Costa Rica
Costa Rica: Die ersten 100 Tage unter der neuen Regierung von Laura Fernández
Marielos Alfaro
Institut für Entwicklung, Umwelt und Freiheit, Costa Rica
Vizepräsidentin von RELIAL 2022–2024
Hundert Tage nach Amtsantritt genießt Präsidentin Laura Fernández Delgado weiterhin breite Unterstützung in der Bevölkerung. Ihr politisches Versprechen: das von Rodrigo Chaves vorangetriebene politische Projekt fortzuführen. Die folgende Analyse beleuchtet die wichtigsten Entwicklungen der ersten 100 Tage, mit besonderem Augenmerk auf Regierungsführung, das Verhältnis zwischen den Staatsgewalten, Sicherheit und die wirtschaftlichen Herausforderungen, vor denen Costa Rica steht.
1. Eine Regierung der Kontinuität
Das Regierungsprogramm, das Laura Fernández Delgado den Wählern während des Wahlkampfs 2026 in Costa Rica vorstellte, hatte eine klare und eindeutige Botschaft: mehr Chancen, ein gemeinsamer Kurs – kurz: ein „Plan der Kontinuität“. Während des gesamten Wahlkampfs 2026 stellte Fernández Delgado den Wählern die Vorteile einer Fortsetzung der Projekte dar, die die Regierung von Rodrigo Chaves Robles im Zeitraum 2022–2026 entwickelt hatte, und vor allem die Notwendigkeit, „die Korruption im Staatsapparat weiter zu bekämpfen, die sich im Land aufgrund des anhaltenden Machthaltens traditioneller Parteien etabliert hat“. Laura Fernández Delgado gehörte vor ihrer Präsidentschaft zum Regierungsteam des ehemaligen Präsidenten Chaves Robles, zunächst als Ministerin für nationale Planung und Wirtschaftspolitik und später als Ministerin im Präsidialamt.
Chaves Robles trat bei den Wahlen 2022 mit dem Versprechen an, die Macht der traditionellen politischen Parteien zu brechen, die den Bedürfnissen der Bürger nicht gerecht geworden seien. Seine politische Botschaft verhalf ihm dazu, sich in der ersten Runde der Wahlen 2022 als zweitstärkste politische Kraft zu positionieren. Im zweiten Wahlgang bekräftigte er seine Forderung, die traditionellen politischen Kräfte aus der Regierung zu verdrängen und gewann die Wahlen mit 52,82 % der Stimmen.
Zu Beginn des Wahlkampfs 2026 trat die von Präsident Chaves Robles geführte politische Gruppierung als „Partido Pueblo Soberano“ (PPSO) an. Im August 2025 bestätigte sie offiziell Laura Fernández Delgado als ihre Präsidentschaftskandidatin.
2. Warum auf Kontinuität als Wahlkampfstrategie setzen?
Umfragen während der Amtszeit des ehemaligen Präsidenten Rodrigo Chaves Robles zeigten seine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung. Laut Umfragen des Instituts CID Gallup verzeichnete Chaves Robles Anfang 2024 Zustimmungswerte von rund 64 %, während spätere Erhebungen im Jahr 2025 ergaben, dass etwa 65 % der Befragten seine Amtsführung als gut oder sehr gut bewerteten. Eine Meinungsumfrage zum Ende seiner Amtszeit ergab, dass 75 % der Befragten die Arbeit des Präsidenten gutheißen. Damit zählt der ehemalige Staatschef zum Ende einer Amtszeit zu den am besten bewerteten politischen Persönlichkeiten der letzten Jahre in Costa Rica. Ein großer Teil der Bevölkerung sieht in der Wirtschaftspolitik und der Haushaltsdisziplin die größten Erfolge der Regierung von Chaves Robles. Gleichzeitig bleibt die Sicherheitslage die von der Bevölkerung am häufigsten genannte Herausforderung. Diese Popularität und Unterstützung der Vorgängerregierung durch die Bevölkerung nutzte Laura Fernández Delgado im Wahlkampf 2026, in dessen Verlauf sie versicherte, dass sie im Falle eines Wahlsiegs den ehemaligen Präsidenten Chaves Robles an ihrer Seite in der Exekutive behalten würde. Dieses Wahlversprechen verwirklichte sie als Präsidentin und ernannte Chaves Robles zum Minister des Präsidialamtes, zum Finanzminister und zum Koordinator des Wirtschaftskabinetts – ein klares Zeichen für den Einfluss, den der ehemalige Präsident auf die politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen der aktuellen Regierung nach wie vor hat.
