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Künstliche Intelligenz
Auf einem Gipfel lässt sich kein KI-Rechenzentrum bauen

Serverraum mit vernetzten Serverschränken, zahlreichen Kabeln und blauer LED-Beleuchtung.
© KI-generiertes Bild

KI ist die größte wirtschaftliche Chance dieses Jahrzehnts. Doch Ankündigungen liefern weder Flächen noch günstigen Strom noch Rechenleistung noch Unternehmen, die KI produktiv einsetzen können. Die Bundesregierung muss endlich die Voraussetzungen dafür schaffen.

Der Bundeskanzler auf der Bühne, daneben der Chef des weltweit führenden KI-Chipkonzerns auf dem Investitionsgipfel der Bundesregierung diese Woche. Und ein Satz, der hängen bleibt: „Baut Deutschland um.“ Nvidia-Chef Jensen Huang hat recht. Wir müssen mit Künstlicher Intelligenz Fabriken, Kliniken und Verwaltungen grundlegend neu denken und verändern. Der Kanzler bittet die Unternehmenschefs: Füttern Sie mit Ihren Daten die KI.

Doch auf einem Gipfel lässt sich kein Rechenzentrum bauen. Investoren suchen händeringend in Deutschland Flächen mit Stromanschlüssen und es braucht wettbewerbsfähige Strompreise. Der Appell an die Unternehmen, endlich mehr KI einzusetzen, greift so zu kurz. Die entscheidende Frage lautet: Schaffen die Bundesregierung und die Landesregierungen die Standortbedingungen, unter denen Investitionen in die Infrastruktur überhaupt möglich sind und Investitionen in KI sich tatsächlich lohnen, so dass die Technologie wirtschaftlich eingesetzt werden kann?

Eine Absichtserklärung ist noch kein Projekt

Die Bundesregierung und Nvidia wollen gemeinsam mit Siemens, Audi und weiteren Unternehmen die Entwicklung von KI-Modellen für industrielle Anwendungen vorantreiben. Konkrete, verbindliche Meilensteine, Investitionszusagen und Verantwortlichkeiten bleiben in der veröffentlichten Erklärung aber offen. Statt Versprechungen zu machen und Pläne zu schmieden, sollte die Bundesregierung die konkreten Probleme anpacken.

Die Stromrechnung kommt vor dem Server

Erstes Beispiel: Wer KI entwickeln will, braucht Rechenleistung. Und Rechenleistung braucht vor allem eines: Flächen und Strom. Viel Strom.

Was das kostet, zeigt eine Modellrechnung auf Basis von Daten des Forschungsinstituts Epoch AI. Ein Rechenzentrum mit 100 Megawatt IT-Leistung verbraucht danach rund 709 Gigawattstunden im Jahr. Zum deutschen Industriestrompreis für Neuverträge von 19,2 Cent je Kilowattstunde, inklusive voller Stromsteuer, ergeben sich rund 136 Millionen Euro. Zum US-Preis wären es etwa 52 Millionen. Das zeigt, was bei Standortentscheidungen zählt – und wie Deutschland dabei abschneidet.

Der Mittelstand braucht keine weitere Ermahnung

Noch wichtiger ist, dass Unternehmen mit KI experimentieren können. Zwar nutzen laut Bitkom inzwischen 57 Prozent der deutschen Unternehmen Künstliche Intelligenz. Doch neun von zehn sehen sich dabei erst am Anfang. Ein Grund dafür: Datenschutzvorgaben und rechtliche Unsicherheiten sorgen für erhebliche Schwierigkeiten.

Wer KI mit eigenen Daten trainieren möchte, muss wissen, was erlaubt ist und welche Pflichten gelten. Der AI Act muss deswegen praxistauglich umgesetzt, die Datenschutzregeln müssen vereinfacht und Rechtsunsicherheiten beseitigt werden. Gerade kleine und mittlere Unternehmen brauchen klare Regeln. Das gilt nicht nur für die Anwendung von KI, sondern auch für die Entwicklung neuer Modelle. Die kommen in Deutschland zunehmend aus China.

Zwischen den KI-Supermächten

Wie schnell neue Abhängigkeiten entstehen können, zeigt eine aktuelle Studie des Global Innovation Hubs unserer Stiftung in Taipeh. Auf der KI-Plattform OpenRouter entfielen im Sommer bereits 61 Prozent des deutschen Tokenverbrauchs auf chinesische Modelle. Noch vor einem Jahr war ihr Anteil kaum nennenswert. So kommt die Hardware bald aus den USA, die Software für die Entwickler aus China.

Die Antwort darauf kann nicht Abschottung sein, sondern Souveränität durch Stärke und diverse Partnerschaften. Doch auch für Kooperationen muss man etwas zu bieten haben und ein attraktiver Partner sein. Wenn der Bundeskanzler kommende Woche in Asien ist, werden seine Botschaften in Singapur, Japan und Südkorea ganz ähnlich klingen wie auf dem Investitionsgipfel. In Seoul wird er auf der wichtigsten Wirtschaftskonferenz der deutschen Wirtschaft sprechen und den Standort preisen.

Ob das ankommt? Das Korea-Büro der Naumann-Stiftung wird kommende Woche einen kleinen Realitätscheck veröffentlichen. Eines vorab: Die Ergebnisse der Umfrage unter koreanischen Managern sind ernüchternd. Deutschland wird zwar weiter als technologisch interessanter Partner gesehen. Aber bei den politischen Rahmenbedingungen sehen die Manager erheblichen Verbesserungsbedarf. Das Ergebnis: 83 Prozent sehen die USA als attraktiven wirtschaftlichen Partner. Deutschland nur 47 Prozent.

Deutschland hat kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. Mal wieder. Der Rest der Welt merkt das. Die Bundesregierung muss die Unternehmen bei opulenten Gipfeln nicht immer wieder auffordern, mehr in KI zu investieren und sie zu nutzen. Sie muss die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass sie es in Deutschland tun können.