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Rumänien
Bukarest am östlichem Rand Europas: Die neue strategische Partnerschaft zwischen der Ukraine und Rumänien

Der rumänische Präsident Nicușor Dan gab am 12. März 2026, im Cotroceni-Palast gemeinsam mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj eine Pressekonferenz.

Der rumänische Präsident Nicușor Dan gab am 12. März 2026, im Cotroceni-Palast gemeinsam mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj eine Pressekonferenz.

© Präsidialamt Rumäniens, https://www.presidency.ro

Am 12. März 2026 unterzeichneten die Präsidenten Nicușor Dan und Wolodymyr Selenskyj ein Abkommen über eine strategische Partnerschaft zwischen Rumänien und der Ukraine, die auf die Vertiefung der Handelsbeziehungen sowie die Stärkung der regionalen und militärischen Zusammenarbeit abzielt. Rumänien unterstützt offiziell den Beitritt der Ukraine zur NATO und zur EU. Die Ukraine erklärte, dass sie sich seit der russischen Invasion ihres Gebiets im Jahr 2022 auf Rumänien als wichtigen Partner verlassen habe, ebenso wie auf Polen und die baltischen Staaten. Während die rumänisch-ukrainischen Beziehungen einst durch Territorialstreitigkeiten und sprachliche, kulturelle und rechtliche Fragen der Rumänen in der Ukraine belastet waren, befinden sich die Beziehungen zwischen den beiden Staatschefs heute auf einem Höchststand. Die Ukraine bleibt teilweise bei der rumänischen Bevölkerung zwar ein sensibles Thema, insbesondere in souveränistischen Kreisen, doch tatsächlich ist die Beziehung zwischen beiden Ländern noch nie so gut wie heute gewesen. In dieser kurzen Analyse werden wir die Aspekte dieser Partnerschaft näher beleuchten, die die Beziehungen zwischen Kyjiw und Bukarest stärken sollen: Logistik, Infrastruktur, Verteidigungsindustrie und Minderheitenrechte. Zunächst lohnt sich jedoch ein Blick auf die Zusammenarbeit, die bereits vor der Unterzeichnung der Partnerschaft bestand.

Seit Beginn des Krieges im Jahr 2022 hat Rumänien nicht nur seine Unterstützung für die Ukraine bekräftigt, sondern ist in diesem Konflikt auch zu einem wichtigen Knotenpunkt innerhalb der europäischen und NATO-Strukturen geworden. Der Luftwaffenstützpunkt Mihail Kogălniceanu wird derzeit ausgebaut und soll bis 2030-2040 zum größten NATO-Standort Europas werden, der bis zu 10.000 Soldaten aufnehmen könnte. Rumänien beherbergt zudem eine multinationale NATO-Kampfgruppe, die Mission Aigle, unter französischem Kommando, um mögliche russische Aggressionen abzuschrecken. Darüber hinaus spielt Rumänien in der Schwarzmeer-Region eine entscheidende Rolle für die maritime Sicherheit, insbesondere seit Russland die Krim und große Teile der ukrainischen Küste annektiert hat. Politisch hat Rumänien gegenüber Moskau eine ähnliche Haltung eingenommen wie Polen und die baltischen Staaten. Seit 2022 spielt das Land außerdem eine wichtige Rolle bei der Aufnahme ukrainischer Flüchtlinge-

Wegen seiner besonderen Beziehung zur Republik Moldau – und angesichts der Bedrohungen, denen diese ausgesetzt ist – hat sich Rumänien auch wirtschaftlich stärker der Ukraine angenähert. Die drei Länder verfügen inzwischen über eine trilaterale Handelskammer und bilden das sogenannte Odessa-Dreieck, das für die wirtschaftliche Integration der Region von entscheidender Bedeutung ist. Auch im Energiebereich spielt Rumänien eine zentrale Rolle bei der Anbindung der ukrainischen und moldauischen Netze an die EU. Gleichzeitig waren die drei Länder auf unterschiedliche Weise Ziele des hybriden Krieges des Kremls, sowohl im Energiesektor als auch im Informationsbereich.

Rumänien hat zudem eine Schlüsselrolle bei der wirtschaftlichen Unterstützung der Ukraine gespielt, insbesondere durch die Einrichtungen des Hafens von Constanța, der als alternative Drehscheibe für ukrainische Güter – darunter vor allem Getreide – diente. Von 2022 bis 2025 ersetzte Constanța zeitweise Odessa als wichtigsten Exporthafen für ukrainisches Getreide, da die ukrainische Küste von Russland massiv unter Beschuss genommen wurde. Güter wie Stahl, Eisen, Weizen, Mais und Sonnenblumenöl wurden per Lkw, Bahn oder über die Donau nach Constanța transportiert und anschließend per Schiff exportiert. Im Jahr 2023 wurden 14 Millionen Tonnen ukrainisches Getreide über Constanța umgeschlagen. Im Jahr 2025 gingen die ukrainischen Exporte über den Hafen Constanta jedoch stark zurück, nachdem die Ukraine wieder Kontrolle über Teile ihrer Schifffahrtswege rund um Odessa zurückgewonnen hatte. Die über Rumänien exportierte Menge sank auf nur noch 226.000 Tonnen.