Bei der Wahl 2026 kam Präsidentin Fernández Delgado auf insgesamt 1.243.141 Stimmen, während Chaves Robles in der Stichwahl 2022 1.035.388 Stimmen auf sich vereinen konnte. Der Stimmenzuwachs von 20 % (207.753 Stimmen) zeigt, dass die auf politische Kontinuität ausgerichtete Wahlkampagne erfolgreich war.
Der ehemalige Präsident Chaves Robles hat die Regeln der politischen Kommunikation in Costa Rica nachhaltig verändert. Sein konfrontativer, offener und direkter Stil, manchmal mit derben Worten und spöttischem Tonfall, konnte einen hohen Prozentsatz der Bürger für sich gewinnen, von denen viele heute zu seinen aktivsten Anhängern zählen. Diese direkte Kommunikation mit den Bürgern ist für Chaves Robles ein zentrales Mittel, um politische Unterstützung zu mobilisieren und seine Anhängerschaft zu binden. In den ersten 100 Tagen der Regierung von Fernández Delgado hat sich deutlich gezeigt, dass auch die Präsidentin auf einen ähnlichen Kommunikationsstil setzt, um die Unterstützung der Anhänger ihres Vorgängers zu sichern.
Zwei Monate nach ihrem Amtsantritt zählt Präsidentin Fernández Delgado laut dem „Ranking der lateinamerikanischen Präsidenten – Juli 2026“ des Marktforschungsunternehmens CB Global Data weiterhin zu den drei besten Präsidenten Lateinamerikas. Für denselben Zeitraum weist eine Umfrage von Opol Consultores der Präsidentin eine Zustimmungsrate von 73,5 % aus und zeigt Fernández Delgado sowie den ehemaligen Präsidenten Chaves Robles als die politischen Persönlichkeiten mit der besten Bilanz im öffentlichen Image, mit positiven Ergebnissen von +66,06 % bzw. +56,14 %.
3. Wahlergebnis
Das Wählerverzeichnis für die Wahl 2026 in Costa Rica umfasste 3.731.788 Bürger, und die Wahlenthaltungsquote lag bei 30,8 %. Laura Fernández Delgado erhielt bei den Wahlen am 1. Februar insgesamt 1.243.141 Stimmen, was 48,53 % der gültigen Stimmen dieser Wahl entsprach. Ihre Unterstützung kam vor allem aus den Küstenregionen sowie aus dem Zentraltal und dessen Umgebung. Am 8. Mai 2026 trat sie ihr Amt als Präsidentin der Republik an. Zwischen ihrer Wahl und dem Amtsantritt kehrte Fernández Delgado in ihr Amt als Ministerin im Präsidialamt zurück.
Der Wahlkampf, der auf dem Versprechen beruhte, das Regierungsprogramm 2022–2026 fortzusetzen, war laut einer Umfrage des Zentrums für politische Forschung und Studien (CIEP) der Universität von Costa Rica (UCR) der von den Wählern nach dem Wahlsonntag, dem 1. Februar 2026, am häufigsten genannte Faktor.
4. Mehrheit der Abgeordneten der Regierungsfraktion
In der Legislative waren fünf politische Parteien vertreten. Die PPSO errang 31 der 57 Sitze in der Legislative, wodurch die Verabschiedung einer großen Anzahl von Gesetzesvorlagen gesichert ist, die eine einfache Mehrheit erfordern. Bei Gesetzesvorlagen, die 38 Stimmen (absolute Mehrheit) erfordern, haben die anderen in der Legislative vertretenen Parteien ihre Unterstützung für die Regierungsvorlagen jedoch an Bedingungen geknüpft, was die Umsetzung der von der Exekutive vorgeschlagenen Projekte erschwert hat.
