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Wirtschaft
Wie Deutschland wieder dynamisch wird

Innovation braucht Mut und Kapital
Made in Germany

Symbolbild Made in Germany

© picture alliance / imageBROKER | Udo Herrmann

In Deutschland fehlt es jungen Unternehmensgründern selten an Mut und Wagnis, es fehlt an Kapital. Oder anders gesagt: Warum ist ein reiches Land wie Deutschland nicht in der Lage, jungen, innovativen Unternehmen mehr Kapital zur Verfügung zu stellen?

Die Ergebnisse einer jüngst veröffentlichten Studie des Branchenverbands bitkom sind ein Alarmsignal. Nur 17 Prozent der Start-ups in Deutschland halten das Angebot an Venture Capital für ausreichend. Jedes vierte junge Unternehmen denkt sogar darüber nach, Deutschland wegen fehlender Finanzierungsmöglichkeiten zu verlassen. Besonders aufschlussreich ist noch eine andere Zahl aus der Umfrage: 74 Prozent der Gründerinnen und Gründer würden ihr Kapital am liebsten von deutschen Investoren erhalten. Warum aber finden junge Unternehmen und Investoren in Deutschland so schwer zusammen?

Hauptverantwortlich sind die politischen Rahmenbedingungen. Versicherungen, Pensionskassen und andere institutionelle Anleger verwalten erhebliche Vermögen, mehr als 2,8 Billionen Euro. In Start-ups investieren sie aber nur 400 Millionen. In anderen Ländern sind sie wichtige Kapitalgeber für Start-ups. In Deutschland stoßen sie auf regulatorische und steuerliche Hürden. Die Folge: Kapital fließt seltener in junge Wachstumsunternehmen und Fonds weichen häufig auf Standorte wie Luxemburg aus.

Deutschland fesselt sich so selbst: Junge Unternehmen suchen Kapital, während gleichzeitig große Kapitalbestände nur begrenzt den Weg in innovative Wachstumsunternehmen finden.

Der Bundesregierung sollte das Problem bewusst sein. Schon Bundesfinanzminister Christian Lindner legte im Rahmen der Wachstumsinitiative der letzten Bundesregierung 2024 ein Konzept zum Abbau der steuerlichen Nachteile von Investitionen in Wagnis-Kapital-Fonds vor. Im Kern ging es darum, mehr privates Kapital für junge Wachstumsunternehmen zu mobilisieren. Nicht durch neue Förderprogramme oder die nächste Start-up-Offensive, sondern durch bessere Rahmenbedingungen für Investoren.

Die Regierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz müsste das Rad also nicht neu erfinden. Die Vorschläge liegen längst auf dem Tisch. Das vielleicht stärkste Argument für eine Reform: Sie kostet den Staat nicht neues Geld. Der Staat müsste kein neues Kapital bereitstellen, geschweige denn Schulden aufnehmen. Er müsste lediglich Hindernisse abbauen, die Investitionen in junge Wachstumsunternehmen heute noch unnötig erschweren.

Unsere Soziale Marktwirtschaft lebt davon, dass Kapital dorthin fließen kann, wo Ideen entstehen und Risiken eingegangen werden. Wenn staatliche Regeln diesen Prozess unnötig erschweren, leidet nicht nur die Finanzierung einzelner Start-ups. Es leidet die Innovationsfähigkeit des gesamten Standorts Deutschland, die Arbeitsplätze und das Wachstum von morgen können nicht entstehen.

Die Debatte über Wagniskapital wird häufig so geführt, als fehle Deutschland das Geld. Tatsächlich fehlt oft etwas anderes: Rahmenbedingungen, die dafür sorgen, dass Kapital und Innovation zusammenfinden. Genau darum geht es auch in der aktuellen Kampagne „Für eine neue Gründerzeit, jetzt“ auf Initiative des Startup-Verbands, in der über 100 Gründerinnen und Manager eine Reform des Standorts Deutschland mit konkreten Reformideen fordern.

Es ist eine politische Entscheidung. Und damit auch eine, die sich schnell treffen lässt.