Schließlich spielt Rumänien eine wichtige logistische Rolle bei der europäischen Unterstützung der Ukraine, da es ein Patriot-Langstrecken-Luftabwehrsystem geliefert hat und zugleich als Rückzugsbasis für die Wartung gepanzerter Fahrzeuge, die medizinische Versorgung ukrainischer Soldaten sowie die Lieferung von Treibstoff dient. Rumänien ist zwar keine Konfliktpartei, bleibt jedoch direkt vom Krieg betroffen, insbesondere durch das Eindringen russischer Drohnen in seinen Luftraum nahe der Grenze zur Ukraine. Wie andere europäische Staaten, die mit diesem Problem konfrontiert sind, hat Rumänien beschlossen, diese relativ harmlosen Flugobjekte nicht systematisch abzuschießen, da die Kosten für die Luftverteidigung unverhältnismäßig hoch wären. Diese Vorfälle haben Bukarest dennoch dazu veranlasst, eine klarere Strategie im Bereich der Drohnenproduktion zu entwickeln, und dieser Aspekt wurde inzwischen in die Partnerschaft mit Kyjiw integriert. Rumänien beteiligt sich aktiv am europäischen SAFE-Programm („Security Action for Europe“), das Kreditmittel in Höhe von insgesamt 150 Milliarden Euro für die gemeinsame Beschaffung von Verteidigungsgütern europaweit bereitstellt.

Rumänien und die Ukraine haben am 12. März eine noch engere Partnerschaft besiegelt. Im Rahmen des SAFE-Programms erhält Rumänien 200 Millionen Euro zur Finanzierung seiner Verteidigungssysteme, zu denen auch Drohnen gehören. Derzeit importiert Rumänien den Großteil seiner Drohnen. Das Land versucht nun, seine Jugend – insbesondere an Militärgymnasien, wenn auch nicht ausschließlich – im Bereich Drohnentechnologie und Reparatur auszubilden. Mehrere rumänische Abgeordnete, darunter die USR-Abgeordnete Corina Atanasiu, arbeiten an diesem Thema und haben Pilotprogramme an bestimmten Schulen initiiert, ähnlich wie jene, die bereits in Estland, Finnland und der Ukraine bestehen.

Über die Frage der Drohnenausbildung hinaus haben Rumänien und die Ukraine auch ein Abkommen über die Zusammenarbeit in den Bereichen Cybersicherheit und Nachrichtendienst für die kommenden zehn Jahre unterzeichnet sowie ihre politische und logistische Unterstützung bekräftigt. Diese Zusammenarbeit geht inzwischen über eine bloße rumänische Unterstützung für Kyjiw hinaus, wie der geplante Einsatz ukrainischer Verteidigungstechnologien durch das rumänische Militär zeigt. Darüber hinaus wird die Energievernetzung weiter ausgebaut, insbesondere um den Transport von Flüssigerdgas (LNG) durch rumänische Gaspipelines zu erleichtern. Rumänisches Gas könnte künftig in der Ukraine gespeichert werden, was für die Entwicklung des sogenannten „Vertikalen Gaskorridors“ von entscheidender Bedeutung wäre. Dieser Korridor gilt als Hauptroute für amerikanisches LNG nach Mittel- und Osteuropa und verläuft von der Ägäis in Griechenland über Bulgarien, Rumänien, die Republik Moldau, Ungarn und die Slowakei bis in die Ukraine.

An der Grenze zwischen beiden Ländern, die in Kriegszeiten weiterhin streng kontrolliert wird, sollen zusätzliche Verkehrsverbindungen und grenzüberschreitende Eisenbahnstrecken entstehen. Gleichzeitig sollen die Zollkontrollen teilweise gelockert werden. Außerdem wollen beide Länder einen Plan zur Minenräumung im Schwarzen Meer vorantreiben. Im Rahmen des vom Odessa-Dreieck verabschiedeten Plans soll zudem die Sicherheit auf der Donau gestärkt werden.

Schließlich haben die Ukraine und Rumänien beschlossen, ihre Streitigkeiten bezüglich der ukrainischen Minderheit in Rumänien und der rumänischen Minderheit in der Ukraine beizulegen. Beide Länder verpflichten sich damit, die kulturellen und politischen Rechte ihrer Minderheiten stärker zu achten. In der Ukraine wurde die Bezeichnung „Moldauisch“ offiziell durch „Rumänisch“ ersetzt, wie es zuvor bereits die Republik Moldau getan hatte. Damit endet eine stark politisierte Unterscheidung zwischen beiden Begriffen. Präsident Selenskyj unterzeichnete sogar ein Dekret, mit dem der 31. August zum offiziellen Tag der rumänischen Sprache in der Ukraine erklärt wurde, wie bereits in Rumänien und der Republik Moldau. Diese kulturelle und sprachliche Annäherung soll dazu beitragen, Spannungen zwischen beiden Ländern abzubauen, die in der Vergangenheit häufig von russischer Desinformation ausgenutzt wurden.

Rumänien sieht sich inzwischen auf eigenem Boden mit den Folgen der russischen Invasion in der Ukraine konfrontiert. Dazu gehören unter anderem Drohnen, die im Osten des Landes in den rumänischen Luftraum eindringen. Trotz nationalistischer Rhetorik, die jede Form von Unterstützung für die Ukraine ablehnt, war die rumänische Hilfe für Kyjiw noch nie so entscheidend wie heute. Die Möglichkeit dieser Zusammenarbeit ist auch das Ergebnis einer politischen Annäherung zwischen Kyjiw, Bukarest und Chișinău – und vielleicht künftig sogar mit Budapest. Beide Länder wissen jedoch, wie fragil diese Entwicklung bleibt und dass ihre bilateralen Beziehungen weiterhin gezielt von Russland ins Visier genommen werden.

 

Über den Autor: Martin de La Garanderie ist Experte für europäische Angelegenheiten und internationale Beziehungen. Er ist Absolvent des Colleges of Europe in Natolin (Polen), des Instituts für Politikwissenschaft in Münster (Deutschland) und von Sciences Po Lille (Frankreich). Er war beim Europäischen Auswärtigen Dienst (EAD) in Brüssel sowie bei mehreren Thinktanks tätig. Derzeit ist er Praktikant bei der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Rumänien und der Republik Moldau.