BRICS
BRICS – Herausforderung für den Westen?
15th BRICS SUMMIT
© Wikimedia CommonsNeu-Delhi, 7. September 2026 – Es wird eine große Show in Neu-Delhi am 12. und 13. September. Premierminister Narendra Modi wird erstmals die Vertreter der BRICS+-Staaten empfangen: zehn oder sogar elf Staats- und Regierungschefs, darunter Wladimir Putin und Xi Jinping. Die Gastgeber werden für beeindruckende Bilder sorgen.
Allein das Gruppenfoto wird eine starke Botschaft senden. Die Zahl der BRICS-Mitglieder hat sich mehr als verdoppelt. Am zweiten Tag werden auch Repräsentanten von sieben der zehn BRICS-Partnerstaaten dabei sein sowie weitere Länder, die ihr Interesse an einer Mitgliedschaft bekundet haben.
BRICS ist ein Erfolgsmodell. Aber ist es tatsächlich eine Herausforderung für die alte, vom Westen dominierte Weltordnung?
Daran kann man Zweifel haben. Unter den Neuen im BRICS-Club sind drei Staaten, die aktuell auf unterschiedlichen Seiten in den Krieg am Golf verwickelt sind: Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Saudi-Arabien. Der Konflikt dürfte eines der großen Themen dieses Gipfels werden. Er zeigt aber auch eine zentrale Schwäche von BRICS: die Unterschiedlichkeit seiner Mitglieder. Es sind Autokratien und Demokratien, wirtschaftliche Giganten und Staaten, die in ihrer Entwicklung weit zurückliegen. Es sind Länder mit ganz unterschiedlichen Interessen und teilweise gegensätzlichen Bündnisverpflichtungen.
Ein Riss zieht sich bereits seit mehr als zehn Jahren durch BRICS. Soll das Bündnis ein Gegenmodell zum Westen bilden – dafür stehen China und Russland – oder soll es eine Interessenvertretung des Globalen Südens sein und dabei geopolitisch neutral bleiben? Für die letztere Linie stehen Indien und Brasilien. Südafrika, das fünfte Mitglied, tendierte in den vergangenen Jahren hingegen immer stärker zur chinesischen Seite.
Indien und Brasilien haben immer wieder Erklärungen und Initiativen verhindert, die gegen den Westen gerichtet waren. So scheiterte etwa die Schaffung einer BRICS-Währung – nicht, weil Indien und Brasilien den Dollar so schätzen, sondern weil sie eine vom chinesischen Yuan dominierte Währung noch weniger wollen.
Auch die BRICS-Erweiterung zeigt das Kräftespiel zwischen den beiden Fraktionen innerhalb des Bündnisses. Während China und Russland mit Iran ein weiteres antiwestliches Mitglied durchsetzten, unterstützten Indien und Brasilien die Aufnahme zweier pro-westlicher Staaten: Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Der Konflikt am Golf könnte diese Kräftebalance verschieben. Gerade Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate leiden unter dem von den USA begonnenen Krieg. Man muss abwarten, ob sich das auf ihre Bündnistreue gegenüber dem Westen auswirken wird. Beobachter sehen das Risiko, dass sich durch die neuen BRICS-Mitglieder das relative Gewicht innerhalb des Bündnisses zugunsten Chinas und Russlands verschieben könnte.
Es wäre jedoch zu einfach, in jedem Antrag auf eine BRICS-Mitgliedschaft eine Entscheidung gegen den Westen zu sehen. Dieses Denken in Schwarz-Weiß, in Freund oder Feind, haben wir Europäer in der Zeit des Kalten Krieges verinnerlicht. In anderen Teilen der Welt wird die geopolitische Gemengelage differenzierter betrachtet. Angesichts der aktuellen Umbrüche, des Erstarkens Chinas und des teilweisen Rückzugs der USA von ihrer Rolle als Weltpolizist wollen viele Staaten auf jede mögliche Entwicklung vorbereitet sein.
Ein Platz am Tisch verschiedener Bündnisse – etwa bei G20 und bei BRICS – ist eine durchaus rationale Strategie. Ein Beitritt zu BRICS ist für viele Staaten eher Risikomanagement als ein Abwenden vom Westen.
Das Wachstum von BRICS sendet dennoch eine klare Botschaft. Offensichtlich fühlen sich viele Staaten des Globalen Südens von den bestehenden multilateralen Strukturen weder angemessen repräsentiert noch ausreichend in ihrer Entwicklung unterstützt. Das muss sich dringend ändern. Die Länder Afrikas, Lateinamerikas und Südasiens brauchen mehr Gewicht in UN-Organen und Institutionen, einschließlich des UN-Sicherheitsrats.
Die Weltbank und der IWF müssen finanziell besser ausgestattet und Förderkredite leichter zugänglich werden. Insbesondere gegenüber den ärmsten Ländern der Welt ist die Weltbank oft zu risikoscheu. So scheitern auch sinnvolle Ideen, etwa zur Abdeckung des Risikos bei privaten Investitionen in den Ausbau erneuerbarer Energien. Die BRICS-Bank macht vor, wie es einfacher geht für die Kreditnehmer.
Um gegen BRICS zu bestehen, müssen die Staaten des Westens vor allem ihre Volkswirtschaften wieder auf Wachstumskurs bringen. Das Bruttoinlandsprodukt der BRICS+-Staaten (ohne Saudi-Arabien, das noch kein Vollmitglied ist) lag im Jahr 2000 etwas über der Hälfte dessen, was die G7-Länder erwirtschafteten. 2015 haben die BRICS+-Staaten die G7 überholt, 2025 war ihr BIP bereits 37 Prozent größer. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, wird auch der geopolitische Einfluss von BRICS weiter wachsen.
In diesem Jahr wird Gastgeber Indien noch sicherstellen, dass vom BRICS-Gipfel keine antiwestlichen Botschaften ausgehen. Im kommenden Jahr aber übernimmt China die Präsidentschaft. China strebt offen nach einer Weltordnung, die nicht länger vom Westen dominiert wird, und ist offensichtlich überzeugt davon, dass die langfristigen Trends genau in diese Richtung gehen.
Das ist letztlich der Grund, warum wir den Aufstieg der BRICS-Staaten aufmerksam beobachten sollten.