Die Partido Liberación Nacional (PNL) errang 17 Sitze, die Partido Frente Amplio (PFA) 7 Sitze und die Partido Unidad Social Cristiana (PSC) sowie die Coalición Agenda Ciudadana (ACC) jeweils einen Sitz. Diese sogenannten „Oppositionsparteien“ bildeten einen Block, um an gemeinsamen Projekten zu arbeiten, was zu heftigen Diskussionen und Auseinandersetzungen mit der Regierungsfraktion geführt hat. Diese Situation unterscheidet sich nicht wesentlich von früheren Legislaturperioden in Costa Rica, in denen die Regierungsfraktion und die übrigen Fraktionen aufgrund unterschiedlicher politischer Positionen immer wieder miteinander in Konflikt geraten sind.
Die Legislative von Costa Rica (2026–2030) hat in den ersten 100 Tagen ihrer Amtszeit mehr als ein Dutzend Gesetzentwürfe in zweiter Lesung verabschiedet, von denen die meisten einstimmig angenommen wurden. Zu den wichtigsten Vorhaben zählen das Gesetz zur Förderung der Energiewende und die Reform des Handelsgesetzbuchs, mit der die Gebühr für die verpflichtende Registrierung von E-Mail-Adressen durch Aktiengesellschaften abgeschafft werden soll. Hinzu kommen Maßnahmen zum Schutz der wirtschaftlichen Entwicklung im Süden Puntarenas im Zusammenhang mit den Konzessionen für das Freihandelsgebiet von Golfito, die Regulierung von Krypto-Vermögenswerten zur Bekämpfung von Geldwäsche sowie die Stärkung des Förderfonds für Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen.
Trotz allem wirft Präsidentin Fernández Delgado den Abgeordneten der Opposition regelmässig vor, strategische Vorhaben nicht zu unterstützen, wie beispielsweise den Gesetzentwurf zur Harmonisierung des nationalen Stromnetzes (SEN). Der Entwurf wurde zwar in erster Lesung im Plenum des Parlaments verabschiedet, verfügt jedoch derzeit nicht über die erforderliche Mehrheit für die endgültige Verabschiedung. Der Gesetzentwurf wird vom costaricanischen Unternehmenssektor unterstützt, der seit Jahren Verbesserungen in der Verwaltung des SEN fordert, um die hohen Tarife für die Branche zu senken und die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu fördern. Gleichzeitig stößt das Vorhaben bei einigen Gewerkschaften des Energiesektors auf Widerstand.
Ein weiterer umstrittener Gesetzentwurf ist die Reform des Bergbaugesetzes zur Regulierung der Exploration und des Abbaus von Metallerzen im Land. Die Präsidentin hat die Abgeordneten der Oppositionsfraktionen um Unterstützung gebeten, doch bislang ist es ihr nicht gelungen, die nötige Mehrheit zu gewinnen. Der Gesetzentwurf zielt darauf ab, ein seit langem bestehendes soziales und ökologisches Problem in der Region Crucitas im Norden des Landes zu lösen, wo der illegale Goldabbau – an dem laut Behördenangaben zum Großteil ausländische Personen beteiligt sind – dazu geführt hat, dass Costa Rica den dort vorhandenen Reichtum nicht nutzen kann.
Für Kontroversen sorgte die Verabschiedung des ersten Nachtragshaushalts 2026 durch die Legislative. Dieser sah eine vom Finanzministerium vorgeschlagene Kürzung der genehmigten Ausgaben um 70 Milliarden Colones vor, um die öffentlichen Ausgaben zu begrenzen. Von dieser Kürzung waren vor allem die Justiz, Sozialprogramme und verschiedene staatliche Institutionen betroffen.
Umstritten ist insbesondere, dass diese Kürzungen auch die Justiz betreffen, deren Mittel für laufende Ausgaben und den Betrieb um bis zu 42 % reduziert wurden. Die Justizbehörden warnten, dass der dadurch entstehende Ressourcenmangel die Wahrnehmung zentraler Aufgaben der Rechtspflege und der Verbrechensbekämpfung beeinträchtigen könnte. Eines der politisch brisantesten Ereignisse während der ersten 100 Tage der Legislaturperiode war die Weigerung der Regierungsfraktion (PPSO) im Parlament, die stellvertretenden Richter des Verfassungsgerichts aus der vom Plenum des Gerichts vorgelegten Kandidatenliste zu ernennen. Als Begründung wurde angeführt, dass die Kandidaten nicht geeignet seien und die Justiz eine neue Kandidatenliste vorlegen müsse.
