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Malaysia
Chinas und Russlands Kampagnen im Ausland

Der scheinbare Erfolg autoritärer Regime nährt Zweifel an der Demokratie. Zwei Studien im demokratischen Malaysia zeigen, wie Chinas und Russlands Propaganda wirkt.
CRC Survey

Cyfluence's report (from page 25)

© Cyfluence Research Center

Die Studie des Merdeka Centers (MC) basiert auf einer landesweiten Umfrage zur Wahrnehmung globaler Entwicklungen. Die zweite Studie des Cyfluence Research Centers (CRC) analysiert dazu techno-soziale Bedrohungsinformationen sowie digitale Einflussvektoren (kurz: FIMI). Beide wurden von der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Auftrag gegeben.

Gutes Image: Russland nutzt Vertrauen in inländische Medien aus

Ein erstaunlicher Befund: 47% der Malaysier betrachten Russland als zuverlässigen verteidigungs- und sicherheitspolitischen Partner. Dies obwohl für den Abschuss der malaysischen Passagiermaschine MH17 im Jahr 2014 Russland verantwortlich war. Die Mehrheit der Befragten bezweifelt dies aber. Grund dafür ist effektive, russische Staatspropaganda in Malaysia.

Malaysier sind eigentlich kritische Medienkonsumenten und sind gegenüber ausländischen Medien besonders skeptisch. Deshalb transportieren Russland und auch China ihre Inhalte geschickt über vertrauenswürdige, inländische Kanäle, z. B. über die nationale Nachrichtenagentur Bernama, die Kooperationsverträge mit Sputnik, TV BRICS und Rossiya Segodnya hat und von Medientrainings in Russland profitiert.

Russland setzt in seiner Erzählweise auf die verbale Verharmlosung des MH17 Abschusses als „Tragödie“. Außerdem schafft es Moskau mit anti-kolonialer Rhetorik ein positives Image zu kultivieren und von kritischen Themen abzulenken. Dies geschieht unter anderem mit geopolitischer Symbolpolitik: Die russische Botschaft stellt die „angloamerikanische Achse“ als Risiko für Malaysias langfristige Sicherheit und Souveränität dar und bietet sich und BRICS als Alternative an.

Das geschickte Ablenkungsmanöver von den eigenen militärischen Übergriffen wirkt: nur 18 % der Befragten sehen die Verantwortung für die Invasion der Ukraine bei Russland, während fast 30 % den USA die Schuld geben. Auch sind 55 % der Befragten der Meinung, dass westliche Medien China und Russland auf unfaire Weise schlecht machen. Für Europa ist dieses Ergebnis besorgniserregend, denn Europa braucht international Verbündete, um den Druck auf Russland aufrechtzuerhalten.

China setzt auf langfristiges Vertrauen

China verwendet ein etwas anderes Drehbuch als Moskau: es nutzt einen beziehungsorientierten Anker und setzt vermehrt auf Soft-Power Instrumente wie Studienaustausche oder Journalistentrainings. Ziel ist es, über viele Kanäle Vertrauen aufzubauen. Peking setzt sich selber in ein positives Licht, als modern und partnerschaftsorientiert. Neben chinesisch-sprachigen Zeitungen nutzt es dafür digitale Kommunikationskanäle auf drei Ebenen: soziale Medien der Staatsmedien (z. B. Xinhua), mehrsprachige Botschafts-Accounts und hyperaktive, unechte Profile, die unabhängige Analysen vortäuschen.

Dieses Vorgehen führt dazu, dass 75 % der Befragten China nicht nur als Wirtschaftspartner vertraut, sondern sich auch 56 % von Chinas Entwicklungsmodell inspiriert fühlen. Die chinesische, staatlich gelenkte Marktwirtschaft unter autokratischer Führung erscheint erfolgsversprechend. Unterstützt wird Chinas Image als stabiler Partner durch die eigene Demontage der außenpolitischen Glaubwürdigkeit der USA unter Donald Trump.

Den stillen Zweifeln an der Demokratie entgegen wirken

Dabei sind laut der Studie von MC demokratische Werte unter Malaysiern tief verwurzelt. Die Mehrheit der Befragten sind überzeugt, dass Russlands und Chinas autoritäre Systeme keine nützliche Alternative zur demokratischen Regierungsführung darstellen. Allerdings zeigen sich ca. 1/3 der Befragten in bestimmten Situation gegenüber autokratischem Regierungshandeln offen. Es ist zu befürchten, dass das aufpolierte Image Chinas dazu betragen wird, dass komplizierten demokratischen Prozessen weniger Verständnis entgegengebracht wird und damit der Zuspruch zu autokratischen Regierungsformen wächst.

