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Rede zur Freiheit
Rede zur Freiheit 2026: Freiheit, Wohlstand und Verantwortung neu austarieren

Prof. Veronika Grimm hält die 20. Berliner Rede zur Freiheit
Rede zur Freiheit

Prof. Dr. Veronika Grimm hält die 20. Berliner Rede zur Freiheit

© Jule Halsinger

Freiheit wirkt oft selbstverständlich – bis sie ins Wanken gerät. In der 20. Berliner Rede zur Freiheit 2026 stellte Prof. Dr. Veronika Grimm die Leitfrage des Abends in den Mittelpunkt: Wie kann Europa seine freiheitliche Ordnung in einer Welt wachsender Spannungen behaupten – politisch, wirtschaftlich und sicherheitspolitisch?

Einordnung zum Auftakt

Eröffnet wurde der Abend mit einer Begrüßung von Karl-Heinz Paqué, der den Jubiläumscharakter der 20. Rede hervorhob und daran erinnerte, dass Freiheit kein abstraktes Schlagwort ist, sondern immer wieder neu diskutiert und konkret gefüllt werden muss. Er schlug den Bogen von den Stimmen vergangener Jahre zur Gegenwart und betonte den Zusammenhang von Wirtschaft und Freiheit – als Überleitung zur wirtschaftspolitischen Perspektive von Prof. Veronika Grimm.

Freiheit beginnt beim Menschenbild

Grimm verankerte den Freiheitsbegriff im normativen Kern unserer Verfassung. Ausgangspunkt ist ein Menschenbild, das die einzelne Person ins Zentrum stellt: Der Mensch sei – mit Kant gesprochen – „Zweck an sich“ und nicht Mittel zum Zweck. Dass die Menschenwürde am Anfang des Grundgesetzes steht, sei bewusst gesetzt worden. Daraus folge nicht nur ein Anspruch auf Selbstbestimmung, sondern auch die Aufgabe, Freiheit und Würde aktiv zu schützen.

Freiheit braucht Regeln – und trägt Wohlstand

Freiheit ist für Grimm nicht nur ein moralisches Ideal, sondern auch die Grundlage gesellschaftlicher Leistungsfähigkeit. Sie griff Hayeks Gedanken auf, dass komplexe Gesellschaften nicht durch zentrale Steuerung, sondern durch dezentrale Entscheidungen am besten funktionieren. Wissen sei verteilt – und könne nur genutzt werden, wenn Menschen handeln, experimentieren, Verantwortung übernehmen dürfen. Dafür brauche es verlässliche Regeln, die Macht begrenzen und Willkür verhindern. In diesem Rahmen können Märkte Ressourcen effizient einsetzen und Wohlstand ermöglichen. Gleichzeitig gelte: Freiheit und Verantwortung gehören zusammen – etwa im Grundsatz „Eigentum verpflichtet“.

Verantwortung heißt: Folgen mitdenken

Ein zentraler Punkt ihrer Rede war die Unterscheidung zwischen Gesinnungsethik und Verantwortungsethik. Gute Absichten reichten nicht – politische Entscheidungen müssten ihre langfristigen Wirkungen berücksichtigen. Grimm nannte beispielhaft Renten-, Klima- und Migrationspolitik: Was kurzfristig plausibel wirkt, kann langfristig Zielkonflikte erzeugen und die Freiheit künftiger Generationen beschneiden. Verantwortung bedeute daher, Nebenwirkungen offen zu benennen, Perspektiven abzuwägen und auch unbequeme Entscheidungen zu treffen.

Freiheit ist nicht überall selbstverständlich – Kooperation bleibt nötig

Grimm machte deutlich, dass Freiheitsverständnisse kulturell variieren. Nicht in allen Traditionen stehe individuelle Selbstverwirklichung im Zentrum; teils würden Ordnung, Harmonie und Stabilität stärker gewichtet. Zugleich sei internationale Kooperation unverzichtbar – etwa bei Klimaschutz, Pandemievorsorge oder dem Umgang mit technologischen Risiken wie Künstlicher Intelligenz. Kooperation erfordere nicht vollständige Einigkeit, sondern die Fähigkeit, Unterschiede auszuhalten und trotzdem handlungsfähig zu bleiben.

Europas Herausforderung: Durchsetzungskraft, Technologie, Sicherheit

Besonders deutlich wurde Grimm beim aktuellen Lagebild Europas: Der Kontinent habe wirtschaftlich und technologisch an Dynamik verloren und bleibe im Wettbewerb mit USA und China zurück. Damit sinke auch die Fähigkeit, globale Regeln und Standards zu prägen. Freiheit setze mehr voraus als Überzeugungskraft: Sie sei auch eine Frage von Macht und Selbstbehauptung. Abhängigkeiten machten politisch erpressbar, technologischer Rückstand koste Gestaltungsspielraum, fehlende Verteidigungsfähigkeit schaffe neue Verwundbarkeiten. Offene Gesellschaften seien gerade wegen ihrer Offenheit anfällig für Einflussnahme und Destabilisierung – etwa durch Desinformation.

Schlussgedanke: Freiheit als Balance

Zum Ende führte Grimm die Linien zusammen: Die freiheitliche Ordnung ist kein Zustand, der „einmal erreicht“ und dann automatisch gesichert ist. Sie verlangt Realismus, Leistungsfähigkeit und die Bereitschaft, Zielkonflikte auszuhalten. Freiheit müsse immer wieder neu ausbalanciert werden – zwischen Individuum und Gemeinschaft, Offenheit und Stabilität, Überzeugung und Verantwortung. Dauerhaft bestehe sie nur dort, wo sie verstanden, getragen und geschützt wird.

Die Rede im Video

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