Wohnungsmarkt
Was ein Mietendeckel für den Wohnungsmarkt bedeuten würde
Der Wohnungsmarkt steckt in einer tiefen Krise. Zum ersten Mal seit rund 15 Jahren dürfte die Zahl der Fertigstellungen dieses Jahr wieder unter die Marke von 200.000 Wohnungen rutschen. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach Wohnraum gerade in den Städten hoch. Die Folgen spüren viele Menschen direkt: steigende Mieten und eine immer schwierigere Wohnungssuche.
In dieser Situation wirken Rufe nach einem Mietendeckel zunächst verlockend. Die SPD fordert nun, den Ländern die Einführung eines Mietendeckels zu ermöglichen. Doch genau dieses Szenario hat ein Gutachten des IW Köln im Auftrag der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit bereits untersucht – mit alarmierenden Ergebnissen.
Mietendeckel könnte Angebot um 60 Prozent reduzieren
- Würde man die geltende Mietpreisbremse nach dem Vorbild des Berliner Mietendeckels verschärfen, könnte die Zahl der inserierten Mietwohnungen bundesweit zeitweise um über 60 Prozent einbrechen.
- Weniger Angebot würde die Wohnungssuche insbesondere für Familien und Menschen mit niedrigen Einkommen erheblich erschweren.
- Gleichzeitig würden Investitionen in Neubau und Sanierungen zurückgehen. Gerade mit Blick auf die notwendigen Investitionen in einen klimaneutralen Gebäudebestand wäre dies problematisch.
Für die Forscher des IW Köln zeigen die Ergebnisse des Gutachtens, „dass Mietpreisregulierungen letztlich keine Lösung für die Anspannung des Wohnungsmarktes sein können. Eine weitere Verschärfung von Mietpreisregulierungen würde vielmehr zu einer weiteren Angebotsverknappung führen.“
Stattdessen braucht es echte Lösungen für den Wohnungsmarkt, die Angebot und Nachfrage besser in Einklang bringen können. Laut den Forschern gibt es in vielen Städten durch Nachverdichtungen, Aufstockungen und Dachausbauten noch immer erhebliche Potenziale für zusätzlichen Wohnraum. Gleichzeitig sollten die Wechselwirkungen zwischen Stadt und Land stärker in den Blick genommen werden. Gerade in den Umland- und ländlichen Gemeinden bietet sich für viele Haushalte die Chance, günstiger zu wohnen und selbst Eigentum zu erwerben. Dafür braucht es allerdings eine funktionierende Infrastruktur mit schneller Internetverbindung, ärztlicher Versorgung und Zugang zu allen Schulformen.
Fazit: Wohnungsmangel löst man nicht durch weniger Wohnungen
Die Ergebnisse des Gutachtens zeigen eindeutig: Die Probleme auf dem Wohnungsmarkt sind real. Doch Wohnungsmangel löst man nicht durch weniger Wohnungen. Eine weitere Verschärfung von Mietpreisregulierungen würde das Wohnungsangebot verknappen, Investitionen erschweren und die Wohnungssuche gerade für Familien und Menschen mit niedrigen Einkommen zusätzlich verschärfen. Statt immer stärker in Preise einzugreifen, braucht es deshalb echte Lösungen für den Wohnungsmarkt: weniger Bürokratie beim Bauen, mehr Bauland und schnellere Genehmigungsverfahren. Nur wenn Angebot und Nachfrage wieder besser zusammenfinden, kann Wohnen langfristig bezahlbarer werden.