Deutschland und Europa stehen ebenfalls vor Desinformationskampagnen, die durch KI künftig noch gefährlicher werden. Digitale Meinungsmache ist besonders anfällig für Propaganda. Deshalb sind Medienkompetenztrainings, Fact Checking und politischer Bildung wichtiger als je zuvor. Auch dem Transport von Chinas und Russlands Narrativen durch den einheimischen Medienmarkt in Europa sollte stärker ein Riegel vorgeschoben werden.

Europa braucht mehr eigenständiges Profil

Bislang spielt Europa in der öffentlichen Wahrnehmung Malaysias eine untergeordnete Rolle, weit hinter China und den USA. Europa wird von Malaysiern ähnlich positiv wahrgenommen wie Russland, zeigen die Daten. Europas Stellung ist oft gleichbedeutend mit dem „Westen“ und wird als Nebenprodukt amerikanischer Politik angesehen. Diese Wahrnehmung erweist sich angesichts der Rücksichtslosigkeit der aktuellen US-Außenpolitik als kostspielig. Denn Malaysier stehen einer engen Beziehung zu den USA zunehmend skeptisch gegenüber.

Europa muss ein deutliches, glaubwürdiges Profil entwickeln, mahnt der Politikwissenschaftler Dr. Benjamin Barton von der Universität Nottingham Malaysia in seiner Analyse der Studienergebnisse. Denn auch Malaysia benötigt alternative Partner für Diversifizierung und Risikostreuung, um sich vor einer zu großen Abhängigkeit von China zu schützen. Das neue bilaterale Freihandelsabkommen zwischen der EU und Malaysia, dessen Verhandlungen momentan wieder aufgenommen wurden, bietet dafür eine hervorragende Chance.

*Katrin Bannach leitet die Arbeit der der Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit in Malaysia und Indonesien.

  • Digital Influence Vectors in Malaysia

    Digitale Einflussvektoren in Malaysia

    Dieser Bericht untersucht, wie ausländische Informationsmanipulation und Einmischung (FIMI) in der malaysischen Medienlandschaft funktionieren. Auf Grundlage von Informationen zu Bedrohungen und Umfragedaten wird die Architektur hinter den Narrativkampagnen Chinas und Russlands aufgezeigt – von staatlichen Mediennetzwerken und diplomatischen Social-Media-Kanälen bis hin zu lokalen Stellvertretern und vertrauenswürdigen inländischen Nachrichtenmedien. Auch wenn Malaysia keinen autoritären Wandel durchläuft, legt der Bericht eine anhaltende, strukturell verankerte Konfrontation mit antiwestlichen Narrativen offen und entwickelt Empfehlungen, wie Zivilgesellschaft und politische Entscheidungsträger darauf reagieren sollten.

  • FNF Perception Study on China and Russia

    Nationale Umfrage zur Wahrnehmung von Geopolitik und regionalen Themen in Malaysia

    Auf der Grundlage einer landesweit repräsentativen Umfrage unter 1.203 Malaysiern untersucht diese Studie, wie Malaysier auf Informationen zugreifen, globale Entwicklungen interpretieren und sich ihre Meinung über Großmächte wie China und Russland bilden. Das zentrale Ergebnis: Der Zugang zu Informationen allein bestimmt nicht die öffentliche Meinung. Vielmehr sind Vertrauen, räumliche Nähe und persönliche Erfahrungen die tiefer liegenden Kräfte, die die Bewertung fremder Länder prägen. China wird auf Basis direkter Kontakte und wirtschaftlicher Vertrautheit beurteilt, während Russland weitaus distanzierter und abstrakter bleibt. Der Bericht beleuchtet zudem inwieweit Malaysier weiterhin davon überzeugt sind, dass Demokratie für Malaysia die beste Regierungsform ist.

  • Europa und Malaysia: Der Bedrohung durch die chinesische und russische Narrative entgegenwirken

    Europa und Malaysia: Der Bedrohung durch die chinesische und russische Narrative entgegenwirken

    Dieses Strategiepapier stützt sich auf die Ergebnisse beider Studien und kommt zu dem Schluss, dass Europa und Malaysia mit auffallend ähnlichen Bedrohungen konfrontiert sind: der Aushöhlung der demokratischen Widerstandsfähigkeit durch die Verbreitung autoritär geprägter Narrative. Dr. Barton vertritt die Auffassung, dass Deutschland und Europa sowohl ein strategisches Interesse als auch eine echte Chance haben, ihre Beziehungen zu Malaysia zu vertiefen. Nicht durch einen Wettbewerb mit China und Russland zu deren Bedingungen, sondern durch die Wiederbelebung öffentlicher Diplomatie und Soft Power, um eine glaubwürdige demokratische Alternative anzubieten.