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Arno-Esch-Preis 2026
Arno-Esch-Preis 2026: based.Podcast ausgezeichnet

Laudatio anlässlich der Verleihung des Arno-Esch-Preises an based.Podcast und seine Gründer Benjamin Scherp und Dominik Steffens
Arno-Esch-Preis

v.l.n.r. Alexander Bagus, Präses der Vereinigung Liberaler Akademiker, Dominik Steffens, Professor Ewald Grothe

© Professor Ewald Grothe

Offen streiten, besser zuhören, Meinungsfreiheit ernst nehmen: Der Arno-Esch-Preis zeichnet Studierende aus, die Zivilcourage zeigen und neue Formen des konsensstiftenden Disputs in die Öffentlichkeit tragen. Die Auszeichnung geht in diesem Jahr an den based.Podcast sowie seine Gründer Benjamin Scherp und Dominik Steffens. Mit Neugier und Respekt holen sie Menschen ans Mikrofon, die Debatten prägen – auch dann, wenn Positionen unbequem sind. Sie stehen für eine Gesprächskultur ohne Provokationsreflexe, für echtes Interesse am Gegenüber und für das Aushalten pluraler Meinungen.

Der Arno-Esch-Preis wird von der Vereinigung Liberaler Akademiker verliehen. Die Laudatio von Professor Ewald Grothe, Historiker und Leiter des Archivs des Liberalismus, zum Nachlesen:

Liebe Mitglieder des Verbandes Liberaler Akademiker, liebe Kolleginnen und Kollegen der Jury, liebe Preisträger, liebe Gäste,

wir verleihen einen Preis für „irgendwas mit Medien“ – so könnte eine Laudatio beginnen, die ein etwas in die Jahre gekommener, zudem im Hauptberuf als verstaubt geltender Archivleiter hält. Er meint vielleicht, dass Podcasts noch mit einem Kassettenrekorder aufgenommen werden, weil er natürlich weiß, dass moderne Technik heute KI heißt, eine Abkürzung, die er in größter Selbstverständlichkeit mit „keine Information“ auflöst.

Ja, so könnte es sein – aber es ist anders. Ich stehe hier, um eine Preisverleihung an zwei Studenten vorzunehmen, die auf der Höhe der Zeit sind, und ich stehe hier als Archivleiter, mit dem tatsächlich schon Podcasts aufgenommen wurden und habe also ansatzweise eine Ahnung hat, worüber ich hier spreche.

Aber was bedeutet nun eigentlich based? Gemeint ist – so sagt das Internet – ein lobender Ausdruck. Es bedeutet, dass jemand authentisch und selbstbewusst ist oder sich nicht darum schert, was andere über ihn denken. Der Begriff wird auch genutzt, um jemandem zuzustimmen oder eine eigene Meinung auszudrücken – oft im Kontrast zum Mainstream. „Based“ – so ist in der Ankündigung für heute zu lesen – „ist ein Podcast, in dem Journalismus mit Neugier und Respekt gemacht wird.“

Und based sind in diesem Falle die zwei Studenten Benjamin Scherp und Dominik Steffens, die sich vor einiger Zeit dazu entschlossen haben, diesen Podcast zu gründen und zu betreiben. Dafür sprechen sie wöchentlich mit Menschen – so heißt es – „die Debatten durch ihre starken Meinungen prägen.“ […] Sie „glauben, von Menschen mit starken Meinungen, egal aus welcher Richtung, etwas lernen zu können.“ Es geht ihnen darum, das Zuhören und Verstehen abweichender Meinungen wieder in den Vordergrund zu rücken.

Was aber waren die Motive, welche die siebenköpfige Jury dazu bewogen haben, den based-Podcast und seine Gründer auszuzeichnen? Da ist das vorbildgebende Beispiel des Namenspatrons, also von Arno Esch, der sich als junger Student gegen die stalinistische Diktatur und gegen die Gleichschaltung der Hochschulen in der DDR wandte und Texte gegen sie schrieb. Das erforderte Mut, den wir heute in Deutschland in dieser Form sicher nicht aufbringen müssen und den wir dementsprechend in dieser Form auch nicht zur Grundlage einer Auszeichnung machen wollen, können und dürfen. Denn wir leben hier nicht in einer Diktatur, wie Esch es damals tat. Und in Deutschland ist heute niemand wie Esch von Verhaftung, Entführung und Tod bedroht, wenn er seine Meinung sagt. Gleichwohl nimmt die Zahl von Menschen zu, welche die Meinungsfreiheit derzeit bedroht sehen. Deshalb möchten wir Studierende auszeichnen, die sich im Sinne der Preisausschreibung „um das besondere Wahrnehmen von Staatsbürgerrechten im Raum der Hochschulen, Zivilcourage für Bürgerrechte […] und die Pflege neuer Formen des konsensstiftenden wissenschaftlichen Disputs in öffentlicher, freier Rede“ verdient gemacht haben und verdient machen.

Wir möchten als Jury vor allem den letzten Punkt hervorheben: „Pflege neuer Formen des konsensstiftenden wissenschaftlichen Disputs“. Denn das ist es wohl insbesonders, für das based steht. Hier werden Menschen an das Mikrofon gebeten, die unbequem sind. Based gibt ihnen eine Plattform. Based möchte, dass sie gehört werden. Based fragt sie mit Neugier und Respekt, damit sie sich frei äußern können. Scherp und Steffens reagieren auf Antworten, aber sie tun dies mit der Zurückhaltung, die das Gegenüber zur Meinung auffordert und nicht dauernd kritisch kommentiert. Da ist keine Aggressivität, da gibt es keine Provokation, da wird nicht nach einer Antwort gedrängelt, da wird keine Falle gestellt. Da wird auch keine Meinung vorgegeben – das ist weder Lanz noch Miosga, das ist – in meiner Wahrnehmung und Einschätzung – eher Maischberger oder di Lorenzo. Es ist aber auch kein Talk, es ist die Möglichkeit für die Befragten, ihre Meinung unbekümmert zu äußern.