5. Das Verhältnis zur Judikative
Die Konfrontation von Präsidentin Fernández Delgado mit der Judikative war seit Beginn ihrer Amtszeit sehr deutlich zu spüren. Ein Fall, über den in den Medien ausführlich berichtet wurde, war die Aufforderung der Präsidentin an den Präsidenten des Obersten Gerichtshofs, Richter Orlando Aguirre, zurückzutreten. Sie begründete dies mit der Notwendigkeit einer personellen Erneuerung und „frischen Blutes“ angesichts der Sicherheitsherausforderungen des Landes. Ebenso forderte sie den Rücktritt der Richterin Patricia Solano, Richterin der Dritten Kammer, die zusammen mit Aguirre in die Kritik geraten war, nachdem Verdächtige, die mit einer Drogenbande in der Provinz Cartago in Verbindung standen, gerichtlich freigelassen worden waren.
Weniger als einen Monat nach ihrem Amtsantritt bezeichnete Präsidentin Fernández Delgado den Generalstaatsanwalt der Republik als „nationale Schande“ und verunglimpfte die Abgeordneten der Opposition „Vagabunden und Kommunisten“. Zudem bezeichnete sie die Generalrechnungsprüferin der Republik als die Person, die für die Entwicklung des Landes relevante Projekte behindert. Am 31. Juli 2026 ereignete sich einer der Aufsehen erregendsten Vorfälle dieser Amtszeit, als Präsidentin Fernández Delgado einen Beschluss des Verfassungsgerichts als „Staatsstreich eines Teils der Justiz gegen die Legislative“ bezeichnete.
Der Beschluss des Verfassungsgerichts erging im Rahmen einer von einem Bürger eingereichten Verfassungsbeschwerde. Dieser machte geltend, dass die ausbleibende Ernennung der stellvertretenden Richter sein Recht auf Zugang zur Verfassungsgerichtsbarkeit beeinträchtige. Zudem blieben mehrere Verfahren, an denen er beteiligt war, ungelöst, da sich einige ordentliche Richter in diesen Fällen für befangen erklären mussten und keine Stellvertreter zur Verfügung standen. Die Verfassungskammer wies die Legislative an, das Verfahren zur Wahl der neun stellvertretenden Richter wieder aufzunehmen, und ordnete an, dass diejenigen, die diese Ämter bis Dezember 2025 innehatten, bis zur Durchführung der Wahl vorläufig im Amt bleiben sollen.
Ohne die Maßnahmen der Verfassungskammer und der Präsidentschaft der Republik zu bewerten, steht fest, dass die Spannungen zwischen beiden Gewalten offensichtlich sind. Kurzfristig ist nicht zu erwarten, dass diese Spannungen nachlassen. Im Gegenteil: Aus den Ereignissen der letzten 100 Tage lässt sich ableiten, dass der Konflikt eskalieren könnte, ohne dass sich vorhersagen lässt, welchen Verlauf er in den kommenden Monaten nehmen wird.
6. Eine Bevölkerung, die stolz auf die costaricanische Demokratie ist
Anlässlich des dreimonatigen Regierungsjubiläums veranstalteten verschiedene gesellschaftliche Gruppierungen am 6. August eine friedliche Kundgebung auf der Plaza de la Democracia in San José sowie an verschiedenen Orten in den übrigen Provinzen des Landes. Die Aktion trug den Namen „Plantón por la Justicia Democrática“ (Mahnwache für demokratische Gerechtigkeit) und hatte nach Angaben einiger Teilnehmer zum Ziel, den Stolz auf die costaricanische Demokratie, das Bekenntnis zur Rechtsstaatlichkeit und zur Gewaltenteilung sowie die Notwendigkeit eines respektvollen Dialogs zwischen den drei Staatsgewalten zum Ausdruck zu bringen. An der Veranstaltung nahmen Vertreter und Beamte der Justiz, Vertreter verschiedener Oppositionsparteien, studentische Gruppen, Gewerkschaftsvertreter sowie Bürger ohne Parteizugehörigkeit teil.
