Wohneigentum
Was die Grunderwerbsteuer wirklich kostet
Der Erwerb von Wohneigentum stand lange Zeit sinnbildlich für das Aufstiegsversprechen in Deutschland. Bis heute verbinden viele Menschen mit den eigenen vier Wänden Sicherheit, Unabhängigkeit und die Möglichkeit zum Vermögensaufbau. Ein Blick in die Daten zeigt jedoch: Immer weniger Menschen können sich diesen Traum erfüllen.
Hierfür gibt es eine Reihe von Gründen. Besonders problematisch sind in Deutschland jedoch die hohen Erwerbsnebenkosten – allen voran die Grunderwerbsteuer. Anders als der eigentliche Kaufpreis kann sie in der Regel nicht über ein Hypothekendarlehen finanziert werden, sondern muss vollständig aus Eigenkapital bezahlt werden. Gerade Erstkäufer verfügen häufig noch nicht über ausreichende Vermögensreserven. Die Grunderwerbsteuer kann deshalb darüber entscheiden, ob der Erwerb eines Eigenheims gelingt oder am fehlenden Eigenkapital scheitert.
Wie hoch diese Belastung tatsächlich ist, darüber wird meist verkürzt diskutiert. Im Mittelpunkt steht häufig allein der Steuersatz. Für die tatsächliche Belastung greift dieser Blick jedoch zu kurz. Entscheidend sind ebenso die Immobilienpreise und das regionale Einkommensniveau.
Der Steuersatz allein erzählt nicht die ganze Geschichte
Unsere neue Kurzanalyse untersucht deshalb die tatsächliche Belastung der Grunderwerbsteuer in den Bundesländern. Hierzu werden Immobilienpreise, Grunderwerbsteuersätze und regionale Einkommen zu einem Erschwinglichkeitsindikator zusammengeführt. Dieser zeigt, wie viele Monatsgehälter ein durchschnittlich verdienender Vollzeitbeschäftigter allein für die Grunderwerbsteuer eines typischen Eigenheims aufbringen muss.
Die Ergebnisse zeigen erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Während in Bayern durchschnittlich 4,7 Monatsgehälter für die Grunderwerbsteuer erforderlich sind, sind es in Mecklenburg-Vorpommern bereits 6,9, in Nordrhein-Westfalen 7,6 und in Brandenburg 8,0 Monatsgehälter. Am höchsten ist die Belastung in Berlin mit 9,4 Monatsgehältern.
Ein Vergleich zwischen Bayern und Mecklenburg-Vorpommern macht die Unterschiede deutlich. Ein typisches Eigenheim kostet in Mecklenburg-Vorpommern rund 190.000 Euro weniger als in Bayern. Trotzdem fällt dort aufgrund des höheren Steuersatzes mehr Grunderwerbsteuer an. Doch damit nicht genug: Auch das Einkommensniveau ist in Mecklenburg-Vorpommern deutlich niedriger. Das Ergebnis: Käufer müssen in Mecklenburg-Vorpommern rund 47 Prozent mehr Monatsgehälter für die Grunderwerbsteuer aufbringen als in Bayern.
Erst das Zusammenspiel von Steuersatz, Immobilienpreisen und Einkommen macht sichtbar, wie erschwinglich Wohneigentum in den einzelnen Bundesländern tatsächlich ist.
Erwerbsnebenkosten stärker in den Blick nehmen
Die Ergebnisse zeigen: Wer den Zugang zu Wohneigentum erleichtern will, sollte die Erwerbsnebenkosten stärker in den Blick nehmen. Gerade in Bundesländern mit vergleichsweise niedrigen Einkommen belastet die Grunderwerbsteuer Erstkäufer besonders stark. Freibeträge für selbstgenutztes Wohneigentum oder niedrigere Grunderwerbsteuersätze können diese Einstiegshürde spürbar senken.