Wirtschaft
Be quick!
Wie können mutige wirtschaftspolitische Reformen ein Land nachhaltig verändern? Und welche Lehren lassen sich daraus für die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen Deutschlands ziehen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer Veranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit am 7. September 2026 in Berlin, die in Kooperation mit PISM, dem Polnischen Institut für Internationale Angelegenheiten stattfand. Begrüßt wurden die Gäste von Jan Tombiński, dem Geschäftsträger ad interim der Polnischen Botschaft.
Leszek Balcerowicz hält seine Keynote
© Milena RadatzZu Gast war Prof. Dr. Leszek Balcerowicz, einer der prägenden Wirtschaftsreformer Europas. Als polnischer Finanzminister und späterer Präsident der Nationalbank Polens spielte er eine entscheidende Rolle bei der wirtschaftlichen Transformation seines Landes. Mit dem nach ihm benannten „Balcerowicz-Plan“ leitete Polen in der Phase nach dem Fall des Eisernen Vorhangs weitreichende marktwirtschaftliche Reformen ein. Sie schufen wichtige Voraussetzungen für Wachstum, eine stabile Währung und die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung des Landes.
Svenja Hahn MdEP, Mitglied des Europäischen Parlaments und stell. Bundesvorsitzende der FDP
© Milena RadatzIm Gespräch mit der Europa-Abgeordneten und stellvertretenden FDP-Bundesvorsitzenden Svenja Hahn MdEP blickte Balcerowicz auf die Erfahrungen dieser Reformpolitik zurück und diskutierte deren Bedeutung für die Gegenwart. Dabei ging es insbesondere um die Rolle solider Staatsfinanzen, funktionierender Märkte und eines verlässlichen wirtschaftspolitischen Ordnungsrahmens. Freiheit, Wettbewerb und Unternehmertum seien zentrale Voraussetzungen dafür, dass Innovation entstehen und Wohlstand langfristig wachsen könne.
Auch der Blick auf Deutschland und Europa stand im Mittelpunkt der Diskussion. Angesichts des geringem Wachstums, steigenden staatlichen Ausgaben und zunehmenden strukturellen Herausforderungen stellt sich die Frage, wie wirtschaftliche Dynamik zurückgewonnen werden kann. Die polnischen Erfahrungen zeigen dabei, dass tiefgreifende Reformen politischen Mut erfordern, zugleich aber langfristig die Grundlage für mehr wirtschaftliche Freiheit und Wohlstand schaffen können.
Ein großes Publikum und viele interessierte Fragen machten das große Interesse deutlich
© Milena RadatzModeriert wurde die Diskussion von der Journalistin und Autorin Margaret Heckel. Es wurde deutlich: Nachhaltige wirtschaftliche Erfolge entstehen nicht von selbst. Sie brauchen klare Regeln, solide Finanzen und den politischen Willen, notwendige Reformen auch gegen Widerstände umzusetzen. Gebeten um einen Rat an die Adresse der deutschen Politik fiel Balcerowicz’ Antwort knapp und deutlich aus: seid mutig - und “be quick”.
Die Veranstaltung wurde unterstützt von der Botschaft der Republik Polen, von BERPOL Polish-German Business Club e.V., und vom Polnischen Wirtschaftsclub an der Botschaft der Republik Polen in Berlin.