7. Die große Herausforderung: Der Kampf gegen das organisierte Verbrechen
Präsidentin Fernández Delgado trat ihr Amt mit dem Versprechen an, ihre im Wahlkampf angekündigten Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheitslage umzusetzen. Sie bekräftigte nachdrücklich den Kampf, den diese Regierung gegen den Drogenhandel und das organisierte Verbrechen führen werde, mit dem Ziel, den Frieden in der Gesellschaft wiederherzustellen und einem Krieg zwischen Drogenbanden um Territorien ein Ende zu setzen.
Die Regierung Costa Ricas sieht sich derzeit mit tief verwurzelten kriminellen Strukturen des Drogenhandels konfrontiert, die eine erhebliche Bedrohung für die nationale Sicherheit und die Bevölkerung darstellen. Das Land hat sich von einem historischen Transit- oder Umschlaggebiet zu einem wichtigen Logistikzentrum für die Lagerung, Verarbeitung und den Reexport von Kokain nach Europa und in die Vereinigten Staaten sowie für Geldwäsche in großem Stil entwickelt.
Im Mai nahm die Präsidentin die Sondereinheit „Fuerza Élite“ in Betrieb. Dabei handelt es sich um eine Koordinations- und Strategiegruppe für die nationale Sicherheit zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens, des Drogenhandels und der allgemeinen Kriminalität. Das Team bringt Führungs – und Polizeikräfte des Ministeriums für öffentliche Sicherheit sowie des Ministeriums für Justiz und Frieden direkt zusammen.
„Fuerza Élite“ zielt darauf ab, die Arbeit der Sicherheitskräfte, der Drogenpolizei (PCD) und des Amtes für Nachrichtendienst und Sicherheit (DIS) zu bündeln. Durch gezielte Einsätze in besonders kriminalitätsbelasteten Gebieten – etwa an Drogenkonsumorten oder in sogenannten „Bunkern“ – soll die territoriale Kontrolle gestärkt werden. Gleichzeitig sollen Gesetzesvorhaben vorangetrieben werden, die den Kampf gegen das organisierte Verbrechen verschärfen und den Schutz der Bevölkerung verbessern. Die Präsidentin legte der Legislative ein erstes Paket von Gesetzentwürfen vor, die auf die Verbesserung der Sicherheit im Land abzielen. Dazu gehören Maßnahmen für ein härteres Vorgehen gegen Wiederholungstäter, ein Gesetzentwurf zur Stilllegung von Landebahnen, ein weiterer zu Vergünstigungen für Inhaftierte, die arbeiten und/oder studieren, ein Gesetzentwurf zur Bestrafung der Mitgliedschaft in kriminellen Organisationen, eine Initiative zum umfassenden Schutz von Opfern und Polizeibeamten sowie ein Gesetzentwurf zu nationaler Sicherheit, Registerwesen und Gerichtsakten.
Zwei Monate später, im Juli 2026, legte Präsidentin Laura Fernández ein zweites Paket von Gesetzesvorschlägen zur Bekämpfung des Drogenhandels und der organisierten Kriminalität vor. Zu den Initiativen gehören die Abschaffung der Vorverhandlung, um Gerichtsverfahren zu beschleunigen, sowie die Einführung neuer Straftatbestände, die die Auslieferung von Costa-Ricanern ermöglichen, wie beispielsweise im Falle des internationalen Drogenhandels, der Auftragsmorde, der Cyberkriminalität und des Menschenhandels.
Ein Ereignis von großer Bedeutung für das Land war die Festnahme von Alejandro Arias Monge, alias „Diablo“, der eine der bedeutendsten, einflussreichsten und gewalttätigsten kriminellen Strukturen in der jüngeren Geschichte Costa Ricas anführt. Die Justizermittlungsbehörde (OIJ) und verschiedene internationale Behörden, darunter die US-amerikanische DEA, stufen diese Organisation aufgrund ihrer enormen Expansionskraft sowie ihrer logistischen und finanziellen Ressourcen als kriminelle Megastruktur ein. Die Festnahme erfolgte am 24. Juli 2026 in Sarapiquí im Rahmen einer OIJ-Operation, bei der auch weitere Mitglieder der Organisation festgenommen wurden. Damit gelang den Behörden ein wichtiger Schlag gegen eine der gewalttätigsten kriminellen Strukturen des Landes.
