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Neue Studien zu Kuba und Nicaragua: Drohen neue Regimewechsel-Szenarien?

Golf_von_Mexiko

Karte des Golfs von Mexiko 

© picture alliance / M.i.S. | Bernd Feil

Nach der Festnahme des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro steigt der internationale Druck auf die autoritären Regime in Havanna und Managua. Vor dem Hintergrund anhaltender politischer, wirtschaftlicher und humanitärer Krisen veröffentlicht die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit zwei neue Strategiepapiere zu möglichen politischen Übergängen in Kuba und Nicaragua.

Die Analysen zeigen: Beide Regime reagieren auf zunehmende Instabilität weiterhin mit Repression.

In Kuba sind rund 1.260 politische Gefangene dokumentiert – der höchste Stand seit Beginn der Erfassung. In Nicaragua hat das Ortega-Murillo-Regime seit 2018 mehr als 800.000 Menschen ins Exil getrieben und Oppositionelle ausgebürgert. Zugleich beruht die wirtschaftliche Stabilität des Landes nicht auf Industrie oder Innovation, sondern maßgeblich auf Rücküberweisungen aus dem Ausland, die 2025 rund 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen.

Vor diesem Hintergrund erklärt Dr. Maren Jasper-Winter, Vorstandsmitglied der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit:

„Wir Liberalen stehen fest an der Seite der Zivilgesellschaft in Kuba und Nicaragua. Die Menschen dort sollten frei über ihre Zukunft entscheiden können. Europa muss klar Stellung beziehen: Unterdrückung beenden, politische Gefangene freilassen und Freiheit ermöglichen. Solidarität gilt den Menschen, nicht den Diktaturen.“

Mit Blick auf Deutschlands Geschichte ergänzt sie:

„In Berlin haben wir Geschichte geschrieben und bewiesen, dass keine Mauer, kein ungerechter Staat und kein autoritäres Regime ewig Bestand hat. Wer in Freiheit lebt, darf die Augen vor Unterdrückung anderswo nicht verschließen.“

Felix Maradiaga, Präsident von RELIAL und ehemaliger politischer Gefangener sowie Autor des Nicaragua-Strategiepapiers, warnt:

„Die größte kurzfristige Gefahr ist nicht, dass die Diktatur morgen fällt. Sie besteht darin, dass ihr Ende hinausgezögert wird: dass Ortega geht, aber die Strukturen der Kontrolle bestehen bleiben.“

Carolina Barrero, Gründungsdirektorin von Ciudadanía y Libertad, Sakharow Fellow und Autorin des Kuba-Papiers, betont:

„Ein Fenster des Wandels garantiert weder Demokratie noch Stabilität. Ohne Beteiligung der Zivilgesellschaft drohen Übergänge autoritäre Systeme in neuer Form zu reproduzieren.“

Beide Autoren fordern gezielte Sanktionen gegen Verantwortliche, eine klare Kopplung internationaler Zusammenarbeit an Reformen sowie stärkere Mechanismen zur Aufarbeitung von Menschenrechtsverletzungen.

Die Studien kommen zu dem Schluss, dass nachhaltiger demokratischer Wandel nur mit einer starken Zivilgesellschaft möglich ist. Reine Elite-Übergänge bergen das Risiko autoritärer Kontinuität.

Dr. Maren Jasper-Winter dazu:

„Wahrer Wandel kann nur gelingen, wenn die Zivilgesellschaft eine führende Rolle spielt und nicht an den Rand gedrängt wird. Ein Pseudo-Übergang wäre kein Fortschritt, sondern würde autoritären Strukturen neues Leben einhauchen. Das dürfen wir nicht zulassen.“

Kuba an der Schwelle des Wandels

Kuba an der Schwelle des Wandels

Der Bericht „Kuba an der Schwelle des Wandels“ von Carolina Barrero analysiert die tiefgreifende Krise Kubas im Jahr 2026 und bewertet die Bedingungen, unter denen ein politischer Übergang möglich werden könnte. Ausgangspunkt ist die These, dass das Land gleichzeitig mit einem strukturellen wirtschaftlichen Zusammenbruch, wachsendem internationalen Druck und einer zunehmenden Erosion der Legitimität des Regimes konfrontiert ist.