Dieses engagierte Interesse der beiden based-Macher hat schon so manchen meinungsstarken Zeitgenossen vor das Mikrofon gelockt. Zuletzt waren das Ulf Poschardt, der „Welt“-Herausgeber und Autor des Buches „Shitbürgertum“, dann Roderich Kiesewetter, der CDU-Außenpolitikexperte oder Peter Hoeres, der Historiker und Hochschullehrer. Früher waren es bereits Kai Diekmann von der „Bild-Zeitung“ oder Jan Fleischhauer, früher beim „Spiegel“, oder die Frauenrechtlerin und Iran-Kritikerin Seyran Ates oder Anna Schneider, die „Chefreporterin Freiheit“ bei der „Welt“. Allein diese Galerie macht bereits deutlich: Häufig geht es um Politik, aber es geht auch um Geschichte, Kultur und manchmal auch Kunst. Gesprächspartner sind Journalisten, Politiker und Kulturschaffende. Insgesamt sind – Stand jetzt – in den letzten gut zwei Jahren etwa 130 Podcast-Folgen entstanden, in denen die Interviewten etwa eine Stunde lang die Möglichkeit haben, ihre Meinung zu äußern.

Wie ergeht es einem beim Zuhören? Nun, man denkt, ich höre mir das mal an, man ist vielleicht zunächst neugierig, aber gelegentlich nur mäßig interessiert – und dann: man bleibt dabei, möchte es zu Ende hören, den nächsten Termin verschieben, die Autofahrt verlängern, noch ein wenig in der Garage weiterhören, in die man gerade hineingefahren ist. Podcasts können süchtig machen. Based tritt den Beweis dafür an.

Based hat im Übrigen Erfolg: Der Podcast landet inzwischen regelmäßig bei den Rankings für podcasts auf vorderen Rängen. Und das ist keineswegs selbstverständlich in einer Welt, in der dieses mediale Format sich seit einigen Jahren etabliert hat, inzwischen zur bunten Welt der Medien dazugehört und dies in einer ungeheuren Vielfalt und einem Umfang, der sich stetig noch ausweitet. Im Jahr 2016 hörten 16 Prozent aller Deutschen zumindest hin und wieder Podcasts, 2023 waren es bereits 43 Prozent – Tendenz weiter steigend.

Bei based geht es ganz wesentlich um das Thema Meinungsfreiheit, es geht um eine Ergänzung unserer Medienlandschaft um solche Beiträge, die sich nicht im Mainstream bewegen oder nur in einer sogenannten Blase gehört werden. Vielleicht wird der ein oder die andere die eine oder andere Folge auch als schwierig oder verstörend empfinden. Manches kann aber auch aufrüttelnd wirken. Und genau darum geht es: Meinung muss nicht nur möglich sein, sie muss möglich gemacht und auch ausgehalten werden, selbst wenn sie unbequem ist. Wenn die Wochenzeitung „Die Zeit“ über Ulf Poschardt schreibt, er sei „ein überheblicher Angeber, eine Witzfigur, ein Gaspedal-Libertärer“, jemand der sich mit seinem linksliberalen Feindbild bei Rechten beliebt machen wolle, so klingt das tatsächlich ungewollt wie eine exzellente Bewerbung für ein Podcast bei based. Poschardt provoziert und polarisiert – was könnte besser sein, als ihn zu based einzuladen?

Und noch etwas, was uns als Jury wichtig war: Scherp und Steffens ruhen sich nicht auf ihren Lorbeeren aus. Kürzlich testeten sie ein neues Live-Format. So liest man: „Was passiert, wenn man Ulf Poschardt bei der „taz" vor ein linkes Publikum setzt? Ein Ort, zu dem er eigentlich alle Brücken abreißen wollte. Das haben wir am Wochenende beim taz Lab 2026 herausgefunden.“ Seit November 2025 arbeiten die beiden mit dem taz-Redakteur Jan Feddersen zusammen. Der ist dort „Redakteur für besondere Aufgaben“ und bringt neben viel Erfahrung frischen Wind bei based.

Letztes Beispiel: Peter Hoeres, Neuzeithistoriker an der Universität Würzburg, stehe für eine „neurechte Diskursverschiebung“, so werfen es ihm Studenten vor. Mit seinem neuen Buch wolle er die Nationalsozialisten als links markieren, und zugleich strebe er an, das politische Etikett „rechts" wieder zu normalisieren. Scharfe Vorwürfe, die in einem Versuch münden sollten, Hoeres an seiner Universität zu disziplinieren. Das gelang nicht – stattdessen kam es zu einem Auftritt bei based.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir die Jury fand based übereinstimmend als preiswürdig. Die Macher von based haben mit ihrer Arbeit bewiesen, dass sie es verdient haben, mit dem Arno-Esch-Preis 2026 ausgezeichnet zu werden. Herzlichen Glückwunsch Ihnen beiden, und wir wünschen uns natürlich weiterhin viele interessante Podcasts.