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Energiepolitik
Energie braucht Freiheit statt Ideologie

Hitzesommer und Waldbrände zeigen: Europas Resilienz entscheidet sich an Netzen, Speichern und Technologieoffenheit.
Symbolbild Energie

Hochspannungsmasten

© picture alliance / CHROMORANGE | Christian Ohde

Die Hitzerekorde in Europa und die verheerenden Waldbrände im Süden des Kontinents sind kein vorübergehendes Sommerereignis mehr. Sie sind ein Realitätstest für Politik und Gesellschaft. Klar ist: Europa muss widerstandsfähiger gegen den Klimawandel, Hitze und Trockenheit werden. Wer weiter so tut, als sei die Klimaveränderung durch Verzicht auf Wohlstand, Wachstum und Innovationen in Europa und Deutschland zu beherrschen, irrt. Die Klima- und Energiepolitik ist längst eine Freiheitsfrage.

Denn Freiheit bedeutet in einer modernen Gesellschaft auch: Wohnungen müssen im Sommer kühl bleiben können, Krankenhäuser, Verkehr, Rechenzentren und Wasserinfrastruktur müssen auch unter Extrembedingungen verlässlich funktionieren, Wälder geschützt und unsere Wasserversorgung neu konzipiert werden. Unternehmen müssen wettbewerbsfähig produzieren können und Bürgerinnen und Bürger dürfen nicht durch hohe Energiepreise oder instabile Versorgung in neue Abhängigkeiten gedrängt werden. Ein anpassungsfähiges Deutschland und Europa brauchen deshalb nicht weniger, sondern mehr verlässliche, bezahlbare und erneuerbare Energie, um die Folgen der Klimaanpassung zu stemmen.

Gleichzeitig hängt unsere Versorgungssicherheit immer stärker davon ab, wie schnell Netze, Speicher und andere Flexibilitätsoptionen ausgebaut werden. Genau dort liegen Europas und Deutschlands Schwächen. Wir haben zu lange darüber gestritten, welche Technologie moralisch ist, statt konsequent zu fragen, was Wohlstand, Resilienz und Klimaschutz gleichzeitig ermöglicht.

Der liberale Ansatz ist technologieoffen, investitionsfreundlich und realistisch. Er fragt nicht zuerst, welche Technologie ins Weltbild passt, sondern welche Lösung funktioniert. Wer Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Klimaschutz zugleich will, darf keine funktionierende Technologie aus ideologischen Gründen vorschnell abschreiben.

Vier Gedanken dazu:

  1. Massiver und schnellerer Ausbau der Netze: Günstiger erneuerbarer Strom nützt wenig, wenn er nicht dorthin kommt, wo er gebraucht wird.
     
  2. Speicher: von Großbatterien bis zu dezentralen Lösungen - weil ein Energiesystem mit mehr Wind und Sonne ohne Flexibilität teurer und störanfälliger wird.
     
  3. Innovation und Technologieoffenheit: erneuerbare Energien, moderne Gaskraftwerke, Wasserstoff, Geothermie und eine nüchterne Offenheit für künftige Kernenergieoptionen statt Denkverbote aus der Vergangenheit. Auch die heimische Schiefergasförderung sollte ergebnisoffen geprüft werden. Deutschland bleibt auf absehbare Zeit auf Erdgas angewiesen. Eigene Vorkommen könnten Importabhängigkeiten verringern und einen Teil emissionsintensiver LNG-Importe ersetzen. Technologieoffenheit bedeutet nicht, jede Technologie unabhängig von ihren Kosten zu fördern. Sie bedeutet, dass der Staat nicht schon heute festlegt, welche Lösung sich morgen durchsetzen darf. Das müssen Unternehmen, Ingenieure und Investoren im Wettbewerb herausfinden.
     
  4. Eine Klimaresiliente Infrastruktur: Investitionen müssen in die Kühlung von Städten und die Wasserversorgung, in Klimaanlagen in Krankenhäusern und Pflegeheimen, Schulen und Kitas umgelegt werden.

Ein freiheitliches Europa muss hitzefest, krisenfest und wettbewerbsfähig werden. Wir müssen mehr Geld investieren, um die Folgen des Klimawandels zu beherrschen statt zu glauben, das Weltklima von Europa aus regulieren zu können. Wenn wir unsere Freiheit erhalten wollen, müssen wir realistisch sein und dürfen keine Möglichkeit ausschließen. Es geht um viel.