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Freiheitspreis
Laudatio auf das iranische Volk anlässlich der Verleihung des Freiheitspreises 2026

Freiheitspreis 2026

Das Iranische Volk erhält den Freiheitspreis 2026 der Friedrich-Naumann-Stiftung

Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit verleiht den Freiheitspreis 2026 den mutigen Menschen im Iran, die für Freiheit, Bürgerrechte und Demokratie kämpfen.

© FNF

Es gilt das gesprochene Wort.
 


Freiheit braucht Mut.

Dieser Satz erfasst das Wesen der Freiheit wie kaum ein anderer.

Gleichzeitig lässt sich dieser Satz relativ leicht sagen, wenn man in der Sicherheit eines demokratischen Rechtsstaates lebt.

Der Satz „Freiheit braucht Mut“ bekommt eine andere, umfassendere, tiefere Bedeutung, wenn es darum geht, für die Freiheit Risiken einzugehen.

Ich spreche dabei von existenziellen Risiken.

Ich spreche von Haft, schwersten Verletzungen, Folter und Tod.

Ich spreche vom Verlust von Familie und sozialem Umfeld.

Ich spreche vom Zwang, das eigene Land, die Heimat zu verlassen.

All das bedroht die Menschen, die sich im Iran für ihre eigene Freiheit, für die Freiheit ihrer Mitmenschen einsetzen.

Und trotz dieser Risiken stehen die Menschen im Iran für ihre Freiheit ein.

Deshalb ist es für mich eine außerordentliche Ehre, heute hier in der Paulskirche die Laudatio auf das iranische Volk zu halten.

Wir sind heute an einem besonderen Ort versammelt.

Die Paulskirche steht wie kaum ein anderer Ort in Deutschland für den Wunsch nach Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung.

Heute sind wir hier versammelt und richten den Blick auf ein Land, dessen Menschen noch immer für genau diese Werte kämpfen.

Das ist für mich aufgrund meiner Herkunft natürlich ein besonders bewegender Anlass.

Das iranische Volk hat den Freiheitspreis der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit ohne jeden Zweifel verdient.

Der Preis geht an all diejenigen Iranerinnen und Iraner, die gegen ein brutales und menschenverachtendes Regime protestieren.

Er geht an Frauen und Männer, an Angehörige unterschiedlichster Kulturen, an Junge und Ältere, an Intellektuelle ebenso wie an Aktivistinnen und Aktivisten.

Der Freiheitspreis geht an alle, die dem Widerstand gegen die Islamische Republik vielfältig Ausdruck geben:

auf Demonstrationen,

im Internet,

in der Kunst,

in journalistischer und publizistischer Arbeit.


Das Regime und der Widerstand dagegen


Die mutigen Frauen und Männer im Iran kämpfen gegen ein Regime, dessen Charakter und dessen Taten immer noch nicht genug im öffentlichen Bewusstsein hier in Europa angekommen sind.

Der Iran ist ein Land mit einer Jahrtausende alten Geschichte, einer beeindruckenden Kultur und Menschen von außergewöhnlicher Bildung und Kreativität.

Doch seit 1979 wird dieses wunderbare Land von einem Regime beherrscht, das Krieg gegen die eigene Bevölkerung führt.

Der Iran wird von einer Kaste von schiitischen Geistlichen regiert – mit großer Brutalität und Härte.

Im theokratischen System steht ihr Urteil über dem aller anderen politischen Institutionen.

Zuweilen wird gesagt, dass der Begriff Mullah-Regime zu wertend und einseitig sei – doch ich werde ihn trotzdem verwenden.

Ich verwende ihn bewusst in wertender Absicht.

Er ist ein Symbol dafür, dass im Namen des Glaubens, der Religion im Iran ein brutales Unterdrückungsregime installiert wurde.

Die islamische Republik begeht permanent Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Sie tritt grundlegende Menschenrechte systematisch mit Füßen.

Sie unterdrückt mit ihrem Machtapparat, mit den Revolutionsgarden und den Geheimdiensten ein ganzes Land und eine ganze Region, Frauen sowie Minderheiten.

Die Islamische Republik unterdrückt jede Kritik, jede Abweichung von den rigiden Vorschriften, die die Geistlichkeit den Menschen auferlegt.

Den Iranerinnen und Iranern werden Menschenrechte vorenthalten, die für uns in der freien Welt selbstverständlich sind.

Tötung, Folter und sexualisierte Gewalt sind dabei keine Einzelfälle, sondern systematisch koordiniert und von der obersten Führung gesteuert.

Amnesty International belegt eine abgestimmte Gewaltstruktur.

Zu ihr gehören die berüchtigten Revolutionsgarden einschließlich der Basij-Milizen sowie der Polizeieinheit FARAJA.

Die große Brutalität des Regimes zeigte sich in besonders dramatischer Weise bei der Niederschlagung der Massenproteste, die im letzten Jahr begannen und immer intensiver wurden.

Die Sicherheitskräfte töteten allein am 8. und 9. Januar 2026 zehntausende Demonstrierende und Unbeteiligte.

Es gab tausende Hinrichtungen.