8. Bewertung durch die Bevölkerung nach 100 Tagen Regierungszeit
Die vom Unternehmen OPol Consultores zwischen dem 12. und 16. August 2026 durchgeführte nationale Umfrage zur politischen Aktualität, 100 Tage nach Amtsantritt der Präsidentin Fernández Delgado, zeigt, dass 74,7 % der Befragten die Amtsführung der Präsidentin gutheißen und 48,9 % die Regierung mit Werten über 8 bewerten (Höchstwert auf der Skala = 10). Dies bedeutet, dass die Regierung ihre Amtszeit mit einer sehr starken Unterstützung durch die Bürger beginnt.
Zum Thema Sicherheit gaben 51,4 % der Befragten an, dass sie sich heute genauso sicher fühlen wie vor einem Jahr, und 68,1 % äußerten sich besorgt über die Zunahme des Drogenhandels. 96 % stimmten zu, dass die Gesetze gegen das organisierte Verbrechen verschärft werden müssen. Die Umfrage zeigt somit, dass Sicherheit und Drogenhandel die Hauptsorgen der Bürger sind.
50,4 % der Befragten gaben an, dass die wirtschaftliche Lage ihres Haushalts unverändert gegenüber dem Vorjahr sei, und 44 % glauben, dass sich die Lage in einem Jahr verbessern wird – es besteht also die Erwartung, dass sich die wirtschaftliche Lage des Landes und der Haushalte im kommenden Jahr verbessern könnte.
Schlussfolgerungen
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1. Die große Herausforderung: der Kampf gegen das organisierte Verbrechen.
Costa Rica steht vor einer der größten Herausforderungen seiner Geschichte: der Bekämpfung organisierter krimineller Strukturen, die im Land operieren, wobei es deutliche Anzeichen für einen Anstieg von Auftragsmorden, Drogenhandel und Revierkämpfen gibt. Nach Angaben der Justizermittlungsbehörde (OIJ) werden etwa sieben von zehn Morden im Auftrag oder aus Rache zwischen kriminellen Banden begangen. Das Land hat sich von einem reinen Transitland zu einem Umschlagplatz und Drogenmarkt entwickelt. Kleine kriminelle Gruppen kämpfen um die Kontrolle des Drogenhandels in den Stadtvierteln, während die Zahl illegaler Schusswaffen stetig zunimmt. Der Großteil dieser Straftaten wird mit illegalen Pistolen und Revolvern verübt. Am stärksten betroffen sind die Küstenprovinzen. In den städtischen Randgebieten trifft die Gewalt vor allem Stadtviertel mit geringen Ressourcen und schwacher staatlicher Präsenz.
2. Die Herausforderung: Öffentliche Finanzen ohne neue Steuern verbessern
Das Finanzministerium rechnet mit einem starken Rückgang der Steuereinnahmen, der zu einem höheren Staatsdefizit führen dürfte. Der Leiter der Zentralbank hat darauf hingewiesen, dass es Anzeichen für eine Verschlechterung der öffentlichen Finanzen gibt.
Der Staatshaushalt weist eine hohe Ausgabenrigidität auf. Nach Angaben des Finanzministeriums sind rund 95 % der öffentlichen Ausgaben bereits gebunden. Davon entfallen 43 % auf den Schuldendienst, 27 % auf Transferzahlungen und 25 % auf die Vergütung der Beschäftigten im öffentlichen Sektor. Der Zentralregierung bleibt damit nur ein sehr geringer finanzieller Handlungsspielraum. Infolgedessen hat sich die Staatsverschuldung in den vergangenen Jahren weiter erhöht und beläuft sich laut Zentralbank im Februar 2026 auf 58,3 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Präsidentin Fernández Delgado versprach im Wahlkampf, keine neuen Steuern einzuführen; Ziel sei es, die öffentlichen Finanzen durch die Eintreibung von Steuern und die Bekämpfung der Steuerhinterziehung zu verbessern. Allerdings erwägt die Regierung, die Mehrwertsteuerbefreiungen für Produkte des Grundwarenkorbs für einkommensstärkere Bevölkerungsgruppen einzuschränken, während eine allgemeine Steuererhöhung für einkommensschwache Familien ausgeschlossen wurde.
