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Women in AI: Wer baut Berlins digitale Zukunft?

Diskussionsveranstaltung „Women in AI“ widmet sich verantwortungsvoller KI und dem Innovationsstandort Berlin
Women in AI Paneldiskussion

Panel der Veranstaltung mit Dr. Maren Jasper-Winter, Nicole Büttner, Dr. Maria Börner und Charlotte Zeller. 

© Milena Radatz

Wie gelingt eine Künstliche Intelligenz, die allen Menschen zugutekommt? Welche Folgen hat der Gender Gap in der KI-Entwicklung – und wie kann Berlin seine Position als europäischer KI-Standort weiter ausbauen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Veranstaltung „Women in AI – Wer baut Berlins digitale Zukunft?“. Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Überzeugung, dass Künstliche Intelligenz kein Selbstzweck ist, sondern von den Menschen geprägt wird, die sie entwickeln. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem Netzwerk Women in AI und in den Räumlichkeiten des Merantix AI Campuses statt. Moderiert wurde sie von Charlotte Zeller, Juristin und bei der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit als Referentin für den Bereich Digitalisierung verantwortlich.

Video zur Veranstaltung

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Mehr Frauen in KI bedeutet bessere KI?

Nicole Büttner, Gründerin von Merantix Momentum, teilte in der Diskussion ihren optimistischen Blick auf die Möglichkeiten von KI. Anhand von Anwendungen in der Brustkrebsvorsorge zeigte sie, welchen konkreten gesellschaftlichen Nutzen intelligente Systeme bereits heute schaffen können. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass Technologie niemals neutral sei. Entscheidend sei, wer sie entwickelt und auf welcher Datengrundlage sie basiert. Sie warb trotz dieser möglichen Problematik dafür, Berührungsängste gegenüber neuen Technologien abzubauen. Gerade Frauen sollten sich nicht von einer noch immer männlich geprägten Branche abschrecken lassen.

Dr. Maren Jasper-Winter, Mitglied im Vorstand der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit,  betonte die gesellschaftliche Dimension des Themas. Frauen seien wirtschaftlich noch immer häufig benachteiligt: durch geringere Einkommen, niedrigere Renten und eingeschränkte Karrierechancen. Umso wichtiger sei es, sie aktiv an Zukunftstechnologien zu beteiligen. KI dürfe dabei nicht ausschließlich als Feld für Informatikerinnen und Informatiker verstanden werden. Auch Juristinnen, Linguistinnen, Medizinerinnen oder Sozialwissenschaftlerinnen würden künftig entscheidend dazu beitragen, KI verantwortungsvoll weiterzuentwickeln. Als langfristigen Schlüssel sieht Jasper-Winter eine stärkere Förderung von MINT-Kompetenzen bereits in Schulen und Kindergärten. Gleichzeitig müsse Unternehmertum früh vermittelt werden. Wer bereits als junger Mensch lerne, eigene Ideen umzusetzen und Unternehmen zu gründen, werde später eher den Schritt in die Selbstständigkeit wagen – unabhängig von Geschlecht oder sozialer Herkunft.

Nicole Büttner auf dem Podium von Women in AI

Nicole Büttner, Gründerin von Merantix Momentum

© Milena Radatz

Familienfreundlichkeit und Vielfalt als Wettbewerbsvorteil

Auch Dr. Maria Börner, Leiterin Competence Center AI bei Westernacher Solutions und Germany Ambassador des Netzwerks Women in AI, machte deutlich, dass Diversität nicht erst bei der Entwicklung von KI beginne. Unternehmen müssten sich bereits im Recruiting vielfältiger präsentieren und Rahmenbedingungen schaffen, die Frauen langfristig den Einstieg und Verbleib in der Branche erleichtern: Flexible Arbeitsmodelle, familienfreundliche Strukturen und Sicherheit während Schwangerschaft oder Elternzeit seien dabei entscheidende Faktoren. Gleichzeitig brauche KI die Perspektiven unterschiedlichster Disziplinen. Gerade in Bereichen wie Medizin oder Legal Tech verfügten viele Frauen über wertvolle Expertise, die stärker in technologische Entwicklungen einfließen müsse.

Mit Blick auf generative KI betonte Börner zudem die Bedeutung qualitativ hochwertiger Inhalte. Da KI-Systeme auf vorhandenen Daten aufbauen, könne jede und jeder dazu beitragen, vielfältigere und ausgewogenere Informationen im digitalen Raum bereitzustellen. Wer eine vielfältigere KI wolle, müsse auch selbst zu einer vielfältigeren Wissensbasis beitragen.

Dr. Maren-Jasper-Winter auf dem Podium der Veranstaltung Women in AI

Dr. Maren Jasper Winter, Mitglied des Vorstands der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

© Milena Radatz

Berlin braucht mehr Tempo

Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war der Innovationsstandort Berlin. Einigkeit bestand darüber, dass die Hauptstadt hervorragende Voraussetzungen mitbringt: exzellente Universitäten, eine lebendige Start-up-Szene, internationale Talente und erfahrene Investorinnen und Investoren. Gleichzeitig verliere Deutschland viele gut ausgebildete Fachkräfte an andere Länder, insbesondere in die USA. Nicole Büttner sprach sich deshalb für einen stärkeren Transfer von Forschung in Unternehmensgründungen aus.

Dr. Maren Jasper-Winter forderte eine klare Berliner KI-Strategie mit konkreten Zielen und messbaren Fortschritten. Gleichzeitig müsse die Verwaltung moderner, digitaler und schneller werden. Bürokratische Hürden bei Arbeitserlaubnissen, Unternehmensgründungen oder Bauvorhaben erschwerten es internationalen Fachkräften und Unternehmen, langfristig in Berlin zu bleiben.

Wissenschaft und Wirtschaft enger verbinden

Dr. Maria Börner hob insbesondere die Stärke Berlins als Wissenschaftsstandort hervor. Die Hauptstadt verfüge über exzellente Forschungseinrichtungen, deren Erkenntnisse noch stärker in marktfähige Innovationen überführt werden müssten. Grundlagenforschung sei dabei kein Gegensatz zu wirtschaftlichem Erfolg, sondern häufig dessen Voraussetzung.

Eine engere Zusammenarbeit zwischen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen könne dazu beitragen, Talente langfristig in Berlin zu halten und neue Unternehmen entstehen zu lassen.

Fragen aus dem Publikum

Viele Publikumsfragen runden die Veranstaltung ab. 

© Milena Radatz

Verantwortung gemeinsam gestalten

Zum Abschluss der Diskussion waren sich die Panelistinnen einig, dass verantwortungsvolle KI nur dann gelingen kann, wenn Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam handeln. Mehr Frauen in Technologieberufen, vielfältigere Teams, bessere Bildungsangebote und eine leistungsfähige Verwaltung seien keine Einzelmaßnahmen, sondern Bausteine einer gemeinsamen Zukunftsstrategie.

Denn die digitale Zukunft entsteht nicht allein durch neue Technologien, sondern durch die Menschen, die sie gestalten.

 

Dr. Maria Börner auf dem Panel von Women in AI

Dr. Maria Börner, Leiterin Competence Center AI bei Westernacher Solutions, Germany Ambassador des Netzwerks Women in AI

© Milena Radatz