„Wir sind hier, um zu gewinnen“

Die European Women’s Academy 2018 geht in die zweite Runde

Nachricht13.06.2018Johanna Hans
„Wir sind hier, um zu gewinnen“
EWA ist ein Netzwerk dynamischer liberaler Frauen aus EuropaBenjamin Diedering /@benjamindiedering

Am Wochenende kamen 30 Teilnehmerinnen zur zweiten Runde der diesjährigen European Women’s Academy (EWA) in Potsdam zusammen. Das dreiteilige Trainingsprogramm unterstützt liberale Politikerinnen aus verschiedenen europäischen Staaten bei der Vorbereitung auf ihre nächsten Wahlen. Das erklärte Ziel der Teilnehmerinnen: Sie wollen ihren Platz in der Politik einnehmen.

Frauen sind in der Politik noch immer deutlich unterrepräsentiert. Auch Deutschland landet im europäischen Vergleich nur im Mittelfeld. Obwohl die politische Repräsentanz von Frauen in den letzten Jahren zugenommen hat, erschweren geschlechterspezifische Klischees und versteckte Machtstrukturen den Weg für Frauen in politische Ämter. Die Kooperationspartner ALDE Party, das European Liberal Forum und die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit haben es sich zum Ziel gemacht, die sogenannte „gläserne Decke“ zu durchbrechen. Mit der European Women’s Academy werden Politikerinnen mit gezielten Fertigkeitstrainings, angefangen von Strategieplanung über Medientraining bis hin zu Datenanalyse, bestmöglich auf ihre anstehenden Wahlen vorbereitet.

Die zweite Session der diesjährigen Women’s Academy fand im historischen Truman Haus der Friedrich Naumann Stiftung statt. Im Mittelpunkt standen die Themen Messaging und Storytelling sowie der richtige Umgang mit den Sozialen Medien. Die Inhalte wurden in interaktiven Workshops von erstklassigen Trainern vermittelt, darunter Katrin van den broeck, ehemalige Social Media Managerin von Guy Verhofstadt, Simon Bucknall, Finalist der 2017er Weltmeisterschaft für Public Speaking, und Wahlkampfmanagerin Grace Pardy, die schon 2013 die NEOS zum Erfolg führte. Darüber hinaus lernten die Teilnehmerinnen worauf es beim Tür-zu-Tür-Wahlkampf ankommt: „Es geht nicht nur darum, die Wähler davon zu überzeugen, ihre Stimme für dich abzugeben. Es geht darum, eine Beziehung zum Wähler aufzubauen und ihnen zuzuhören“, so Laura Laussade von der ALDE Party, die u.a. im Wahlkampf für Hillary Clinton praktische Erfahrungen sammelte.

Mit Selbstbewusstsein zum Ziel

Die European Women’s Academy ist jedoch mehr als nur ein reines Trainingsprogramm. EWA ist ein Netzwerk dynamischer liberaler Frauen aus Westeuropa.  Über einen Zeitraum von 6 Monaten kommen die Teilnehmerinnen an drei Wochenenden in Brüssel bzw. in Potsdam zusammen. Zwischen den Seminaren können sich die Teilnehmerinnen sowohl untereinander als auch mit den Trainern online austauschen. Der Austausch und die gegenseitige Unterstützung gepaart mit erstklassigen Trainingseinheiten sind das Erfolgskonzept der Akademie. „Die European Women’s Academy hat mir nicht nur wertvolle Fähigkeiten und Werkzeuge vermittelt, die ich für meine Kampagne nutzen kann; EWA hat mir vor allem das Selbstbewusstsein gegeben, um zu gewinnen“ so Karen Melchior, Teilnehmerin der Radikalen Venstre und Kandidatin für die Europawahl 2019.

Um an der European Women’s Academy aufgenommen zu werden, müssen die Teilnehmerinnen einen mehrstufigen Auswahlprozess durchlaufen. Als erste Hürde mussten die diesjährigen Teilnehmerinnen zunächst in ihren jeweiligen Parteien für sich werben. Jede ALDE-Mitgliedspartei hat daraufhin zwei herausragende liberale Frauen für das Programm vorgeschlagen. Aus einem Pool von zahlreichen Vorschlägen wurden die 30 überzeugendsten Bewerberinnen ins Programm aufgenommen.

Es bleibt viel zu tun

Die European Women’s Academy findet nunmehr das dritte Jahr in Folge statt. Der Erfolg von Teilnehmerinnen früherer EWA-Jahrgänge beweist, dass das Programm Wirkung zeigt. Dennoch bleibt weiterhin viel zu tun. Wie Bettina Stark-Watzinger, Mitglied des Deutschen Bundestags und EWA-Alumna aus dem Jahr 2016, bei ihrer Eröffnungsrede der zweiten Session sagte: „Um wirklich etwas zu ändern, brauchen wir eine kritische Masse an Frauen in der Politik“.

Der Weg, wirkliche Chancengleichheit in der Politik zu erreichen, ist also noch lang. Deshalb soll die Women’s Academy auch im nächsten Jahr weitergeführt werden, um so dem Ziel, die gläserne Decke zu durchbrechen, wieder ein Stückchen näher zu kommen.

Johanna Hans ist Referentin für Europäischen und Transatlantischen Dialog der Stiftung in Potsdam.

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