Why Europe

Wie zwei Stipendiaten die Liebe zu Europa neu entfachen wollen

Nachricht13.11.2017
Europa, Liebe
"Europa ist ein einzigartiges Projekt. Allein der Friede ist keineswegs selbstverständlich, wenn man in Europas Geschichte zurückblickt oder heutzutage den Blick über Europa hinaus schweifen lässt."iStock / orenzoantonucci

"Europa ist ein einzigartiges Projekt", finden Hans-Christoph Schlüter (23 Jahre alt, Wirtschaftswissenschaften) und Benedikt Kau (21 Jahre alt, Liberal Arts and Sciences). Wie die zwei Stipendiaten der Friedrich-Naumann-Stiftung mit ihrem vor einem Jahr gegründeten Projekt WhyEurope für die europäische Idee begeistern wollen, erzählen sie auf freiheit.org. Inzwischen stehen über 20 Köpfe hinter dem Projekt. Die Studenten glauben an die europäische Idee und wollen die Zukunft Europas konstruktiv diskutieren. Dazu bietet WhyEurope als gemeinnützige unabhängige Organisation Plattformen in den sozialen Netzwerken Facebook, Twitter und Instagram. Ziel: eine neue Vision von Europa.

Herzlichen Glückwunsch, WhyEurope ist gerade ein Jahr alt geworden. Wie kamt ihr auf die Idee, WhyEurope zu gründen, was treibt euch an, warum dachtet ihr, „unser Projekt wird gebraucht“?

Benedikt: Vielen Dank! Vor einem Jahr haben wir viel über den aufkeimenden Rechtspopulismus in Europa diskutiert. Dazu kam die zunehmende Bedrohung durch Europa-Skeptiker. Nach dem Brexit-Referendum wurde uns klar, dass wir selbst aktiv werden müssen. Populisten sind unglaublich gut darin, ihre Inhalte und Parolen zu transportieren. Wir haben uns immer wieder gefragt: Warum sind die so erfolgreich? Kann man das nicht nutzen und genau so kommunizieren? Simpel, emotional, aber pro-Europäisch? Wir sagen “ja” und auf dieser Idee basiert unser Projekt.

Hans-Christoph: Wir wollen die Vorteile von europäischer Integration aufzeigen. Grob gesagt gibt es da zwei Kategorien: Das was für alle selbstverständlich ist - Frieden zum Beispiel - und das, was kaum jemand weiß - Trinkwasser-Standards oder Fluggast-Rechte. Das möchten wir ändern, indem wir auf sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Instagram diese Vorteile simpel und emotional verbreiten. Wir möchten den Menschen zeigen, wie die EU und ein vereintes Europa positiv ihr tägliches Leben beeinflussen. Populisten mit ihren eigenen Waffen schlagen: das nennen wir Positiven Populismus.

v.l.n.r: Hans-Christoph Schlüter, Mitgründer Mirko Moser-Abt, Benedikt Kau.
v.l.n.r: Hans-Christoph Schlüter, Mitgründer Mirko Moser-Abt, Benedikt Kau.Thisiswhyeurope

Was begeistert euch an Europa so sehr und welches neue Bild wollt ihr vermitteln?

Benedikt: Europa ist ein einzigartiges Projekt. Allein der Friede, in dem wir nun in Europa zusammenleben, sollte Grund sein, das europäische Projekt zu unterstützen. Dazu kommen ein Binnenmarkt, garantierte Menschenrechte und viele viele Freiheiten. All das ist keineswegs selbstverständlich, wenn man in Europas Geschichte zurückblickt oder heutzutage den Blick über Europa hinaus schweifen lässt.

Hans-Christoph: Europa und die EU werden zu oft mit unnötiger Bürokratie assoziiert. Europa ist nicht Brüssel. Europa, das sind wir und dafür lohnt es sich einzustehen. Wir möchten ein Bild Europas vermitteln, das über EU-Institutionen weit hinausgeht. Wir möchten den Begriff wieder positiv und emotional besetzen und den Enthusiasmus vermitteln, mit dem wir dem Projekt Europa gegenüberstehen sollten. Wir sind dabei keine Marketing-Agentur der EU. Wir glauben, dass drastische Reformen notwendig sind. Genau das wollen wir mit den Menschen diskutieren: Wie soll das Europa der Zukunft aussehen? Dabei sind wir überzeugt: Es geht nur gemeinsam, die EU zerfallen zu lassen ist für uns keine Lösung.

Welche Entwicklung hat WhyEurope in den zurückliegenden Monaten genommen und wo geht die Reise noch hin?

Benedikt: Zu Beginn hätten wir nie mit der Resonanz gerechnet, auf die wir nun nach einem Jahr zurückblicken können. Inzwischen erreichen unser Inhalte zwischen 700.000 und 2,4 Millionen pro Monat. Während der Wahlen in den Niederlanden und Frankreich haben wir mit unseren Kampagnen “Blijf bij ons” und “Restez avec nous” gemeinsam mit Pulse of Europe zehntausende Menschen für Europa auf die Straßen gebracht.

Hans-Christoph: Inzwischen veröffentlichen wir unsere Inhalte auch auf Französisch, Deutsch und Ungarisch. Weitere Sprachen sind geplant. Ziel ist es immer, mehr Menschen zu erreichen, aus der pro-Europäischen Blase herauszukommen und Skeptiker mit unseren Argumenten zu erreichen.

Ein Fußball-Trikot für Europa

Aktuell wirbt "Why Europe" mit einem Fußball-Trikot für die europäische Idee. Über eine Crowdfunding-Plattform wurde das Projekt umgesetzt, für 28 Euro pro Stück sind die Trikots zu haben. Und das Projekt ist erfolgreich, im November 2017 werden 426 Europa-Trikots ausgeliefert. Die Idee dazu hatte Aaron Martin, ein begeisterter Fußballer, der sich Why Europe angeschlossen hat.