Stipendiaten
Berchtesdgadener Land: Rohstoffrepublik DE– Zwischen Abbau, Nachhaltigkeit und Zukunft: Tag 1
Die Inlandsakademie 2026 im Berchtesgadener Land widmete sich der Frage, wie Deutschland und Europa ihre Versorgung mit kritischen Rohstoffen in einer Zeit geopolitischer Spannungen, technologischen Wandels und wachsender Nachhaltigkeitsanforderungen sichern können. Im Mittelpunkt standen Fragen nach der Rohstoffsouveränität angesichts globaler Abhängigkeiten sowie danach, wie sich wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, ökologische Verantwortung und internationale Partnerschaften miteinander verbinden lassen.
So verlief Tag 1
Der erste Tag der FNF-Inlandsakademie zur Rohstoffpolitik bot eine Einführung in zentrale Fragestellungen: Unsere Abhängigkeit von Rohstoffen aus der Dritten Welt und das Umfeld der dortigen Förderung. Wir starteten mit einem Vortrag von Michael Reckordt, Abteilungsleiter Rohstoffe bei der globalisierungsskeptischen NGO PowerShift e.V., zur Rohstoffversorgung im 21. Jahrhundert. Spannend war, wie stark unser Alltag von globalen Rohstoffketten abhängt. Ein Ausstieg, wie er bei fossilen Brennstoffen unter dem Stichwort “Postfossil” diskutiert wird, sei bei Metallen aber unmöglich. Seiner Ansicht nach ist eine (nachhaltige) Rohstoffversorgung der rohstoff(-konzern)armen EU langfristig nur durch geringeren Verbrauch, mehr Kreislaufwirtschaft sowie höhere Umwelt- und Menschenrechtsstandards möglich.
Ob etwa strenge Lieferkettengesetze tatsächlich hilfreich sind, war Gegenstand der sich anschließenden Debatte. Eine Spannung wurde jedoch klar: In Europa leben weniger als 6% der Weltbevölkerung, wir nutzen aber mehr als 25% der Metalle und deren Beschaffung wird zunehmend kompliziert.
Im folgenden Workshop zur Nutzung von Kobalt, Nickel, Lithium sowie den Metallen der sogenannten Seltenen Erden in Smartphones bereitete es uns viel Spaß, den globalen Weg dieser zentralen Rohstoffe und die politischen, wirtschaftlichen sowie gesellschaftlichen Folgen von Abbau und Verarbeitung zu analysieren und dabei auch den eigenen Lebensstil zu hinterfragen. Die komplexe Verzahnung zahlreicher Akteure mit unterschiedlichen Interessen führt zu vielen ökologischen, sozialen und geopolitischen Konflikten, in denen es für Liberale selten einfache Antworten gibt.
Eine aufschlussreiche Case Study zu Kobalt ergänzte Promotionsstipendiatin Viktoria Kropp von der TU München. Aus Perspektive der Political Economy führte sie aus, wie die Materialität von Rohstoffen Politik und Wirtschaft präge. Es gibt z.B. ein großes Menschenrechtsproblem in der Kobaltförderung, weil das Metall oberflächennah und damit auch in informeller Minen krimineller Paramilitärs von Kindern abgebaut werden kann. In der weiteren Lieferkette führen die physikalischen Eigenschaften von Kobalt dazu, dass Investitionen insbesondere im Rahmen integrierter Wertschöpfungsketten attraktiv werden – dies wiederum erklärt mit, warum chinesische Staatskonzerne den globalen Markt kontrollieren, obwohl die Förderung primär in der D.R. Kongo erfolgt. Kropps Folgerung: Technologiepolitik sollte die Natur der Rohstoffe von Anfang an mitdenken und etwa bei den Quantentechnologien mögliche Probleme proaktiv angehen.
Insgesamt stehen die EU und Deutschland als Habenichtse auf der Rohstoffbühne. Wir sind bei vielen Bottlenecks in der Wertschöpfungskette insbesondere von China abhängig. Produktionsketten europäisch zu beeinflussen ist aber schwer, weil Vorkommen wie Möglichkeiten zur Weiterverarbeitung essentieller Ressourcen oft nicht da sind, wo Menschenrechte und Demokratie auch sind.