Doch die Proteste begannen natürlich nicht erst 2025.

Immer wieder haben sich seit 1979 im Iran Menschen mit großem Mut gegen das Regime gestellt.

Sie alle verdienen den Freiheitspreis, der heute verliehen wird.

Es ist hier nicht der Ort, alle oder auch nur eine angemessene Auswahl zu nennen.

Die Menschen, die gegen das Mullah-Regime und für ihre Freiheit kämpfen, sind außerordentlich vielfältig.

Jede einzelne Biografie ist besonders und einzigartig.

So müssen wenige Beispiele genügen:

Der gewaltsame Tod von Jina Mahsa Amini im Herbst 2022 war der Auslöser der Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“.

Frauen stehen an vorderster Front im Kampf gegen die systematische Unterdrückung.

Narges Mohammadi ist ein Beispiel, Zohreh Sarv ein anderes. Sie saßen unter menschenunwürdigen Haftbedingungen in iranischen Gefängnissen und wurden zu Haftstrafen verurteilt.

Unzählige Iranerinnen und Iraner erlitten ein schreckliches, oft noch schlimmeres Schicksal – weil sie für ihre Freiheit und für die Freiheit ihres Volkes eintraten.

Weil sie sich dafür einsetzen, ihre Meinung frei ausdrücken zu können.

Weil sie sich dafür einsetzen, ihr eigenes Leben frei gestalten zu können.

Weil sie sich dafür einsetzen, dass Frauen die gleichen Rechte wie Männer erhalten.

Oder weil sie einfach Träume hatten – für sich und ihre Familien.


Internationale Bedeutung und Verantwortung


Ein weiterer Aspekt des Freiheitskampfes des iranischen Volkes darf nicht vergessen werden.

Die Menschen, die im Iran für ihre Freiheit, für Demokratie und Menschenrechte kämpfen, wirken weit über ihr Land hinaus.

Denn, meine Damen und Herren,

Freiheit ist ein universeller Wert.

Die Grundüberzeugung von uns Liberalen ist, dass sie allen Menschen in gleicher Weise zusteht – unabhängig davon, wo sie leben.

Jeder Mensch trägt Verantwortung für die Freiheit in seinem Land – und darüber hinaus.

Die Menschen im Iran kämpfen somit nicht nur für einen freien, demokratischen und rechtsstaatlichen Iran, sondern auch für die Freiheit auf der ganzen Welt.

Sie geben ein Beispiel dafür, wie trotz brutaler Unterdrückung die Flamme der Freiheit weiterbrennt.

Sie zeigen, welche Kraft der Wert der Freiheit hat.

Und – das darf nicht vergessen werden – ihr Kampf hat auch Auswirkungen auf die Sicherheit und das friedliche Zusammenleben in der ganzen Region, auf der ganzen Welt.

Eines muss uns allen klar sein:

Mit dem derzeitigen Regime an der Macht wird es nicht nur keine Freiheit im Iran geben, sondern auch keinen Frieden in der Region.

Die Vernichtung Israels ist das immer wieder bekräftigte Ziel der Politik der aktuellen Führung in Teheran.

Das ist tief im Selbstverständnis der Theokratie verankert.

Dazu kommt: Milizen und Terrororganisationen werden durch das Regime und sein Militär finanziell und militärisch unterstützt – Instabilität in der Region ist ein Lebenselixier ihrer Herrschaft.

Hisbollah und Hamas sind hier Beispiele.

Meine Damen und Herren:

Freiheit ist unteilbar.

Die Menschen im Iran nehmen auch eine Verantwortung wahr für die Freiheit auf der ganzen Welt.

Auch für unsere Freiheit.

Sie zeigen, dass Unfreiheit, dass Verachtung der Menschenrechte, dass fundamentalistische Herrschaft nie unantastbar sind.

Sie können überwunden werden.

Der Geist der Freiheit lässt sich nicht ausrotten.

Die Freiheitskämpferinnen und Freiheitskämpfer im Iran werden also auch ihrer Verantwortung für die Freiheit auf der ganzen Welt, für unsere Freiheit gerecht.

Umgekehrt muss das aber natürlich auch gelten:

Auch wir tragen eine Mitverantwortung für die Freiheit und Würde des iranischen Volkes, für die Freiheit der Iranerinnen und Iraner von theokratischer Herrschaft, von Terror und Unterdrückung.

Leider muss ich kritisch anmerken:

Europa und Deutschland sind dieser Verantwortung in der Vergangenheit nur sehr unzureichend gerecht geworden.

Mir ist klar, dass die Einflussmöglichkeiten Deutschlands auf die europäische Politik oft begrenzt sind.

Doch es kann nicht richtig sein, dass ein solches Regime nicht entschlossen genug politisch bekämpft und sanktioniert wird.

Einerseits gratuliert der Bundespräsident dem Teheraner Regime zum Jahrestag der Islamischen Republik, andererseits sorgt die Außenministerin dafür, dass Reza Pahlavi von der Münchener Sicherheitskonferenz 2025 ausgeladen wurde.

