USA
Die Vizepräsidentin

Kamala Harris: die zweitwichtigste Person in Washington
Kamala Harris
Kamala Harris © picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Carolyn Kaster

Angesichts der historischen Bedeutung ihrer Wahl zur ersten weiblichen Vizepräsidentin der USA war es ein wenig überraschend, dass Kamala Harris in den zwei Monaten seit dem Wahltag nicht mehr eigene Momente im Rampenlicht hatte. Doch mit dem Patt im US-Senat kommt ihr als Präsidentin des Senats und Entscheiderin bei Stimmengleichheit eine weitere zentrale Rolle zu.

Mit den Siegen der Demokraten Jon Ossoff und Raphael Warnock bei den Stichwahlen zum Senat im US-Bundesstatt Georgia am 5. Januar wird Kamala Harris eines der bedeutendsten Mitglieder im Kabinett Joe Bidens werden – mehr noch als alle Vizepräsidenten vor ihr. Harris wird nicht nur die erste Frau, die erste Schwarze und die erste südasiatische Amerikanerin des Landes sein, die dieses Amt bekleidet, sondern sie wird auch in den nächsten zwei Jahren die entscheidende Stimme bei einem Patt von 50:50 sein. Republikaner und Demokraten sind mehr als jemals zuvor entlang ideologischer Linien gespalten. Das bedeutet, dass die Parteien weiterhin häufiger als Block abstimmen werden. Kamala Harris kann somit einen großen Einfluss sowohl in der Kammer als auch hinter den Kulissen haben, um die Politik der Biden-Administration voranzutreiben.

Zentrale Rolle im Senat und im Kabinett

Joe Biden hat deutlich gemacht, dass Kamala Harris seine engste politische Partnerin sein wird. Es wird erwartet, dass Harris in seinem Team eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung der zahlreichen Krisen einnehmen wird, mit denen das Land jetzt konfrontiert ist. Insbesondere wird Harris einen großen Einfluss auf die Verbesserung der Gesundheitsversorgung, die Schaffung eines Corona-Stimuluspakets und die Verringerung von Ungleichheiten in der Gesellschaft haben.

Joe Biden wird von Anfang an versuchen, überparteiliche Koalitionen aufzubauen. Dabei wird Kamala Harris eine entscheidende Rolle spielen. Ihre Erfahrung im US Senat, ihre guten Beziehungen zu ihren Kollegen und ihre Vertrautheit mit dem Prozess werden ihr dabei helfen. Als ehemalige Senatorin ist Harris auch mit den meisten Themen vertraut, mit denen Biden in den kommenden Jahren konfrontiert sein wird.

Als Vizepräsidentin kann Harris ein ungewöhnlich breites Spektrum an politischer Expertise vorweisen. Als Generalstaatsanwältin von Kalifornien wurde sie mit verschiedenen Aspekten der dringenden Debatte vertraut, die die Amerikaner über die Reform der Strafjustiz führen. Im US-Senat hat sie sich u.a. mit den Geheimdiensten, außenpolitischen und Justizfragen beschäftigt. Sie hat sich auch für die Gesetzgebung zum Klimawandel und zur Einwanderung eingesetzt. Harris wird insbesondere eine zentrale Figur sein, wenn es darum geht, farbige Gemeinden davon zu überzeugen, dem COVID-19-Impfstoff zu vertrauen, sobald er für die breite Öffentlichkeit verfügbar ist.

Symbol der Diversität

Allein die Symbolik von Harris im Weißen Haus wird bemerkenswert sein: Eine farbige Frau und Tochter von Einwanderern aus Indien und Jamaika wird als Vizepräsidentin über alle wichtigen politischen Fragen mitentscheiden. Wenn Harris am 20. Januar ins Weiße Haus einzieht, wird sie eine der höchsten “glass ceilings” (Glasdecken) des Landes durchbrechen - ein Begriff, der oft verwendet wird, um die unüberwindbaren Barrieren zu beschreiben, denen Frauen gegenüberstehen. Ihre historische Ernennung in das zweithöchste Amt der Vereinigten Staaten ist wird Generationen junger Mädchen, dazu inspirieren, hohe Führungspositionen anzustreben. Das kollektive Bild der Amerikaner, wie ein Vizepräsident aussieht und klingt, wird sich erweitern und verändern.

Harris' Wahl markiert nicht nur einen Wendepunkt für Frauen in Führungspositionen und stellt die Weichen für den Abbau von Barrieren, sondern hat auch einen enormen symbolischen Wert für die Administration. Nach vier Jahren unter einem Präsidenten, der sich auf eine parteipolitische Strategie verlassen hat, die in erster Linie auf weiße Männer abzielt, repräsentiert die erste schwarze Frau im Amt, wie die Zukunft in den USA aussieht – weitaus vielfältiger als in der Trump-Welt. Harris wird nicht nur einen starken Kontrast zu den letzten vier Jahren bilden, sondern auch ein Symbol dafür sein, dass die Demokratische Partei sich mit einer Nation bewegt hat, die in den letzten Jahrzenten einen signifikanten demografischen Wandel erlebt hat.

Anders als in der Vergangenheit, in der sich einige Vizepräsidenten weitgehend aus der Öffentlichkeit heraushielten, hat Harris jetzt die Möglichkeit ihr öffentliches Profil zu verstärken, um sich weiter für eine zukünftige Präsidentschaftskandidatur zu positionieren. Biden, der der älteste Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten ist, wird weithin als eine Übergangsfigur angesehen, und dies könnte Harris' Gelegenheit sein, sich als die Zukunft der Demokratischen Partei zu zeigen. Aber Harris muss gleichzeitig Spannungen mit Biden vermeiden, der noch nicht entschieden hat, ob er in vier Jahren wieder kandidieren wird.

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