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So ticken die Russen

Eine neue Umfrage der Stiftung für die Freiheit gibt Einblicke in die Einstellung der Russen zu individueller Freiheit, Staat und Gesellschaft
Moskau
Wie denken die Russen über Freiheit? Unsere Umfrage gibt interessante Hinweise © CC BY-ND 2.0 Flickr.com/ Коля Саныч

Kurz vor den russischen Präsidentsschaftswahlen untersuchte eine Umfrage der Stiftung für die Freiheit das Freiheitsbild der Russen. 

Wladimir Putin wurde in den Präsidentschaftswahlen 2018 - wie erwartet - in seinem Amt bestätigt; der für ihn gefährlichste Gegenkandidat durfte nicht an der Wahl teilnehmen. Der spannungslose Wahlkampf bildete den traurigen Höhepunkt einer langen Phase, in der liberale Werte wie Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit kontinuierlich an Bedeutung verloren haben. In der europäischen Berichterstattung wird heftig debattiert, warum sich das russische Volk nicht gegen die illiberalen Tendenzen wehrt, die oftmals auch einen Einschnitt in die persönliche Freiheit des Einzelnen darstellen. Eine neue Umfrage der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, durchgeführt im Sommer letzten Jahres, zeigt die Einstellung russischer Bürger zu individueller Freiheit, Staat und Gesellschaft.

Die Ergebnisse zeigen, wie unterschiedlich und teilweise widersprüchlich liberale Werte und Demokratieverständnis in der russischen Gesellschaft verankert sind: Wirtschaftliche Freiheit weiß eine Mehrheit nicht zu schätzen. Im Gegenteil: 52 Prozent möchten die Präsenz ausländischer Unternehmen in Russland gerne beschränken; 58 Prozent würden sogar Importe aus dem Ausland weiter begrenzen. Der These, dass die Schulleitung auf Wunsch des Elternrats den besten Lehrer aufgrund seiner Homosexualität suspendieren soll, stimmten 73 Prozent der Befragten zu. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass es fast einem Drittel der Studienteilnehmer „egal“ oder „unwichtig“ ist, ob sie in einer Demokratie leben oder nicht.

Um abstrakte Konzepte mit Hilfe der Lebensrealitäten der Studienteilnehmer zu verbildlichen und den Faktor „Angst“ bei direkten Fragen zu vermindern, wurde bei der diesjährigen Telefonumfrage zumeist die sogenannte Vignetten-Technik angewendet. Bei Vignetten ersetzt die Zustimmung oder Ablehnung anschaulicher Kurzgeschichten eine direkte, teilweise abstrakte Frage. 

Dass das gleiche Thema durch verschiedene Fragemethoden unterschiedlich gesehen werden kann, zeigt sich beim Punkt "Meinungsfreiheit": Auf eine direkte Frage sprechen sich 70 Prozent der Befragten für eine teilweise oder totale Kontrolle der Medien aus. Gleichzeitig lehnten 53,2 Prozent ein anschauliches Szenario ab, bei dem ein Manager einen Angestellten auffordert, politisch-kritische Inhalte aus den Sozialen Medien zu löschen. 

Schon im vergangenen Jahr hatte eine vergleichbare Umfrage der Stiftung für die Freiheit interessante Aspekte offenbart. So sprachen sich damals nur 56,9 Prozent der Befragten für eine Demokratie als politisches System aus. Die Studie zeigte zudem auch, dass nur etwa die Hälfte der Befragten dazu bereit wäre Minderheitenmeinungen gegenüber Fremden zu vertreten. 

Die komplette aktuelle Studie können Sie hier herunterladen.