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Barrieren überwinden
Simbabwes junge Talente bringen selbst entwickelte Durchbrüche auf die Weltbühne

Post harvest

Close up of dried corn cobs and kernels scattered on dark, tilled soil amidst corn stalk residue, depicting harvest loss, farming aftermath, and the texture of post-harvest fields

© Shutterstock

Fünfzehn Forscherinnen und Forscher sowie Gründerinnen und Gründer betraten die Bühne des Falling Walls Lab Simbabwe, mit je nur drei Minuten und einer fordernden Frage: Welche Mauer wird deine Idee einreißen? Ihre Antworten begannen nicht mit Theorien, sondern mit den Menschen, Familien und Gemeinschaften, die sie kannten.

Am 31. Juli 2026 brachte das fünfte Falling Walls Lab im Stanbic Incubator Hub in Harare Ideen aus den Bereichen Gesundheit, Energie, Klimaresilienz, Landwirtschaft, Bergbausicherheit und Kreislaufwirtschaft zusammen. Organisiert in Partnerschaft mit der Friedrich-Naumann-Stiftung Simbabwe und der Stanbic Bank, zeigte die Veranstaltung, wie Innovationen aus den Realitäten Simbabwes heraus entstehen.

Tafadzwa Edna Marufo erinnerte an Zyanid, das eine kommunale Wasserquelle verseuchte. Ihr Gerät BioSafe wird unter einem Laborwaschbecken angebracht und reinigt gefährliches Abwasser, bevor es in die Umwelt gelangt. Es arbeitet allein mit Schwerkraft, ganz ohne Strom. Es ist für Schulen, Krankenhäuser, Labore und Minen mit knappen Ressourcen gedacht.

Eine andere Idee begann auf dem Friseurstuhl. Mitten im Haareschneiden ging dem Friseur die Solarbatterie aus und Malvin Chetse musste mit einem halben Haarschnitt nach Hause gehen. Was als Ärgernis begann, wurde zur Frage nach besserer Energiespeicherung. Sein Team erforscht Zuckerrohrabfälle als Rohstoff für leistungsstärkere Batterieanoden. So wird aus einem landwirtschaftlichen Nebenprodukt ein Baustein von Simbabwes sauberer Energiezukunft.

Die bewegendsten Momente verankerten technische Ideen in menschlicher Erfahrung. Joseph Nisome schilderte, wie Neugeborene während seines Einsatzes im Krankenhaus von Harare mit Unterkühlung kämpften. Seine Wärmetasche für Neugeborene ahmt die Wärme und den Herzschlag einer Mutter nach und unterstützt die Känguru-Methode, statt sie zu ersetzen. Der Durchbruch war nicht das Gerät an sich, sondern die Hoffnung, dass mehr Babys mit ihren Familien nach Hause gehen können.

Weitere Ideen widmeten sich unsicherem Trinkwasser, Lücken in afrikanischen Genomdaten und einer klimaresilienten Planung und stellten sicher, dass übersehene Communities nicht vom wissenschaftlichen Fortschritt ausgeschlossen bleiben.

Zugleich forderten die Pitches Simbabwe heraus, vom Export von Rohstoffen zur Wertschöpfung im eigenen Land überzugehen. Zu den Vorschlägen zählten vor Ort gefertigte Lithiumbatterien, Vermessungsdrohnen mit größerer Reichweite und Aufforstungsmethoden, die frisch gepflanzten Bäumen beim Überleben helfen sollen. Gemeinsam zeigten sie, dass Abfall und lokale Materialien zu wirtschaftlichen Chancen werden können.

Die Verbindung nach Deutschland ist dabei zentral. Falling Walls wurde in Berlin gegründet - in einer Stadt, deren Geschichte den Fall einer Mauer zum Symbol des Möglichen machte. Jedes Jahr reisen die Gewinnerinnen und Gewinner der lokalen Labs aus aller Welt nach Berlin zum globalen Finale und zum Falling Walls Science Summit. Dort treten sie in den globalen Austausch mit Forschung, Wirtschaft und Politik ein.

Für Deutschland ist das mehr als nur eine Bühne für afrikanische Talente. Simbabwes Ideen treffen deutsche Prioritäten unmittelbar: die Energiewende, eine nachhaltige Industrie, widerstandsfähige Infrastruktur, Innovationen im Gesundheitswesen und den verantwortungsvollen Einsatz künstlicher Intelligenz. Zugleich bieten sie deutschen Forschungs- und Wirtschaftspartnern etwas Wertvolles – Lösungen, die unter knappen Ressourcen entstanden sind, aber weit über diesen Kontext hinaus wirken können.

Der Austausch verläuft in beide Richtungen. Deutschland kann Forschungsnetzwerke, Investitionen, Mentoring und Wege zur Skalierung bieten; Simbabwe bringt die Erfahrung mit, unter knappen Ressourcen bezahlbare und widerstandsfähige Lösungen zu entwickeln. Auf Augenhöhe geht es in der Zusammenarbeit weniger darum, fertige Antworten weiterzugeben, als vielmehr darum, sie gemeinsam zu erarbeiten.

“Falling Walls Lab Zimbabwe is about more than a stage, it’s a bridge. The ideas coming out of Harare speak directly to what Germany is also working through: energy, health, resilient infrastructure. Anesu’s journey to Berlin is proof that this exchange runs both ways,” so Dr Emmie Chiyindiko, Gründerin des Falling Walls Lab Zimbabwe.

Den ersten Platz vergab die Jury schließlich an Anesu Mukuwane - für „Breaking the Wall of Post Harvest Losses". Aus übrig gebliebener Bierhefe stellt sie eine umweltfreundliche, ungiftige Beschichtung her, die frisches Obst und Gemüse vor mikrobiellem Verderb schützt und länger haltbar macht. Die Innovation könnte Straßenhändlerinnen und Straßenhändlern sowie Kleinbäuerinnen und Kleinbauern mehr Zeit zum Verkauf ihrer Ware verschaffen und zugleich aus einem industriellen Nebenprodukt echten Mehrwert schaffen. Als Siegerin des simbabwischen Labs wird Mukuwane ihr Land im November beim Global Finale in Berlin vertreten.

Der zweite Platz ging an Melinda Kufeni für „Breaking the Wall of Invisible Fatigue in Mining". Ihre intelligente Sicherheitsbrille erkennt Ermüdung und aktiviert die Bremsen eines Fahrzeugs, wenn eine Fahrerin oder ein Fahrer nicht auf einen Alarm reagiert. Trymore Kunjenjema belegte mit „Breaking the Wall of End-of-Life Vehicle Tyre Disposal" den dritten Platz und verwandelt ausrangierte Reifen in sicherere Pflasterprodukte aus Gummi.

Mit ihren Siegen endete ein Tag, den eine hartnäckige Überzeugung durchzog: Eine Mauer ist nicht das Ende der Geschichte. Sie ist eine Einladung, sie zu durchbrechen.