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LI Prize for Freedom
Der Fall Osman Kavala bewegt Berlin

Liberal International Prize for Freedom

Dr.Maren Jasper-Winter, Professor Dr. Karl-Heinz Paqué, Ayşe Buğra, Astrid Thors und Dr. Jürgen Martens

© Vimo Studio

4. Mai in Berlin. Es ist ein festlicher Abend in der Wartehalle im Bezirk Mitte - und zugleich ein politischer. Als der Liberal International Prize for Freedom verliehen wird, bleibt der Preisträger abwesend. Osman Kavala sitzt weiterhin in Haft. Seine Ehefrau Ayşe Buğra nimmt die Auszeichnung stellvertretend entgegen. Es ist dieser Kontrast, der die Tonlage des Abends bestimmt: Würdigung und Mahnung zugleich.

Ein Fall mit Symbolkraft

Schon in seiner Eröffnung macht Prof. Dr. Karl-Heinz Paqué, Präsident von Liberal International und ehemaliger Vorsitzender der Naumann-Stiftung, deutlich, dass es hier nicht um Routine geht. Der LI Prize for Freedom werde nicht leichtfertig vergeben, sondern für „den Mut, für Menschenwürde einzustehen, selbst wenn dies einen immensen persönlichen Preis bedeutet“. Osman Kavala, seit mehr als acht ein halb Jahren inhaftiert, stehe exemplarisch für diesen Mut.

Grußwort von Prof. Dr. Karl-Heinz Paqué 

In ihrer Laudatio zeichnete FNF-Vorstandsmitglied Dr. Maren Jasper-Winter das Bild eines Mannes, dessen Engagement für Dialog und kulturellen Austausch ihn zum politischen Gegner gemacht hat. Sie erinnert an die Konstruktion der Vorwürfe gegen Kavala - und an deren Fragwürdigkeit: „Ein Lautsprecher. Ein Plastiktisch. Und ein paar Kekse“ das war alles, was als Beweismittel in der Anklageschrift gegen Kavala angeführt wurde.

Der Fall Kavala gehe längst über die Person hinaus. Er sei zu einem Symbol geworden für den Zustand von Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit in der Türkei, so Jasper-Winter.

Laudatio von Dr. Maren Jasper-Winter 

Im Zentrum des Abends stand das persönliche und zugleich politische Gespräch zwischen Ayşe Buğra, eme­ri­tierte Professorin und Ehefrau von Osman Kavala, und Astrid Thors, stellvertretende Vizepräsidentin von LI. In diesem Dialog wurde deutlich, wie eng individuelle Schicksale und gesellschaftliche Entwicklungen miteinander verwoben sind. Buğra sprach über die jahrelange Haft ihres Mannes, über Hoffnung, Ausdauer und die Bedeutung internationaler Solidarität.

Das Gespräch verlieh der Veranstaltung eine besondere Tiefe: Es rückte die menschliche Dimension hinter den politischen Schlagzeilen in den Fokus und machte spürbar, was es bedeutet, wenn Freiheit nicht abstrakt, sondern konkret eingeschränkt wird.

Osman Kavala

Worte aus der Haft: Kavalas Dankesrede

Die Stimme des Preisträgers selbst erreicht den Saal nur indirekt. In seiner Dankesrede, verlesen von Ayşe Buğra, beschreibt Kavala eine Welt, in der autoritäre Tendenzen zunehmen - und Hoffnung dennoch möglich bleibt. „In dem gegenwärtig düsteren Zustand der Welt ist es leicht, die Hoffnung zu verlieren“, heißt es darin. „Aber es gibt auch Entwicklungen, die mir Hoffnung geben wie etwa in Ungarn“.

Osman Kavalas Rede 

Am Ende wird der Ton noch einmal deutlich. Dr. Jürgen Martens, Präsident der Deutschen Gruppe der Liberalen Internationale, spricht offen aus, was viele an diesem Abend denken: Dass die Preisverleihung in Berlin stattfindet und nicht in Istanbul, sei selbst eine Aussage über den Zustand von Freiheit in der Türkei . Kavala bezahle „einen hohen Preis für sein Engagement für ein offenes und friedliches Zusammenleben“.

Dr. Jürgen Martens Rede

Mehr als eine Auszeichnung

Am Ende bleibt der Eindruck eines Abends, der bewusst mehr sein will als eine bloße Ehrung. Die Preisverleihung versteht sich als Appell - an die Anwesenden ebenso wie an die Öffentlichkeit: für Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und demokratische Grundwerte einzustehen, auch dort, wo es unbequem wird. Oder, wie es in der Laudatio heißt: „Freiheit ist kein Zustand. Freiheit ist eine Verantwortung.“

Ein Satz, der an diesem Abend nicht als Floskel verhallt - sondern als politischer Auftrag im Raum stehen bleibt.