3. Der Wechselkurs als Herausforderung für die Wettbewerbsfähigkeit
Die starke Aufwertung der nationalen Währung Colón führt zu einer tiefen Spaltung und großer Besorgnis unter den verschiedenen Wirtschaftssektoren des Landes, angetrieben durch ein großes Devisenangebot aufgrund ausländischer Investitionen, Exporte und Tourismus.
Der Exportsektor weist darauf hin, dass der aktuelle Wechselkurs ihn belastet, da er seine Einnahmen zwar in Devisen erzielt, Löhne, Dienstleistungen und lokale Vorleistungen jedoch in Colones bezahlen muss. Dies untergräbt die Gewinnmargen und schmälert die internationale Wettbewerbsfähigkeit Costa Ricas gegenüber anderen Ländern. Auch Unternehmen in Freihandelszonen und multinationale Konzerne sehen in der Stärke des Colón eine Belastung, da sie ihre Betriebskosten erhöht und Entscheidungen über künftige Expansionen und Reinvestitionen erschwert. Auch die Tourismusbranche hat darauf hingewiesen, dass der Wertverlust des Dollars die Reiseziele in Costa Rica für Ausländer verteuert und die Rentabilität von Hotels, Reiseveranstaltern und Restaurants verringert, was die Stabilität der lokalen Arbeitsplätze gefährdet. Alle diese Wirtschaftssektoren haben die Regierung also aufgefordert, die Wechselkurspolitik des Landes zu überprüfen und eine Lösung zu finden, da die Auswirkungen der Aufwertung des Colón ihre Geschäftstätigkeit gefährden.
Doch die Aufwertung des Colón hat auch Gewinner hervorgebracht, darunter auf den Binnenmarkt ausgerichtete Unternehmen, die Rohstoffe oder Fertigprodukte importieren, da sie von günstigeren Einfuhrkosten profitieren. Auch die Bürger, die ihr Gehalt in Landeswährung beziehen, profitieren davon, da sie über eine höhere Kaufkraft verfügen, um importierte Waren zu erwerben oder Auslandsreisen zu unternehmen.
4. Die Herausforderung, ein Land ohne Konfrontation zu regieren
Dies ist aus politischer Sicht die wohl wichtigste Herausforderung. Die Konfrontation zwischen den Staatsgewalten trägt weder zur Stärkung der Demokratie noch zur Festigung der Institutionen bei. Umso wichtiger ist es, dass die drei Gewalten das Wohlergehen der Bürger sowie die soziale, politische und wirtschaftliche Stabilität des Landes über ihre politischen Differenzen stellen. Die Regierung von Laura Fernández Delgado genießt breite Unterstützung in der Bevölkerung, und dieses politische Kapital sollte die Grundlage für eine gut abgestimmte Zusammenarbeit mit der Legislative und der Judikative bilden, um die großen Herausforderungen zu bewältigen, denen sich das Land in wirtschaftlicher Hinsicht und bei der Bekämpfung der organisierten Kriminalität gegenübersieht.
Die Rede von Präsidentin Fernández Delgado zeugt von ihrem berechtigten Interesse daran, die öffentliche Verwaltung zu verbessern, die Korruption im öffentlichen Dienst zu beseitigen und Projekte zu realisieren, die dem Land zugutekommen. Allerdings scheint ihr Kommunikationsstil gegenüber den anderen politischen Akteuren des Landes bisher eine negative Reaktion hervorzurufen. Letztendlich steht Costa Rica, obwohl es eine der gefestigtsten Demokratien Lateinamerikas ist, vor großen Aufgaben: seine Institutionen zu stärken, das organisierte Verbrechen und den Drogenhandel zurückzudrängen, ein Wirtschaftswachstum von mindestens 4 % zu erreichen und den sozialen Frieden zu wahren.
1.360 Tage Amtszeit bleiben Präsidentin Laura Fernández Delgado noch, um ihre Wahlversprechen einzulösen und Costa Rica auf dem Weg zu mehr Wohlstand, Sicherheit und Innovation voranzubringen.