Die Autorin untersucht die inneren Ursachen der Krise, darunter den wirtschaftlichen Niedergang, den Ausbau staatlicher Repression sowie die Machtkonzentration innerhalb der militärisch kontrollierten Unternehmensgruppe GAESA. Darüber hinaus analysiert sie die Auswirkungen der US-Politik, die Rolle der Europäischen Union im Rahmen des Abkommens über politischen Dialog und Zusammenarbeit (PDCA) sowie die internationale Debatte über humanitäre Hilfe und Sanktionen.



Ein zentraler Bestandteil des Berichts ist die Entwicklung von vier möglichen Übergangsszenarien – von einem ausgehandelten Elitenpakt über einen ungeordneten institutionellen Zusammenbruch bis hin zu einer stärkeren transatlantischen Koordinierung oder einer extern erzwungenen Veränderung. Dabei wird argumentiert, dass kein Szenario automatisch zu einer demokratischen Transformation führt und dass die Einbindung der kubanischen Zivilgesellschaft eine entscheidende Voraussetzung für einen nachhaltigen Wandel darstellt.

Abschließend formuliert die Studie politische Empfehlungen für die internationale Gemeinschaft. Sie fordert unter anderem die Freilassung politischer Gefangener, die Einbindung der Zivilgesellschaft in mögliche Verhandlungen, den Abbau monopolistischer Machtstrukturen sowie überprüfbare Bedingungen für demokratische Reformen.

Der Bericht versteht den gegenwärtigen Moment als historisches Zeitfenster, dessen Ausgang maßgeblich von den politischen Entscheidungen innerhalb Kubas und dem internationalen Handeln abhängen wird.

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Nicaraguas halb offenes Fenster

Nicaraguas halb offenes Fenster

Nicaragua befindet sich nach Ansicht dieses Policy Papers an einem kritischen Wendepunkt. Obwohl das Land 2025 ein Wirtschaftswachstum von 4,9 Prozent verzeichnete, basiert dieses Wachstum in erheblichem Maße auf Rücküberweisungen von Hunderttausenden Exilierten und verdeckt die tiefgreifende politische und gesellschaftliche Krise unter dem Ortega-Murillo-Regime. Das Papier argumentiert, dass die wirtschaftliche Stabilität nicht über den fortschreitenden Abbau demokratischer Institutionen, die systematische Repression gegen Oppositionelle sowie die Einschränkung grundlegender Freiheitsrechte hinwegtäuschen darf.

Der Autor untersucht die wachsende internationale Bedeutung Nicaraguas im geopolitischen Wettbewerb. Die engen Beziehungen des Regimes zu Russland und China sowie die strategische Lage des Landes in Mittelamerika verleihen der Entwicklung über die Region hinaus sicherheitspolitische Relevanz. Gleichzeitig bewertet das Papier die Wirksamkeit internationaler Sanktionen und zeigt deren Grenzen auf. Statt ausschließlich auf wirtschaftlichen Druck zu setzen, plädiert es für eine konsequente internationale Rechenschaftspflicht gegenüber den Verantwortlichen für Menschenrechtsverletzungen sowie für eine stärkere Abstimmung zwischen Europa und den Vereinigten Staaten.

Ein zentraler Bestandteil der Analyse sind fünf mögliche Zukunftsszenarien – von der Fortsetzung des autoritären Status quo über einen verhandelten demokratischen Übergang bis hin zu einer Machtübernahme innerhalb der bestehenden Herrschaftsstruktur nach Daniel Ortega. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Rolle der nicaraguanischen Streitkräfte, der Opposition im In- und Ausland sowie der Zivilgesellschaft. Abschließend formuliert das Papier konkrete Empfehlungen für Europa, darunter gezielte Sanktionen, die Unterstützung internationaler Justizmechanismen sowie die Verknüpfung wirtschaftlicher Beziehungen mit messbaren Fortschritten bei Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten.

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Diana Luna
Diana Luna
Referentin Lateinamerika
Telefon: +49 175 2682447‬