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Olympia-Bewerbung
Olympisches Feuer für Berlin

Wie die Hauptstadt die Chancen einer Olympia-Bewerbung nutzen kann
Olympia-Veranstaltung im Beach Mitte Berlin

Olympia-Veranstaltung im Beach Mitte Berlin

© FNF

Wie könnte eine Olympia-Bewerbung Berlin wirklich voranbringen – jenseits von Symbolik und Sportromantik? Dieser Frage widmete sich am 21. Mai 2026 die Veranstaltung „Olympisches Feuer für Berlin? Wie Berlin die Chancen einer Olympia-Bewerbung nutzen kann“ im Beach Mitte in Berlin. Inmitten inspirierender Sportanlagen etwa für Freeclimbing, Beachvolleyball oder Tischtennis brachte die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit Sport, Politik und Verwaltung zusammen, um offen über Potenziale und Herausforderungen einer möglichen Bewerbung für 2036, 2040 oder 2044 zu diskutieren.

Im Mittelpunkt stand die Überzeugung: Olympische und paralympische Spiele können ein Gewinn für Berlin sein, wenn sie nachhaltig, kosteneffizient und mit einem klaren Nutzen für die Berlinerinnen und Berliner geplant werden – etwa durch langfristige Verbesserungen bei Infrastruktur, Mobilität, Sportstätten und im Breitensport.

Drei Olympiasieger und der DOSB-Vorsitzende werben für Olympia

Es diskutierte ein prominent besetztes Podium, darunter gleich drei Olympiasieger aus Berlin:

  • Otto Fricke, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

  • Peter Langer, Generalsekretär der FDP Berlin

  • Kaweh Niroomand, ehrenamtlicher Olympiabeauftragter des Berliner Senats

  • Natascha Keller, Hockey-Olympiasiegerin (Athen 2004)

  • Ronald Rauhe, Kanu-Olympiasieger (Athen 2004, Tokio 2020)

  • Kristina Vogel, zweifache Olympiasiegerin im Bahnradsport (London 2012, Rio 2016)

V. l. n. r.: Kaweh Niroomand, Ronald Rauhe, Peter Langer, Natascha Keller, Otto Fricke, Kristina Vogel, Caroline Labes

V. l. n. r.: Kaweh Niroomand, Ronald Rauhe, Peter Langer, Natascha Keller, Otto Fricke, Kristina Vogel, Caroline Labes

© FNF

Die Gesprächsrunde machte deutlich, wie breit das Spektrum der Erwartungen an eine Bewerbung ist: von der Frage nach tragfähigen Finanzierungs- und Nutzungskonzepten über die Einbindung vorhandener Sportstätten bis hin zur Rolle von Olympia als möglichem Katalysator für Stadtentwicklung und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

„Olympische Spiele gehören in die Hauptstadt!“

Für Kristina Vogel steht in dieser Debatte unmissverständlich fest: „Olympische Spiele gehören in die Hauptstadt!“ – ähnlich wie es in Frankreich mit Paris oder in Japan mit Tokio eine Selbstverständlichkeit sei. Dass eine solche Bewerbung jedoch eine große, übergeordnete Vision brauche, betonte Peter Langer. Er forderte, die 2030er Jahre zu einem „Erfolgsjahrzehnt“ für Berlin und ganz Deutschland zu machen – etwa durch die Verknüpfung der Weltausstellung 2035, möglicher Spiele 2036 und dem 800. Stadtgeburtstag im Jahr 2037. Eine solche Vision vermisste Langer in den Plänen des Senats. Kaweh Niroomand verteidigte hingegen das aktuelle Konzept. Es zeichne sich gerade dadurch aus, dass es durch die nahezu vollständige Nutzung bestehender Sportstätten im Gegensatz zu den Plänen der anderen Bewerberstädte tatsächlich nachhaltig sei und im Kern ein riesiges Modernisierungsprojekt für die Stadt darstelle.

Unterschiedliche Ansichten gab es über die richtige Symbolik auf dem Weg zu den Spielen. Während Langer den geplanten Bau einer „goldenen Brücke“ über das Brandenburger Tor als falsche Priorität kritisierte, sah Ronald Rauhe darin ein essenzielles, verbindendes Symbol zwischen Ost und West, 50 Jahre nach der Wende. Rauhe mahnte zudem an, bei einem nationalen Auswahlverfahren unterlegene Regionen rechtzeitig und sensibel einzubinden, damit diese die finale Sieger-Region am Ende nicht demotiviert zurücklassen, sondern voll unterstützen.

„Olympia sollte uns was wert sein“

Beim Thema Finanzierung und Infrastruktur sprach sich Otto Fricke klar für die olympischen Investitionen aus. Ohne diese Gelder, so seine Warnung, würden Randsportarten von den medialen Schwergewichten wie Fußball oder in den USA American Football, Baseball und Eishockey schlichtweg erdrückt. Um die Kosten für die öffentliche Hand abzufedern, plädierte Langer dafür, bei der Infrastrukturentwicklung stärker auf Public-Private-Partnerships zu setzen. Am Beispiel der Internationalen Gartenschau in Marzahn habe sich bereits gezeigt, wie nachhaltig solche Investitionen – etwa in Seilbahnen, sanierte Straßen und neue U-Bahnhöfe – wirken können. Selbst bei einer angespannten Haushaltslage gelte für ihn: „Schöne Dinge kosten Geld. Und das sollte es uns am Ende wert sein.“

v. l. n. r.: Ronald Rauhe, Otto Fricke, Natascha Keller, Peter Langer, Caroline Labes, Hilmar Sattler, Kristina Vogel, Georg Mannsperger, Kaweh Niroomand

v. l. n. r.: Ronald Rauhe, Otto Fricke, Natascha Keller, Peter Langer, Caroline Labes, Hilmar Sattler, Kristina Vogel, Georg Mannsperger, Kaweh Niroomand

© FNF

Olympia wirkt inklusiv

Wie Olympia konkret in die Gesellschaft und den Nachwuchssport hineinwirken kann, unterstrichen Natascha Keller und Kristina Vogel. Für Keller liegt der größte Gewinn für Kinder und Jugendliche in der Sichtbarkeit. Wenn diverse Sportarten alle vier Jahre im Fernsehen präsent sind und die Olympioniken anschließend wieder als Vorbilder ins Vereinsleben zurückkehren, motiviere das den Nachwuchs enorm, selbst aktiv zu werden. Vogel und Langer hoben zudem das Potenzial der Paralympics für das Thema Inklusion hervor. Am Beispiel des Velodroms, das zwar für Zuschauer, aber aktuell nicht für Athleten barrierefrei ist, zeige sich der Nachholbedarf der Stadt. Paralympische Spiele, da waren sich beide einig, könnten als starker Katalysator für den Ausbau der Barrierefreiheit wirken.

Die Stadtgesellschaft einbinden

Akzeptanz für ein solches Großprojekt entsteht nur, wenn Planung und Entscheidungsprozesse transparent sind und die Stadtgesellschaft frühzeitig beteiligt wird. An diesem zentralen Punkt war sich die Runde am Ende einig.
 

Beim anschließenden Networking wurde die Debatte in vielen Einzelgesprächen vertieft – ganz im Sinne des Abends: Olympia als Anlass zu nehmen, um über konkrete Verbesserungen für Berlin zu sprechen.

Die Veranstaltung wurde aus Mitteln der Berliner Landeszentrale für politische Bildung gefördert.

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