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Die Kraft der Netzwerke
Von „Warum muss ich das machen?“ zu „Mal sehen, wen ich kennenlerne“

Notizen einer Introvertierten vom FNF-Seminar am Toten Meer – über Neugier, lose Kontakte und echte Begegnungen.
Participants coming from different nationalities and background exchanging their ideas and insight at The Power of Networks seminar @FNF Middle East and North Africa, July, 2026

Participants coming from different nationalities and background exchanging their ideas and insight at The Power of Networks seminar @FNF Middle East and North Africa, July, 2026

“Denn die besten Netzwerkerinnen und Netzwerker sind meist auch die besten Zuhörerinnen und Zuhörer.”

Besonders die Idee der „Moods of Life“, der Grundstimmungen des Lebens, hat mir die Augen geöffnet. Wenn wir eine Veranstaltung zum Netzwerken betreten, bringen wir oft unbewusst all den Ballast mit, den uns das Leben gerade aufgeladen hat. Das kann sich als Widerwillen äußern – „Warum muss ich das machen?“ – oder als Unsicherheit: „Was, wenn ich mich blamiere?“

Solche Stimmungen führen leicht dazu, dass wir innerlich abschalten, anderen aus dem Weg gehen oder uns zurückziehen. Wenn es uns jedoch gelingt, unsere innere Haltung bewusst zu verändern – hin zu Tatendrang („Es kann auch anders gehen“) oder gespannter Neugier („Mal sehen, wen ich kennenlerne“) –, passiert etwas Entscheidendes: Netzwerken fühlt sich nicht mehr verkrampft und unnatürlich an. Es wird zu einer Gelegenheit, neugierig zu sein und einem anderen Menschen wirklich zu begegnen.

Aseel Sha’ban (swedish Dialogue Institute MENA) sharing her insight on ‘networking’  @FNF Middle East and North Africa, July, 2026

Aseel Sha’ban (swedish Dialogue Institute MENA) sharing her insight on ‘networking’  @FNF Middle East and North Africa, July, 2026

Bitte nicht das eigene Badewasser trinken

Wer eine zivilgesellschaftliche Organisation oder eine liberale Bewegung führt, läuft leicht Gefahr, im vertrauten Kreis Gleichgesinnter zu bleiben – unter Menschen also, die ohnehin bestätigen, was man selbst bereits glaubt. Oder, wie Prof. Askin es anschaulich formulierte: Man trinkt sein eigenes Badewasser. Igitt.

Die wirklich neuen Ideen und die größte Wirkung entstehen dort, wo wir die vertrauten Grenzen unseres Netzwerks überschreiten. Gerade unsere „schwachen Bindungen“ – lose Bekanntschaften oder unerwartete Kontakte in andere gesellschaftliche Bereiche und Branchen – können wichtige Quellen für Innovation und neue Perspektiven sein. Sie verbinden uns mit völlig neuen Ökosystemen und eröffnen den Zugang zu anderen Sichtweisen, Beziehungen und Chancen.

Zum Glück für uns Introvertierte muss niemand einen ganzen Raum dominieren, um Sozialkapital aufzubauen. Worauf es ankommt, sind die Bereitschaft, sich verletzlich zu zeigen, aktives Zuhören und ehrliche Neugier. Wer aufmerksam ist und Fragen stellt, die wirklich etwas bedeuten, kann tiefes Vertrauen schaffen, ohne die lauteste Stimme im Raum zu sein. Wenn ich auf meine eigenen Erfahrungen zurückblicke, fällt mir auf: Die besten Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner stellen meist die interessantesten Fragen – und vor allem hören sie einfach zu.

Anthea Haryoko (right) as one of the participants at “The Power of Networks” seminar @FNF Middle East and North Africa, July, 2026

Anthea Haryoko (right) as one of the participants at “The Power of Networks” seminar @FNF Middle East and North Africa, July, 2026

Im Netzwerk führen

Netzwerken ist keine lästige Pflicht, die zusätzlich zu unserer „eigentlichen Arbeit“ anfällt. Beziehungen bewusst aufzubauen und zu pflegen, ist Teil dieser Arbeit. Wer in einem Netzwerk wirksam führen will, sollte anderen außerdem mit Großzügigkeit begegnen: zunächst selbst etwas beitragen, bevor man um etwas bittet; ein Umfeld psychologischer Sicherheit schaffen, in dem andere sich verletzlich und menschlich zeigen können; und den Menschen, denen man begegnet, mit aufrichtiger Neugier gegenübertreten.

Wenn Sie also das nächste Mal in einem Raum voller Fremder stehen, fragen Sie sich doch: Welche Stimmung bringe ich heute mit?

Und an meine Mit-Alumni der FNF: Gummersbach mag geschlossen sein, doch die Beziehungen, die wir dort geknüpft haben, leben überall auf der Welt weiter. Wie passend, dass die Kraft der Netzwerke heute wichtiger ist denn je – gerade wenn es darum geht, den globalen Liberalismus verbunden, widerstandsfähig und lebendig zu halten.

*Anthea Haryoko ist Chief Operating Officer des Center for Indonesian Policy Studies in Jakarta, Indonesien.