Freiheitspreis
Begrüßung anlässlich der Verleihung des Freiheitspreises 2026 an das iranische Volk
Das Iranische Volk erhält den Freiheitspreis 2026 der Friedrich-Naumann-Stiftung
Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit verleiht den Freiheitspreis 2026 den mutigen Menschen im Iran, die für Freiheit, Bürgerrechte und Demokratie kämpfen.
© FNFEs gilt das gesprochene Wort.
Im Januar dieses Jahres starb Aida Aghili auf Teherans Straßen durch zwei Schüsse in den Rücken.
Sie wurde gerade einmal 34 Jahre alt.
An ihrem letzten Geburtstag schrieb sie einen Brief an sich selbst, der so endete: „Alles Gute zum Geburtstag für mich selbst, die trotz aller Wunden noch lebt, die immer noch glaubt, dass Freiheit kommt, und die immer noch lieben kann, selbst wenn die Welt gegen sie kämpft.“
Ihr toter Körper wurde erst nach Tagen gefunden, abgelegt im Hinterhof eines Krankenhauses, neben vielen anderen Leichnamen.
Wer einmal das Bild der toten Aida Aghili in einem Hinterhof gesehen hat, den verlässt es nicht mehr.
Deshalb sind wir heute hier. Wir wollen an Aida Aghili erinnern und sie würdigen.
Würdigung des iranischen Volkes
Wir wollen die Tausenden Frauen und Männer hier und heute würdigen, die getötet wurden, nur weil sie frei leben wollten.
Junge Frauen und Männer am Beginn oder in der Mitte ihres Lebens, getötet von einem Regime, das Widerspruch mit dem Tod bestraft, foltern lässt und vor allem die Frauen unterdrückt.
Wer könnte ein würdigerer Preisträger sein als dieses tapfere Volk?
Dieses Volk, das nicht aufgibt.
Diese Hunderttausenden, die trotz Lebensgefahr auf die Straße gehen.
Die jungen Frauen, die sich der Sittenpolizei widersetzen.
Die Menschen, die Videos aus dem Iran senden und dafür ihr Leben riskieren.
Und die Hunderttausenden im Exil, die friedlich und beharrlich für einen freien Iran demonstrieren.
Ihnen gilt der Freiheitspreis 2026.
Keiner Gruppe.
Keiner Partei.
Keiner Person.
Einem Volk.
Die Paulskirche als Verleihungsort
Wir danken Ihnen, Herr Bürgermeister Dr. Kößler, und dem Magistrat der Stadt Frankfurt dafür, dass wir seit nunmehr genau zwanzig Jahren unseren Freiheitspreis in der Paulskirche verleihen dürfen.
Nach einer teilweise blutigen Revolution hat ein frei gewähltes deutsches Parlament in dieser Kirche vor mehr als 170 Jahren eine Verfassung beschlossen.
In offenen, auch leidenschaftlichen und streitlustigen Debatten, aber in Respekt und Verpflichtung vor einer historischen Mission für Deutschland:
Einigkeit und Recht und Freiheit.
Die Verfassung der Paulskirche trat nie in Kraft.
Ihre Werte und Tradition lebten dann in der Weimarer Reichsverfassung und im Grundgesetz wieder auf.
Freiheit kommt oft verspätet.
Aber sie kommt. Und mit ihr kommen Recht und Einigkeit.
Begrüßung der Gäste
Vor allen anderen begrüße ich die Iranerinnen und Iraner, die heute hier sind und die so lange schon für die Freiheit ihres Volkes kämpfen.
Angehörige von Menschen, die das Regime getötet hat. Frauen und Männer, die Haft und Folter überlebt haben.
Sportlerinnen und Sportler, Künstlerinnen und Künstler, die ihr Land verlassen mussten, weil sie sich nicht beugen wollten. Einige von ihnen werden nachher mit auf dieser Bühne stehen. Sie stehen für das iranische Volk, das wir heute ehren.
Sie sind der Grund, warum wir heute hier sind.
Im Geburtshaus des deutschen Parlamentarismus begrüße ich auch die Vorsitzende des Ausschusses für Sicherheit und Verteidigung des Europäischen Parlaments, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, den Vizepräsidenten des Hessischen Landtages René Rock und alle heute anwesenden Mitglieder des Europäischen Parlaments, des Deutschen Bundestages und der Landtage und auch sehr herzlich die Mitglieder des diplomatischen und konsularischen Korps.
Und ich begrüße sehr herzlich alle ehemaligen Mitglieder der Bundesregierung, Staatssekretäre und Abgeordnete des Deutschen Bundestages, insbesondere aber Bijan Djir-Sarai, in Teheran geboren, dessen Familie die Folgen dieses Regimes kennt und der heute die Laudatio hält.
Ich begrüße Sie alle auch im Namen unseres Kuratoriumsvorsitzenden Florian Rentsch und des Vorstandes der Stiftung, im Namen von Bettina Stark-Watzinger, Roland Werner, Maren Jasper-Winter und Ludwig Heuss.
Seien Sie alle herzlich willkommen.
Treuhänderische Entgegennahme
Das iranische Volk in Person seiner frei gewählten Repräsentanten kann heute nicht hier sein.
Wir haben Reza Pahlavi herzlich gebeten, den Freiheitspreis treuhänderisch entgegenzunehmen.
Sein Name wird bei den Protesten im Iran gerufen.
Wir freuen uns sehr, ihn mit seiner Frau Yasmine Pahlavi und den Mitgliedern seines Stabes in unserer Mitte begrüßen zu dürfen.
Lieber Reza Pahlavi, Sie haben sich zu freien Wahlen bekannt, zur Trennung von Religion und Staat und zu den Rechten aller Iranerinnen und Iraner, gleich welcher Herkunft, Sprache oder Religion.
Sie treten für Frieden im Nahen Osten ein und für eine Aussöhnung des Irans mit seinen Nachbarn und mit Israel.
Und Sie haben es selbst gesagt: Dieser Preis gehört keiner Gruppe, keiner Partei, keiner Person, sondern der iranischen Nation.
Und Sie haben öffentlich und immer wieder betont: Über seine Zukunft entscheidet das iranische Volk.
Niemand sonst.
Wir nehmen Sie beim Wort.
Sie verwahren diesen Preis, bis frei gewählte Vertreter des iranischen Volkes ihn entgegennehmen können.
Wir danken Ihnen dafür und freuen uns auf Ihre Rede.
Es gab Kritik an unserer Entscheidung, Reza Pahlavi heute hier einzuladen.
Aber noch mehr haben uns Anerkennung, Dank und gute Wünsche erreicht.
Die Kritiker waren zwar lauter, die Unterstützung aber umso zahlreicher und herzlicher.
Unsere deutsche Geschichte hat uns gelehrt, ein Unrechtsregime fällt umso schneller, je einiger der Widerstand ist.
Aida Aghili hat an ihrem letzten Geburtstag von genau dieser Hoffnung geschrieben: dass die Freiheit kommt.
Wir sind heute hier, um weiter für diese, ihre Hoffnung zu streiten: Einen freien, demokratischen, einigen und friedlichen Iran.
Der Freiheitspreis 2026 geht an das iranische Volk.