Immerhin einer der beiden Fehler wurde korrigiert – 2026 durfte Reza Pahlavi dann teilnehmen.

Doch das sind nur Symptome.

Das Problem liegt tiefer.

Das Regime in Teheran – die theokratische Herrschaft im Iran – wurde über viele Jahre systematisch verharmlost.

Das geschah teilweise aus kurzsichtigen ökonomischen Interessen, teilweise aus Naivität und teilweise aus Angst vor öffentlicher Konfrontation.

Es geschah auch aus der Illusion heraus, sich irgendwie annähern zu können und das Regime vielleicht zu einem „weicheren“ Kurs bewegen zu können.

Doch mit einem Regime, das so viele Menschen tötet und so viel Leid und Probleme in der Welt verursacht, für das die Vernichtung Israels Staatsräson ist, kann und darf es keine Annäherung geben.

Mit einem Regime, in dem eine Kaste von Klerikern mit absolutem Anspruch die Geschicke des Landes bestimmt, kann und darf es keine Annäherung geben.

Mit einem Regime, in dem Frauen die grundlegendsten Menschenrechte verweigert werden, kann und darf es keine Annäherung geben.

Man muss es ganz deutlich sagen:

Eine derartige Politik wäre ein schrecklicher Verrat gegenüber dem Freiheitskampf der Menschen im Iran, denen wir heute hier den Freiheitspreis verleihen.


Treuhänderschaft und Selbstbestimmung


Meine Damen und Herren,

das iranische Volk kann den Freiheitspreis nicht entgegennehmen.

Deshalb wird Reza Pahlavi ihn heute hier treuhänderisch entgegennehmen.

Ich bin sehr glücklich, dass er sich bereit erklärt hat, die Treuhänderschaft zu übernehmen.

Vielen Dank dafür!

Über die Zukunft des Irans entscheiden nicht wir hier, sondern die Menschen im Iran.

Die Menschen im Iran brauchen keine Nachhilfe oder Belehrungen politischer Natur von uns.

Für viele Menschen im Iran ist Reza Pahlavi Hoffnungsträger und ein Symbol des Widerstandes gegen das menschenverachtende Regime und Gesicht ihrer Revolution.

Er hat sein Leben der Zukunft des Irans gewidmet.

Er ist als überzeugter Demokrat zu einem Symbol des Widerstandes gegen das Regime geworden.

Bei zahlreichen Demonstrationen im Land selbst wird sein Name konkret gerufen.

Reza Pahlavi tritt für die freie Selbstbestimmung des iranischen Volkes ein.

Dazu hat er detaillierte Vorschläge gemacht.

Einiges dazu wird er vielleicht in seiner anschließenden Rede sagen.

Ich weiß, dass es Kritik an seiner treuhänderischen Entgegennahme des Preises gibt.

Das ist aber kein Problem. Natürlich sind sich nicht alle Iranerinnen und Iraner einig –

Das ist ja gerade der Charakter einer freien Gesellschaft, einer freien Debatte.

Der Iran wird eines Tages ein freies Land sein.

Dieses freie Land wird dann die Heimat aller Iranerinnen und Iraner sein, unabhängig von der politischen Einstellung und Positionierung.

Doch so viel ist für mich klar:

Es gibt keine andere Person, die so viele freiheitsliebende Iranerinnen und Iraner vereint und zu einem Fest der Demokratie zusammenbringt.

Nicht notwendigerweise als Führungsfigur, aber doch als Symbol des Kampfes gegen das Mullah-Regime.


Der Freiheitspreis als Würdigung und Auftrag 


Meine Damen und Herren,

der Kampf gegen dieses menschenverachtende Regime muss unser aller Kampf sein.

Mit der heutigen Verleihung des Freiheitspreises wollen wir einen Beitrag leisten, die Aufmerksamkeit auf den mutigen, aufopferungsvollen Kampf des iranischen Volkes zu lenken.

Wir wollen unsere Hochachtung für all diejenigen bekunden, die für ihre Freiheit eintreten.

Ich weiß, dass uns gerade über den Livestream zahlreiche Iranerinnen und Iraner zusehen – sowohl im Iran selbst als auch außerhalb des Irans.

Wir haben tiefsten Respekt vor dem, was Sie leisten.

Wir verneigen uns aus Respekt.

Der heutige Preis ist eine Würdigung des Mutes der Menschen im Iran und zugleich eine Verpflichtung für uns, nicht zu schweigen und nicht wegzuschauen.

Bald wird der Iran ein freies Land sein, bald werden politische Gefangene wieder frei und bei ihren Familien sein und bald werden die Menschen im Iran ihre Zukunft selbst bestimmen können.

Und die Islamische Republik?

Ich wünsche mir, dass sie dorthin kommt, wo sie hingehört.

Nämlich auf dem Müllhaufen der Geschichte.

Wir haben großes Vertrauen darin, dass Sie, liebe Iranerinnern und Iraner, letztlich das undemokratische, menschenverachtende System der Theokratie zum Einsturz bringen werden.

Wir werden alles tun, was in unserer Macht steht, um Sie dabei zu unterstützen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.