland erwarten
Eine Skulptur und Fahnen vor dem NATO-Hauptquartier in Brüssel, Belgien.
© picture alliance/dpa/Lehtikuva | Emmi KorhonenMehr Verantwortung in der europäischen Sicherheitspolitik, aber kein deutscher Alleingang – das zeigt eine neue europaweite IPSOS-Umfrage im Auftrag der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Befragt wurden Bürgerinnen und Bürger in acht europäischen NATO-Staaten zu Deutschlands künftiger Rolle in der europäischen Sicherheitsarchitektur.
Das Ergebnis widerspricht der langen verbreiteten Annahme deutscher Außenpolitik, dass eine stärkere deutsche Führungsrolle von den europäischen Partnern abgelehnt würde. Im Gegenteil: Jeder Zweite Befragte spricht sich dafür aus, dass Deutschland mehr Verantwortung für die Sicherheit Europas übernehmen sollte. Darüber hinaus gaben 56% an, dass eine Stärkung der deutschen Verteidigungskapazitäten die Sicherheit Europas insgesamt erhöhen würden. Auch die Deutschen selbst bewerten die bisherige Rolle ihres Landes mehrheitlich als zu zurückhaltend und befürworten ein stärkeres deutsches Engagement.
Dazu sagt die Vorsitzende des Ausschusses für Sicherheit und Verteidigung des Europäischen Parlaments, Marie-Agnes Strack-Zimmermann: ”Ich kann den Bundeskanzler, der sich selbst gerne als Außenkanzler inszeniert, nur erneut auffordern, dieser Rolle endlich gerecht zu werden. Europa braucht keine weiteren Ankündigungen, sondern Führung durch konkretes Handeln. Die gesamte Bundesregierung muss endlich ein stärkeres Bewusstsein für die strategische Bedeutung Europas entwickeln und entsprechend handeln.”
Die Studie zeigt zudem, dass die europäischen Verbündeten von Deutschland in erster Linie politische Führung erwarten. Finanzielle Beiträge und militärische Führung werden zwar mehr oder minder als notwendig angesehen, stehen jedoch nicht im Mittelpunkt der Erwartungen. Die Europäer fordern also kein grundlegend anderes Deutschland, sondern eines, das europäische Interessen koordinieren, Kompromisse ermöglichen und gemeinsame sicherheitspolitische Entscheidungen vorantreiben kann.
“Führung bedeutet Zusammenarbeit und Verlässlichkeit – nicht Dominanz und schon gar keine Alleingänge. Vertrauen gewinnt man nicht mit Sonntagsreden, sondern mit entschlossenem Handeln”, so die sicherheitspolitische Expertin der FDP, Marie-Agnes Strack-Zimmermann.
Die Umfrage zeigt starke Unterstützung (67%) für eine verstärkte bilaterale Zusammenarbeit mit Deutschland in den Bereichen Sicherheit und Verteidigung. Strack Zimmermann kommentiert: “Das ist ein gewaltiger Vertrauensvorschuss – und es wäre fahrlässig, ihn nicht zu nutzen. Diese Umfrage bestätigt genau das, was ich bei jedem Treffen in ganz Europa höre: Unsere Partner haben keine Angst vor einem starken Deutschland. Wovor unsere Partner sich sorgen, ist ein zögerliches Deutschland.”
Gleichzeitig deckt die Umfrage wichtige politische Sensibilitäten auf. Deutschlands historisches Erbe prägt nach wie vor die Wahrnehmung, insbesondere in Polen, und das Vertrauen unter den Befragten in Frankreich, Polen, Italien und der Türkei ist vergleichsweise geringer. Diese Ergebnisse legen nahe, dass eine stärkere deutsche Führungsrolle mit einem nachhaltigen diplomatischen Engagement, dem Aufbau von Vertrauen und Partnerschaften auf Augenhöhe und einer engen Abstimmung mit wichtigen europäischen Partnern verbunden sein muss.
Der Tagesspiegel berichtete am 05.07.2026 über die Umfrage.
Die Ergebnisse der Umfrage können Sie hier lesen und downloaden.
52 Prozent der Befragten befürworten, dass Deutschland mehr Verantwortung für die europäische Sicherheit übernehmen sollte.
© IPSOS im Auftrag für die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.
56% der Befragten sind davon überzeugt, dass Europa sicherer sein wird, wenn Deutschland seine militärischen und verteidigungspolitischen Fähigkeiten ausbaut.
© IPSOS im Auftrag für die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. 52 Prozent der Befragten befürworten, dass Deutschland mehr Verantwortung für die europäische Sicherheit übernehmen sollte.