Pressefreiheit

"Stirbt die Pressefreiheit, so stirbt auch die Demokratie"

Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit veranstaltet Expertenrunde zum Thema Pressefreiheit

Nachricht02.05.2019Julia Gresförder
Pressefreiheit
Düzen Tekkal (von links), Linda Teuteberg, Michael Obert und Philipp Welte diskutieren mit Cerstin Gammelin über die Pressefreiheit.Frank Nürnberger

Zum Internationalen Tag der Pressefreiheit am 3. Mai diskutierten Linda Teuteberg MdB, neue Generalsekretärin der FDP; Philipp Welte, Vorstand Hubert Burda Media; Journalistin Düzen Tekkal sowie Auslandsjournalist Michael Obert über den Wert einer freien Presse. 

„Gerade in Zeiten von Social Media müssen Journalisten immer mit Gegenreaktionen rechnen. Das bedeutet, Journalisten müssen stark sein – immer und jederzeit. Aber es war auch noch nie so wichtig wie jetzt, Journalist zu sein“, erklärt Journalistin Düzen Tekkal. Sie selbst kämpft täglich im Namen der Pressefreiheit. 

Düzen Tekkal ist nicht nur Journalistin, sie kämpft auch für die Menschenrechte: „Es gibt leider nicht nur Länder wie Deutschland oder Schweden, in denen die Presse frei agieren kann, oder Länder, in denen die Presse gar nicht frei ist, leider gibt es auch Länder wie Polen, in denen die Presse mürbe gemacht wird“, erklärt sie. 

In Europa entstehen gerade in den Sozialen Netzwerken zu viele Feindbilder, die oft Grund für Kriege sind. Journalisten müssen mit Fakten und gut recherchierten Beiträgen dagegenhalten. „Social Media kontrolliert Journalismus, aber wir müssen darauf achten, dass wir durch diese Kontrolle nicht den Mut verlieren, zu berichten. Wir müssen mutig sein und hinterfragen“, erklärt Düzen Tekkal. Journalisten haben eine Verantwortung, der man auch gerecht werden müsse. Darin waren sich alle Experten einig.

Bedrohung im Netz nimmt enorme Formen an

Auslandsjournalist Michael Obert möchte Menschen eine Stimme geben, die nicht gehört werden oder unsichtbar bleiben. „Beispielsweise die Flüchtlinge in Libyen, die dort mehr oder weniger gefangen sind“, sagt Michael Obert. Allerdings merke er durch die enge Vernetzung auch die Auswirkungen auf seine Berichterstattung. „Vor 20 Jahren bin ich an einen Ort gefahren, habe dort eine Geschichte gemacht und sie in Deutschland veröffentlicht. Die Menschen vor Ort haben nicht erfahren, was geschrieben wurde. Das ist in Zeiten des Internets anders. Die Menschen werden dann teilweise bedroht.“ Auch er selbst habe schon „Besuch vor der Haustür“ gehabt. „Da wollten einige Personen die Namen von meinen Informanten haben“, erklärt Michael Obert.

Die Bedrohung durch Regime nehme insbesondere im Netz enorme Formen an. Selbst für eine differentzierte Berichterstattung werde er mittlerweile bedroht.

Linda Teuteberg, neue Generalsekretärin der FDP, verdeutlichte daraufhin noch einmal die Wichtigkeit des öffentlichen Diskurses für eine demokratische Gesellschaft. „Eine freie Presse ermöglicht diesen öffentlichen Diskurs. Daher wäre ein Angriff auf Pressefreiheit auch ein Angriff auf unsere offene und demokratische Gesellschaft“, erklärt die FDP-Generalsekretärin. Wichtig sei daher einerseits, Medienkompetenzen für alle zu fördern, andererseits müssten sich die Medien auch selbst neu erfinden.

Die Demokratie sei weltweit unter Druck. Die Freiheit der Presse zu bewahren, stelle jeden vor eine Herausforderung.

Das sieht Philipp Welte, Vorstand Hubert Burda Media und VDZ Vize-Präsident, ähnlich. „Wir wissen um den Zusammenhang von Pressefreiheit und Demokratie. Die Freiheit der Presse ist aber leider mittlerweile auch in der EU gar nicht mehr so selbstverständlich, wie man ja in Ungarn oder Italien sieht.“ Journalisten müssen weltweit um ihr Leben fürchten, wenn sie ihrer Arbeit nachgehen – auf der bedingungslosen Suche nach der Wahrheit.

Zudem, da war sich die Expertenrunde einig, erfreuen sich – zum Leidwesen aller – Falschmeldungen einer großen Resonanz. „Wir Verlage übernehmen eine Verantwortung über die von uns publizierten Inhalten, das macht Facebook nicht. Facebook lehnt die Verantwortung ab – will aber trotzdem Inhalte verbreiten. Das geht so nicht“, erklärt Philipp Welte.

„Der Kampf um die Freiheit habe begonnen. „Unsere Arbeit ist unverzichtbar, wenn wir Freiheit und Demokratie wollen. Der Tag an dem wir aufhören zu arbeiten, ist der Tag, an dem die Freiheit stirbt“, resümierte Welte die Expertenrunde.

Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), die Allianz SE und die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit haben die Veranstaltung am 30. April organisiert. Moderiert wurde die Veranstaltung von der stellvertretenden SZ-Parlamentsbürochefin, Cerstin Gammelin.